https://www.faz.net/-gy9-8nbfs

Motorradmesse Eicma in Mailand : Aus mit Puff

Das wird ja immer schöner: Ducati Café Racer aus der Scrambler-Familie. Bild: Fotos Wilke

Knattert nicht, riecht nicht: Die Vespa wird elektrisch. Bericht vom Mailänder Zweiradsalon, wo es vor Scootern und Scramblern wimmelt.

          5 Min.

          Nur wenige Wochen nach der größten und wichtigsten Zweiradschau der Welt, der Intermot in Köln, findet gerade die andere größte und wichtigste Zweiradschau der Welt statt: die Eicma in Mailand. Deutschland gegen Italien – auch im Messegeschäft ist das ein Klassiker.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Wer im ewigen Duell dieses Jahr der Gewinner ist, lässt sich anhand der Neuheitenmenge nicht ganz eindeutig beurteilen. Köln war interessant, Mailand vielleicht noch einen Tick interessanter. Aus italienischer Sicht sowieso, jedenfalls gaben sich die Hersteller vom Stiefel Mühe, dass ein Heimsieg zustande kommt. Ducati hatte es auf der Intermot nur tröpfeln lassen und drehte jetzt den Hahn auf. Auch die Piaggio-Gruppe (Vespa, Aprilia, Moto Guzzi) hielt die meisten Novitäten bis zur Eicma zurück.

          Es scramblert schon sehr: Triumph legt den Auspuff hoch, so muss es sein. Bilderstrecke
          Es scramblert schon sehr: Triumph legt den Auspuff hoch, so muss es sein. :

          Zum Beispiel: die elektrische Vespa! Eine silberfarben glänzende Primavera ohne Auspuff kündete vom Vorhaben, in der zweiten Hälfte 2017 eine „Vespa Elettrica“ auf den Markt zu bringen. Einzelheiten blieb Piaggio-Boss Roberto Colaninno schuldig, doch ließ er wissen: „Die Zeit ist reif.“ Und: „Das ist nur der erste Schritt.“ BMW hat im Fall des jüngst überarbeiteten C-Evolution (verlängerte Reichweite gegenüber dem Urmodell) bekanntlich schon den zweiten Schritt getan, auch andere Scooter-Anbieter sind nicht untätig: Peugeot will 2017 den in Amerika schon anzutreffenden GenZe anbieten, Gogoro aus Taiwan zeigte Flagge mit einem pfiffigen Elektro-Zwerg mit Wechselakku, von dem in seiner Heimat schon Zehntausende unterwegs sind. In Berlin stromern im Zuge eines Verleihgeschäfts des Bosch-Tochterunternehmens Coup seit wenigen Wochen 200 Exemplare herum.

          Honda sorgt in Italien mit neuen Ideen für Furore

          Frische Roller sind auf der Eicma an allen Ecken zu sehen, überwiegend jedoch mit Benzinmotoren. Der Yamaha T-Max, König der sportlichen Maxiscooter (530-Kubik-Zweizylinder), wird leichter (Alu-Rahmen), schicker (neue Verkleidung), alltagstauglicher (größeres Staufach) und digitaler (Traktionskontrolle, Fahrmodi, TFT-Cockpit, Smartphone-Konnektivität). Dem Basis-Max stellt Yamaha eine sportlichere SX- sowie eine luxuriösere DX-Variante zur Seite. Kymco kontert mit dem schon in Köln gezeigten AK 550, Suzuki mit dem (endlich) verjüngten Altmeister Burgman 400, der mit schlankerer Gestalt und LED-Gesicht wieder attraktiv wirkt. Der dreirädrige Peugeot Metropolis mit 400-Kubik-Triebwerk – immer ein bisschen im Schatten des Piaggio MP3 – bekommt im Zuge einer Modellpflege ein neues Fahrwerk, größere Vorderräder, Traktionskontrolle, USB-Anschluss und einen Warnblinker, der sich im Fall einer Notbremsung automatisch aktiviert.

          Um in Italien, der Höhle des Rollers, für Furore zu sorgen, muss man sich etwas einfallen lassen. Honda hat das getan: Mit dem X-ADV, während der Eicma ständig umlagert, präsentieren die Japaner einen originellen Zwitter aus Roller und Motorrad im SUV-Stil mit einer Note Africa Twin. Speichenräder mit grobstolliger Bereifung (vorn 17, hinten 15 Zoll), lange Federwege, Scooter-Sitzhaltung, Stauraum unter der Bank, Rallye-Cockpit, steil stehender Auspuff sind Kennzeichen des Unikums. Technische Basis ist die NC-750-Plattform mit 55-PS-Zweizylinder und Doppelkupplungsgetriebe. Am weitläufigen Honda-Stand überstrahlt der X-ADV die renovierten Mittelklasse-Motorräder CB 650 F und CBR 650 F, den liebevoll gemachten Offroad-Floh CRF 250 Rally und sogar das neue Superbike CBR 1000 RR Fireblade (192 PS bei nur 196 Kilo).

          Damit zu den Motorrädern, wo sich zeigt: Das Leistungswettrüsten in der Sportabteilung ist bei rund 200 PS zum Stillstand gekommen, Gott sei Dank. Gefeilt wird vor allem an Gewichtsersparnis und Fahrbarkeit. Vor wenigen Jahren noch exotische Assistenzsysteme sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Im Enduro-Segment findet eine Besinnung auf echte Geländetugenden statt, zu erkennen beispielsweise an erwähnter 250er Honda sowie an der aufsehenerregenden Yamaha-Studie T7. Dieser robuste Wühler mit Alu-Tank, Karbonverkleidung, Vierfach-LED-Scheinwerfer und dem bekannt quirligen 700-Kubik-Zweizylinder der Straßenmaschine MT-07 soll an die vor 33 Jahren vorgestellte, heute verehrte XT 600 Z Ténéré erinnern und Vorbote sein für kommende Adventure-Modelle der Japaner. 2018 soll es konkret werden.

          Weitere Themen

          Ein neuer Ranger im Revier

          Fords Pick-up : Ein neuer Ranger im Revier

          Kaum sind drei Sondermodelle zum Auslauf des alten gezeigt worden, hebt Ford den Vorhang vom neuen Modell: Der nächste Ranger nimmt Kurs auf Deutschland. Es wird den erfolgreichen Pick-up auch als VW Amarok geben.

          Topmeldungen

          Eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach wird mit einer Flüssiggasheizung kombiniert.

          Nachhaltig Wohnen : Unruhe unter Dämmern

          Die Dämmstoffindustrie ist alarmiert. Bauminister rücken von der einseitigen Ausrichtung an der Gebäudedämmung ab. Die Koalitionäre in Berlin sprechen von technologieoffenen Maßnahmen. Ein Paradigmenwechsel steht an.
                        Bald in der Luftwaffe? Eine amerikanische F-18 beim Katapultstart vom Flugzeugträger USS Carl Vinson

          Nukleare Teilhabe : Poker um den Atom-Bomber

          Nach der Einigung im Koalitionsvertrag muss entschieden werden: Sollen amerikanische Bomber oder deutsche Eurofighter in Zukunft die nukleare Teilhabe sichern?
          Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.