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Fahrbericht Gocycle GX : Mit dem Elektro-Faltrad unterwegs in der Stadt

Das Gocycle GX ist ein Elektrofaltrad Bild: Hersteller

Das Gocycle GX sieht stylisch aus, hat einen Elektro-Motor und lässt sich zusammenfalten. Das ideale Fahrrad für Pendler? Wir haben uns damit auf den Weg zur Arbeit gemacht.

          Natürlich geht es auch ohne Elektroantrieb. Doch das Glücksgefühl, mit einem Faltrad, das eben noch im Zugabteil oder Kofferraum verstaut war, schweißfrei durch die Stadt zu flitzen, Anstiege ohne Abstiege zu meistern, ist zu gut. Lediglich das Wort „Elektro-Faltfahrrad“ ist wenig geschmeidig und kommt einem nicht so locker von den Lippen, wenn gerade wieder jemand an der Ampel neben einem steht und fragt: „Was ist das denn?“

          Die Bezeichnung genügt den meisten ohnehin nicht als Erklärung. Der Fingerzeig auf den Rahmen, wo ein verriegelbares Scharnier die beiden Teile des Rades zusammenhält, macht schnell deutlich, dass es sich um ein zusammenklappbares Rad handelt. Doch wo stecken Elektromotor und Batterie? Wieder ein Fingerzeig auf den Rahmen, dazu die Information, dass der Akku fest verbaut ist. In der Vorderradnabe sitzt der Motor, also quasi ein Frontantrieb, der dem Pedalantrieb hinten Arbeit abnimmt. Die Konversation kann dann schon mal ein paar Ampelphasen dauern. Sie findet manchmal ein abruptes Ende, wenn der Preis zur Sprache kommt. Das Gocycle GX kostet in der uns überlassenen Version 3430 Euro.

          Warte, möchte man dem Davoneilenden hinterherrufen, Pedelecs kosten nun mal viel Geld! Jedenfalls ist der Preis immer deutlich höher als die der Fahrräder, die sich allein durch die Kraft der Oberschenkel fortbewegen lassen. Anschaulich wird dies an einem anderen Faltrad. Der Klassiker von Brompton kostet mit elektronischer Unterstützung rund 3000 Euro, was ungefähr das doppelte der Variante ohne Hilfsmotor ist.

          Mit Elektroantrieb durch die Stadt mit dem Gocycle GX. Bilderstrecke

          Fahrräder wie das GX sind kein reines Fortbewegungsmittel. Wer mindestens 3200 Euro für das Modell in der Grundausstattung ausgibt, bekommt auch gutes Design. Mit diesem Rad fällt man im Stadtverkehr auf. Dazu tragen vor allem die Räder mit nur fünf Speichen, die ungewöhnliche Rahmenform, der stylische Kettenschutz und die Einarmaufhängung der Räder bei. Freilich steht praktischer Nutzen im Vordergrund. Das GX lässt sich mit wenigen Handgriffen zusammenfalten. Gocycle zählt zehn Sekunden. Wir brauchen etwas länger, unterbieten die Minute aber in jedem Fall. Während dieser Aktion droht kein Kontakt mit der Kette oder anderen öligen Stellen. Der Kettenschutz umschließt den Antrieb vollständig. Auch muss kein Rad demontiert werden.

          Anzugträger brauchen sich nicht sorgen, dass sie mit schmutziger Hose oder Krawatte ins Büro kommen. Zusammengefaltet packt man das Rad am Sattel, kippt es an und rollt es vor sich hin. Diese Transportvariante funktioniert gut, wird aber auf längeren Strecken anstrengend. Aufzüge sind Rolltreppen vorzuziehen. Mal eben das 18 Kilogramm schwere GX zu Hause in die erste Etage zu tragen geht in Ordnung, wohnt man in der zweiten oder dritten, lässt man es besser unten und sucht dort eine Steckdose.

          Fünf Kilometer hin und zurück

          Im Test musste das Gocycle GX das tun, was ansonsten eine alte Gazelle tut: den Autor in Frankfurt fünf Kilometer hin zur Arbeit und wieder zurück bringen. Mit dem GX macht Pendeln Spaß. Seine Heimat ist die Stadt. Das Gocycle liegt mit seinen etwas dickeren, 20 Zoll großen Rädern komfortabel auf der Straße, Kurven lassen sich sportlich nehmen, die Hinterradfederung schont den Po, und die Bremsen packen beherzt zu. In jedem Gang verlangt das GX Eigeninitiative, bis die 3-Gang-Nabenschaltung mitleidig aufheulend eingreift und die Oberschenkelmuskeln des Fahrers schont. Nach ein paar Tagen kennt man das Rad gut, so dass sich die Tritte dosieren lassen, um mit konstanter Unterstützung vom ersten in den dritten Gang zu schalten.

          Wie sehr man strampeln muss, bis der Motor hilft, lässt sich allein über eine App einstellen, als Schalter am Rad gibt es nur eine Boost-Funktion. Gocycle schlägt die Kategorien City, Eco, Sport und City+ vor. Individualisten können ihre eigene Einstellung wählen. Mit einem Schieberegler wählt man zwischen 0 und 600 Watt für die „Pedalkraft bis zum Motorstart“. Stellt der Radler also 200 Watt ein, muss er diese Leistung erst selbst erzeugen, danach beginnt der 250 Watt starke Elektromotor zu helfen. Nun lässt sich noch einstellen, bei welcher Pedalkraft die „volle Motorunterstützung“ gilt. So hält das GX etwa am Berg die Geschwindigkeit durch mehr Motorunterstützung, weil die Pedalkraft steigt. Wer bequem ist und sich schon beim Anfahren regelmäßig unterstützen lässt, zieht den Akku schneller leer.

          Eine Woche mit einer Akkuladung

          Im City-Modus, der für die Stadt im Test in der Tat gut passte, begleitete uns das GX von Montag bis Freitag, ohne dass das Rad an die Steckdose musste. Das ergibt eine Reichweite von rund fünfzig Kilometern. Der Akku kann übrigens nicht ausgebaut werden, so dass das Rad immer in die Nähe einer Steckdose gebracht werden muss. Weil in unserem Hinterhof keine ist, haben wir das GX immer zusammengeklappt und im Flur aufgeladen, was etwa vier Stunden dauert. Es gibt elegantere Lösungen.

          Auf einer der letzten Runden mit dem GX wurde unsere junge Beziehung dann auf eine Belastungsprobe gestellt. Zum zarten Summen des Elektromotors gesellte sich ein fieses Klack vom Hinterrad. Dieses hatte sich gelockert, ein wenig Spiel bekommen. Damit weiterzufahren erschien uns wenig ratsam. Anruf beim Hersteller. Die Untersuchung ergab, wir geben sie wörtlich wieder, folgende Diagnose: „Wie sich herausstellte, war die Nabenschaltung nicht optimal eingestellt und lockerte sich. Es ist kein serientypisches Problem, das jedoch bei Vor-Produktions-Modellen auftreten kann. Um dies zu verhindern, werden in der Produktion Drehmomentbereiche und Toleranzen genau kalibriert und eingestellt.“ Die Serienproduktion des Gocycle GX ist gerade angelaufen.

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