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Passagierflugzeug : Zwillingspaar mit zwölf Zylindern sucht Zukunft

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Mittendrin statt darüber hinweg: Alpen Air nutzt den Neunsitzer für Rundflüge Bild: Uwe Stohrer

Passagierflugzeuge mit Kolbenmotoren für nur neun Passagiere galten als aussterbende Spezies. Die nagelneue italienische Tecnam P2012 Traveller der noch jungen Fluggesellschaft Alpen Air beweist das Gegenteil.

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          Wenn Simon Ambrosius in dieses Flugzeug steigt, erinnert ihn vieles an seinen Hauptberuf als Airline-Captain: zwei Motoren, ein hochmodernes Cockpit und Passagiere hinter sich. Aber es gibt entscheidende Unterschiede: Hubkolbenmotoren statt Turbinen. Er fliegt nach Sicht statt nach Instrumenten, und es sitzen nicht mehrere Hundert, sondern weniger als ein Dutzend Fluggäste in der Kabine. Die nagelneue italienische Tecnam P 2012 Traveller der noch jungen Fluggesellschaft Alpen Air am Flughafen Augsburg ist ein echtes Nischenprodukt. Denn Passagierflugzeuge mit Kolbenmotoren für gerade mal neun Passagiere galten als aussterbende Spezies.

          Profitabel sind diese kleinen Zweimotorigen nur auf Spezialstrecken oder im Inselverkehr. Und dort, etwa im Zubringerdienst auf die nordfriesischen Inseln oder die Eilande vor Schottland, ist die vor fast 60 Jahren entwickelte Britten-Norman Islander aus England noch immer der Platzhirsch. Robust, kurzstartfähig, gutmütig zu fliegen. Aber eben auch laut, eng, unkomfortabel. Lange dachte man, dass sich die kostspielige Entwicklung eines neuen Flugzeugs in der Luftfahrt-Nische der kleinen Zweimotorigen nicht lohnen würde, zumal die britische Islander immer noch gebaut wird.

          Es war eine Herausforderung

          Bis die Airline Cape Air auf das Unternehmen in Capua bei Neapel zukam. Die amerikanische Fluggesellschaft betreibt rund 80 Cessna-Twins vom Typ 402 C aus den 1960er- bis 1980er-Jahren mit Sechszylindermotoren. Für diese betagte Flotte sucht die Regionalfluggesellschaft Ersatz. Tecnam wiederum hat sich als Produzent von Ultraleichtflugzeugen, einmotorigen Reiseflugzeugen und einer kleinen Zweimotorigen für Trainingszwecke in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Aber ein richtiges, wenn auch kleines Passagierflugzeug mit Enteisungsanlage und Allwettertauglichkeit zu bauen war eine Herausforderung.

          Die Italiener hören den Verantwortlichen von Cape Air als Erstkunden genau zu, was diese sich von einem modernen Flugzeug dieser Klasse wünschen und welche Flugleistungen erwartet werden. Dann fangen sie an zu konstruieren. 2019 präsentieren sie das Ergebnis: einen Hochdecker ohne Druckkabine mit festem Fahrwerk, zwei je 375 PS starken Sechszylindermotoren und neun Passagierplätzen. Maximal 359 km/h ist die Traveller schnell, bis zu 1760 Kilometer weit kann sie fliegen.

          Jeder an Bord hat einen Fensterplatz: Sitzkomfort und Beinfreiheit sind ebenfalls auf gutem Niveau. Bilderstrecke
          Passagierflugzeug : P 2012

          Die Flugleistungen und die sparsamen modernen Triebwerke haben auch für die noch junge Alpen Air den Ausschlag gegeben, diese Maschine vor allem für den Rundflugeinsatz zu nutzen. Für die Gäste wird dieser vor allem durch die üppig dimensionierten Fenster zum Erlebnis. Anders als die Islander hat die Tecnam sogar einen Mittelgang, über den die Passagiere an ihren Platz kommen. Die Maschine wird bei diesen Flügen immer nach Sicht geflogen. So kann der Pilot mitten in die Bayerischen Alpen hineinfliegen statt wie im Airliner lediglich darüber hinweg. Jeder an Bord hat einen Fensterplatz. Sitzkomfort und Beinfreiheit sind ebenfalls auf gutem Niveau. Durch die Konfiguration als Hochdecker haben alle Passagiere einen ungetrübten Blick auf die Landschaft unter ihnen.

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