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Elektro-Tretroller : Wir sind die Außenseiter

So sollten sie stehen. Bild: dpa

Die Elektro-Tretroller spalten die Gesellschaft. Die einen hassen sie (und ihre Fahrer). Die anderen wollen nur Spaß haben. Hier kommt ein Plädoyer für mehr Ruhe.

          5 Min.

          Jetzt kommt mal alle runter! Ihr Fahrer eines Elektro-Tretrollers, Fahrrads, E-Scooters, Motorrads oder Autos. Wir sollten uns zusammensetzen und darüber reden, wie wir uns die Zukunft des Stadtverkehrs vorstellen. So geht es nicht weiter – schon gar nicht, wenn alle über den Elektro-Tretroller schimpfen: Nein, nicht alle Nutzer fahren zu zweit drauf. Nein, nicht jeder stellt ihn mitten im Weg ab. Nein, nicht alle fahren auf dem Bürgersteig. Nein, nicht nur Kinder fahren darauf. Und nein, die Nutzer werfen sie nach der Fahrt nicht in den Main.

          Dennoch müssen sich alle E-Tretroller-Fahrer, die sich ordentlich und den Vorschriften gemäß verhalten, erst einmal hinten anstellen. Busse, Autos, Motor- und Fahrräder waren zuerst im Straßenverkehr da. Es wird eine Weile dauern, bis der neue Teilnehmer ernst genommen wird. Leider tun einige Städte selbst wenig dafür, dass es mal so kommen könnte. Die Stadt Frankfurt diskriminiert mit Zustimmung der Verleiher die Rollerfahrer. Etablierte Routen der Fahrradfahrer sind gesperrt. Egal, ob jemand mit Circ, Tier oder Lime unterwegs ist: Wer auf den Grüngürtel biegt, um wie viele Radfahrer die Fußgängerzone der Innenstadt zu umgehen, wird gebremst. Entweder fährt der Motor die Geschwindigkeit auf Schritttempo herunter, oder die App verbietet es formal durch rot gekennzeichnete Gebiete, woran sich nicht alle halten. Dasselbe gilt für die Fahrten am Main, wo täglich Tausende radelnd zur Arbeit pendeln, Rollerfahrer aber absteigen müssen.

          Das kostet. Denn Zeit ist Geld, auch für Rollerfahrer. Pro Minute Leihdauer verlangen die Vermieter zirka 20 Cent. Allein ein Euro wird für das Entsperren fällig. Würde man es schaffen, ständig die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h zu halten, kostet der Kilometer mindestens 60 Cent plus die Startgebühr von einem Euro. Die Erfahrung zeigt, dass es langsamer vorangeht, so dass eine Fahrt beispielsweise vom Gallus ins Nordend mehr als vier Euro kostet. Damit bleibt nur noch ein Verkehrsmittel übrig, das teurer ist: das Taxi. Es hat den gleichen Vorteil wie der Tretroller: Man kann mit ihm (fast) von Tür zu Tür fahren.

          An allen „öffentlichen Plätzen“ abstellen

          Das geht mit dem Leihrad auch. In Frankfurt gibt es seit 2003 die Möglichkeit, sich Call-a-bike-Räder der Deutschen Bahn auszuleihen. In den ersten Jahren war die Idee dieselbe wie heute bei den Elektro-Tretrollern: Gerät sichten, entsperren, losfahren, abstellen – und die Leihgebühr wird automatisch abgebucht. Dann schränkte die Bahn die Möglichkeit ein und führte fixe Stationen in Frankfurt ein. So wie es Nextbike immer noch anbietet. Mittlerweile können die DB-Räder an beliebigen Orten abgestellt werden. Auch Byke und Limebike erlauben es, die Fahrräder an allen „öffentlichen Plätzen“ abzustellen.

          Als vor zwei Jahren Städte wie Frankfurt mit Billig-Mieträdern überflutet waren, wurde Fluch und Segen solcher Verkehrsmittel klar. Wenn sie einfach mit dem Smartphone entliehen und irgendwo abstellt werden können, lockt dies viele Kunden. Und im Vergleich zu den Rollern sind die Leihräder geradezu günstig. So kostet bei Byke eine Ausleihe von zwanzig Minuten einen Euro. Dafür stehen und liegen die Räder an Stellen in der Stadt herum, wo sie stören und nicht hingehören. Die Aufregung über die wild abgestellten Leihräder war groß.

          Es gibt keine Wartezeit

          Bei den Elektro-Tretrollern ist sie noch viel größer. Doch ihre Attraktivität ergibt sich nun mal aus der einfachen Ausleihe in Kombination mit der Verfügbarkeit. Ungeachtet des Fahrpreises gibt es derzeit wenige Verkehrsmittel, die so bequem und schnell ausgeliehen werden können. Es gibt keine Wartezeit. Geradezu im Vorbeigehen lässt sich ein Tretroller ausleihen und wieder abstellen. Insofern ist die Einschätzung völlig richtig, dass sich dieses Verkehrsmittel als Ersatz für den Fußweg anbietet. Die Frage ist nur: Warum sollte die Bewegung zu Fuß ersetzt werden? Weil es schneller geht? Weil es mehr Vergnügen bereitet? Weil es hip ist? Dreimal ja. Weil Elektro-Tretroller auch umweltfreundlich sind? Klares Nein – der Weg zu Fuß ist immer noch emissionsärmer. Hier ist ab und zu das Argument unterwegs, dass doch Autofahrer auf die Roller umsteigen könnten. Doch das macht kaum jemand.

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