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Fliegende Banner : Ein Riesen-Zirkus mit der Luftwerbung

  • -Aktualisiert am

Mit dem schweren Banner starten geht nicht, wie kommt es also an den Haken? Bild: Frank Herzog

Wenn Michael Amm mittags in die Luft geht, wird abends die Manege voll: Er fliegt für den Zirkus Flic Flac Werbung mit einem Banner.

          Michael Amm hat auf den ersten Blick weder etwas mit einem Artisten noch mit einem Clown gemein. Und doch ist er ein wichtiger Mitarbeiter des Zirkus Flic Flac. Wenn abends der Vorhang in der Manege hochgeht, hat er schon Feierabend. Und ist die Vorführung ausverkauft, kann Amm einen Teil des Erfolgs für sich reklamieren. Denn überall, wo Flic Flac auftritt, macht er auf unkonventionelle Weise Werbung – indem er ein Banner durch den Himmel zieht.

          Sein Arbeitsgerät ist eine Aviat Husky. Die ist kein Schlittenhund, sondern ein zweisitziges Flugzeug mit einem Boxermotor, der 180 PS leistet. Das Besondere ist eine am Rumpfende angebrachte Kupplung. An die wird normalerweise das Schleppseil für ein Segelflugzeug eingehängt. Bei Michael Amm hängt Ungewöhnlicheres hinter der Maschine – ein gewaltiges Schleppbanner. Es wurde eigens für den Zirkus Flic Flac im Format von sieben Metern Höhe und 30 Metern Länge angefertigt und ist eines der größten, das am Himmel über Deutschland zu sehen ist.

          Da das Banner aber zu schwer und zu voluminös ist, um bereits beim Start vom Boden weg mitgezogen zu werden, muss sich der Pilot vor jedem Flug einer besonderen Prozedur unterziehen. Zwischen zwei etwa sechs Meter auseinanderstehende Pfosten wird eine Leine gespannt. An dieser ist das ausgerollte Banner befestigt. Der Pilot hat einen Fanghaken bei sich im Cockpit, der einem Anker ähnelt. Amm startet zunächst ganz normal. Nach dem Abheben dreht er eine Runde und lässt nun den Fanghaken aus dem Cockpit fallen. Dieser ist durch ein Seil mit der im Heck sitzenden Schleppkupplung des Flugzeugs verbunden.

          Nun visiert Amm die in etwa zwei Metern Höhe gespannte Leine zwischen den Pfosten an und hofft, dass der Fanghaken diese erwischt. Dann reißt es das mit der Leine verbundene Banner schwungvoll in die Luft. Da der Pilot aber nicht sehen kann, ob der Haken das Seil tatsächlich einfängt, muss er in jedem Fall Vollgas geben. Denn nur so schafft es die Maschine, das schwere Banner hochzuziehen, ohne dass die Einmotorige gefährlich langsam wird und in die Nähe eines riskanten Strömungsabrisses kommt. Hat alles geklappt, hängt das Banner nun stabil und gut erkennbar hinter der Husky. Verfehlt er die aufgespannte Leine, muss so lange ein neuer Anflug vorgenommen werden, bis es klappt. Anschließend geht es auf mehrstündige Werbetour über die umliegenden Dörfer und Städte.

          Da das Banner zu schwer und zu voluminös ist, um bereits beim Start vom Boden weg mitgezogen zu werden, muss sich der Pilot vor jedem Flug einer besonderen Prozedur unterziehen Bilderstrecke

          Michael Amm vergleicht das Bannerfliegen gern mit einem Auto, an den ein großer Wohnwagen gehängt ist: Langsam und behäbig sei das Flugverhalten mit dem 210 Quadratmeter großen Transparent, das einen enormen Luftwiderstand darstellt und mit etwa 90 km/h durch den Himmel gezogen wird. Amm hat beim Fliegen neben der Luftraumbeobachtung und Navigation immer auch die Öl- und Zylinderkopftemperaturen seines Motors im Blick. Gerade an heißen Tagen kann der vom Schleppflug stark beanspruchte Vierzylinder sonst an oder über seine thermischen Grenzen kommen.

          Wie aber kommt man auf die Idee, mit einem Zirkus durch Deutschland zu tingeln und überall an dessen Spielorten Werbung am Himmel zu fliegen? Der Zirkus Flic Flac wurde 1989 in Bocholt von den Brüdern Benno und Lothar Kastein, zwei Artisten, gegründet. Er wuchs über die Jahre immer mehr und ist heute mit 95 Beschäftigten einer der Großen in der Branche. Jedes Jahr werden andere Städte im Rahmen der Tournee besucht, dabei geht es quer durch die Republik. Damit auch möglichst viele vom Gastspiel des Zirkus erfahren, setzen die flugbegeisterten Chefs von Flic Flac bereits seit 25 Jahren auf unkonventionelle Werbung. Und da kommt Michael Amm ins Spiel, der natürlich auch ein Faible für das Zirkusleben hat und seit 2015 für Flic Flac arbeitet: „Ich habe schon zu Schulzeiten das Flic-Flac-Banner fliegen sehen, und da war mir klar, das will ich eines Tages machen“, sagt er. Möglich machte die ungewöhnliche Geschäftsbeziehung dann die persönliche Bekanntschaft zu Benno Kastein, einem der beiden Zirkusdirektoren.

          Geht ein etwa vierstündiger Bannerflug zu Ende, wird nicht mit dem angehängten Werbetransparent gelandet. Über einer ruhigen Ecke des Landefeldes wird das Banner aus dem Tiefflug heraus abgeworfen. Der Pilot betätigt dazu vom Cockpit aus die Schleppkupplung, das Seil rutscht heraus, anschließend fällt das Seil samt Banner gen Boden. Es wird nach der Landung geborgen und wieder zusammengerollt. Es gibt reine Werbebanner mit einem Logo – wie das von Flic Flac – und Buchstabenbanner mit bis zu 30 Zeichen. Oder eine Kombination aus beidem. Amm fliegt nicht nur für den Zirkus, sondern von seiner Heimatbasis vom Flugplatz Marl-Loemühle im Ruhrgebiet auch für jeden Auftraggeber aus ganz Deutschland, der sich für diese unkonventionelle Werbung begeistern lässt.

          Mittlerweile hat Amm mehrere tausend Stunden Flugerfahrung im Bannerschlepp. Das Ganze steht auf einem soliden fliegerischen Fundament, denn er hat nach Privatpilotenschein auch noch die Berufspilotenlizenz und sogar eine Instrumentenflugberechtigung fürs Fliegen etwa in Wolken absolviert. Die braucht er beim Bannerfliegen eher nicht. Denn ein Transparent, das nicht sichtbar ist, füllt die Manege nicht.

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