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Dreirad Scorpion FS 26 S : Elektrischer Stuhl

Sprungbereit: Das Scorpion fs 26 S von HP Velotechnik ist ein betont sportliches schnelles Pedelec. Bild: Pardey

45 km/h und mit dem Hintern gefühlt eine Handbreit über dem Asphalt: Wir haben das Dreirad Scorpion FS 26 S von HP Velotechnik ausprobiert.

          Auf den ersten Blick wirkt dieses flach an den Boden geduckte Dreirad weniger bedrohlich als vielmehr etwas verwirrend. Das Dreieck des Fahrwerks mit seinem angetriebenen 26-Zoll-Rad hinter der Rücklehne und den beiden gelenkten, einzeln aufgehängten Vorderrädern (20 Zoll) rechts und links von den Knien des Fahrers hat einfach so viele Linien. In Längsrichtung mittig ein zentrales Rohr, das hinten in die Antriebsschwinge mündet und vorn das Tretlager mit den Kurbeln trägt.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Vor der Sitzkante der nach oben gebogene Lenker und der Querträger der Vorderradaufhängung, Federbeine und Querstabilisator, die schlanke Röhre der Kettenführung, Kabel, Rohre, Rollen, Streben. Alles zusammen ist entschieden mehr, als dass im Kopf der Begriff „Fahrrad“ aufleuchten würde. Im diesem Falle ist das ja auch ganz richtig: Das Scorpion FS 26 S von HP Velotechnik ist ein elektrisches Leichtkraftrad der Kategorie L2e: der Nabenmotor im Hinterrad (Go Swissdrive G45, Nennleistung 370 Watt, 45 Newtonmeter Drehmoment) unterstützt bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h mit einer fünfstufigen Kraftverstärkung (bis 300 Prozent).

          Solch ein Fahrzeug braucht ein Versicherungskennzeichen, und der Fahrer muss mindestens sechzehn Jahre alt sein und mindestens einen Führerschein der Klasse AM haben. Auch wenn einen die Gnade der frühen Geburt von der Führerscheinpflicht befreit, hat man einen Helm zu tragen. Neue, durch den Hersteller mit einer Betriebserlaubnis des Kraftfahrt-Bundesamtes zuzulassende schnelle Elektroräder müssen inzwischen – vernünftigerweise – eine Hupe haben, wie schon zuvor Rückspiegel und Seitenreflektoren. Zweispurige Räder wie das Scorpion können nun Blinker als Richtungsanzeiger haben, HP Velotechnik verbaut seit diesem Jahr die zierlichen Leuchten von WingBling. Und dann wäre da noch diese Sache mit dem Schauglas – wie die Wegfahrsperre in Form eines Ringschlosses eine Bedingung der Betriebserlaubnis. Deren gibt es ja allerlei: Einspurige schnelle Elektroräder müssen zum Beispiel einen Seitenständer vorweisen können, der bei Entlastung einklappt.

          Einfach zu transportieren

          Das ist, am wesentlich schwereren Motorrad orientiert, ingenieurmäßig und sicherheitstechnisch gedacht, in der Praxis aber immer wieder Ursache dafür, dass das geparkte S-Pedelec umgeworfen wird – von rempelnden Kindern, großen Hunden oder anderen Parkplatzsuchenden. Nun, bei dem Dreirad verlangte die Genehmigungsbehörde ein Schauglas zur Ölstandskontrolle der gekoppelten hydraulischen Bremsen. Hydraulische Fahrradbremsen haben solch eine Kontrollanzeige gewöhnlich nicht. Die Krifteler mussten sich daher zusammen mit dem Bremsenlieferanten etwas einfallen lassen.

          Nach Recht und Gesetz: das Schauglas, ... Bilderstrecke

          Kurz und gut: Das Scorpion fs 26 S von HP Velotechnik ist das erste Dreirad, das als elektrisches Leichtkraftrad alle neuen Vorschriften erfüllt. Und jetzt einmal kurz, aber ganz tief Luft holen: So, wie es dastand und gefahren wurde, kostet es mit Zubehör rund 10.500 Euro; allein der zweite Akku (636 Wattstunden), der für ausreichende Reichweite sorgt, macht einen knappen Tausender aus.

          Man steigt gewissermaßen ein

          Auf dieses Schmuckstück setzt man sich nicht einfach drauf, man steigt gewissermaßen ein: sofern da nicht noch als Wetterschutz die durchsichtige Frontverkleidung Streamer montiert ist, am besten einfach von vorn, dabei aber rückwärts gehend. Nach einem Schritt über das Zentralrohr des Rahmens hinweg nimmt man Platz, wie man sich in einen Sessel setzt. So bequem sitzt man dann auch. In der Optionsliste, die einen Autoverkäufer neidisch machen könnte, finden sich allein zu diesem Punkt sechs Varianten: in Form, Höhe und Breite und Sitzlänge variable Bequemlichkeit.

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