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Aprilia Tuono V4 1100 Factory : Donner in hoher Dosis

Aprilia Tuono in der Factory-Version Bild: Hersteller

Von allem zu viel und jetzt auch mit elektronischem Fahrwerk: Die unnachahmliche Aprilia Tuono V4 1100 Factory. Eine erste Probefahrt.

          Eine kleine Pointe gibt es zu diesem Motorrad. Das sind die Glühlampen. An einem Fahrzeug, das die elektronische Ausstattung für eine Marsmission an Bord hat und auch sonst die technische Speerspitze markiert, sind Glühlampen in den Gehäusen für Scheinwerfer und Blinker ein echter Witz. Jeder Hobel kommt heutzutage mit LED-Beleuchtung um die Ecke. Nicht aber diese Rakete aus Noale.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Andererseits bekommt der Begriff Glüh-Lampe im Zusammenhang mit der Aprilia Tuono einen ganz eigenen Sinn. Es handelt sich bei der Tuono („Donner“) um eine für den Straßengebrauch nur ansatzweise gezähmte Abwandlung der Rennmaschine RSV 4 mit weniger Verkleidung und erhöhtem Lenker. Ein Ding von hoher Faszination. Denn alles an der Tuono V4 1100 ist pure Übertreibung. Für den zivilen Gebrauch übertrieben ist die Ballung supersportlicher Komponenten vom Racing-Chassis bis hin zur Bremsanlage mit Brembo-Monoblock-Sätteln und 330-Millimeter-Doppelscheibe vorn, die einen Güterzug auf den Zentimeter genau anhält. Aberwitzig ist die Ausstattung mit Reifen des Typs Pirelli Diablo Supercorsa – hinten ein mordsbreiter 200er –, die erst auf der Rennstrecke so richtig aufblühen. Nur ein mickriger Rest von Profil unterscheidet diesen Pneu vom Slick. Exorbitant für ein Naked Bike fällt die Nennleistung von 175 PS des knapp 1100 Kubik großen V-Vierzylinders aus, der bei 11 000 Umdrehungen zum Höhepunkt kommt. Von der Drehzahlmitte an feuert er hart, aber herzlos, will ständig das Vorderrad in die Höhe reißen.

          Ein Wahnsinn das Ganze. Aber es funktioniert fürchterlich gut. In ihrem Wahnsinn ist die Tuono stimmig, so stimmig, dass selbst die Raketenflügelchen am Heck hinterm straffen Fahrer-Solositz nicht albern, sondern wie eine Notwendigkeit wirken. Weil die Aprilia-Mannen konsequent das Beste verbauen, was sie auf Lager haben, ergibt sich das einzigartige Fahrgefühl aus schneidender Genauigkeit, unbändiger Kraft, Stabilität, Souveränität, Kontrolle. In diesem Paket verdichtet sich, was sportliches Motorradfahren ausmacht.

          Es ist nichts für Ungeübte oder Heißsporne. Bilderstrecke

          Es ist nichts für Ungeübte oder Heißsporne. Man muss es mit Vorsicht behandeln und ihm ordentlich Treibstoff zuführen. Nach unserer 140-Kilometer-Proberunde während der Pressevorstellung zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 6,9 Liter für 100 Kilometer an. Auch das ist übertrieben, doch hatten wir mit noch mehr gerechnet, denn Aprilia selbst gibt den Normverbrauch mit 7,7 Liter an. Für Sparsamkeit war der V4 aus Italien noch nie bekannt. Sein Klang entspricht dem, was ein Fahrzeug erwarten lässt, das Donner heißt. Mit viel gutem Willen in der Lautstärke vielleicht gerade eben noch akzeptabel. Vielleicht auch nicht. Mit vollem 18-Liter-Tank bringt die Maschine laut Werksangabe lediglich 209 Kilo auf die Waage.

          Im Vergleich zur Vorgängerin bleibt die Tuono V4 1100 des Jahrgangs 2019 unverändert – abgesehen von einer wesentlichen Ergänzung: Die Version „Factory“, das Spitzenmodell unter den Tuonos, wird jetzt mit elektronischem Fahrwerk ausgestattet, das vom Zulieferer Öhlins stammt. Es passt auf Wunsch Federung und Dämpfung in Sekundenbruchteilen dem Fahrbahnbelag und dem Fahrstil an. Gesteuert wird es über den TFT-Farbbildschirm vorm Lenker und einen Joystick für den Daumen der linken Hand.

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