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Motorradmesse Eicma in Mailand : Aus mit Puff

KTM versucht, Sechzehnjährige um den Verstand zu bringen

Mehr noch als die Intermot zeigt die Eicma, wie sich die großen Hersteller wieder kleinen Hubräumen widmen, nicht zuletzt, weil sie damit asiatische Märkte anpeilen. BMW bringt mit der 34 PS leistenden G 310 GS den zweiten Sprössling der günstigen, in Indien gefertigten Einzylinder-Baureihe, wobei die Baby-GS den Großenduros der Münchener erstaunlich ähnlich sieht. Suzuki zeigt ebenfalls ein großes Herz für Kleine (GSX-S 125, GSX-R 250), schrumpft obendrein seine V-Strom-Reiseenduros auf das 250-Kubik-Maß.

Kawasaki, mit der Z 650 und der Z 900 zur Stelle, betreibt Downsizing mit der Versys 300 nach dem Vorbild der ausgewachsenen Reiseenduros Versys 1000 und 650. KTM aus Österreich versucht mit der neuen 125 Duke (noch schärferes Design, LED-Scheinwerfer, TFT-Display) Sechzehnjährige um den Verstand zu bringen und bietet zudem mit der 390 Duke Attraktives für Aufsteiger. Die ursprünglich schwedische KTM-Tochter Husqvarna verpackt KTM-Technik in ein innovatives, zugleich hochmodernes und klassisch-puristisches Design: Die Einzylinder-Leichtgewichte Vitpilen 401 und Svartpilen 401 (weißer und schwarzer Pfeil) kommen 2017 auf den Markt, aber voraussichtlich erst im Spätherbst.

Ducati enthüllte eine kleinere Version der Multistrada 1200, die Multistrada 950: das gleiche Konzept einer vielseitigen Straßenmaschine im langbeinigen Endurolook, bloß leichter, preiswerter und mit „nur“ 113 PS leistendem 937-Kubik-V-Zweizylinder. Einsteiger sind stark umworben. Weil in dieser Hinsicht die Monster-Familie zuletzt schwächelte, betritt die Monster 797 die Bühne, angetrieben vom luftgekühlten Zweizylinder (803 Kubikzentimeter, 75 PS) der klassischen Scrambler-Baureihe. Schlanker und elektronisch aufgerüstet präsentiert sich die Monster 1200/1200S (mit Wasserkühlung), deren Feuerkraft von 135 PS auf 150 PS zunimmt.

Moderne Klassiker mit wenig Leistung, aber Charakter

Zwei bildschöne Neuzugänge sind in Ducatis Scrambler-Familie zu melden, womit wir schließlich beim momentan wichtigsten Thema der Branche angekommen wären: moderne Klassiker mit eher wenig Leistung, aber viel Charakter. Die Scrambler Café Racer (Lampenmaske, Lenkerenden-Spiegel, Startnummerntafeln, goldfarbene Räder zum Lack in „Black Coffee“) schmeckt nach London in den Swingin’ Sixties. Beim Anblick der Desert Sled mit echter Geländekompetenz (Drahtspeichenräder, Grobstollenreifen, verstärkter Offroad-Rahmen, lange Federwege) knirscht schon der kalifornische Wüstensand zwischen den Zähnen.

Es scramblert überall. Alt aussehen ist Programm, gerade bei Triumph in England, wo man sich derzeit ganz auf Old School konzentriert. Street Scrambler mit 900-Kubik-Twin und Bobber mit 1200er Motor heißen die nächsten Neuzugänge der Bonneville-Reihe für Nostalgiker, beide stilsicher gezeichnet bis in den Tankdeckel. Moto Guzzi hält es nicht anders (dritte Generation der V7, jetzt mit dem voluminöseren Zweizylinder der V9, aber heruntergebüchst von 850 auf 750 Kubik), während die Konzernschwester Aprilia mit modernem Material (Shiver und Dorsoduro jetzt mit 900-Kubik-V-Zweizylinder) an bessere Zeiten anzuknüpfen versucht.

„Spreizung der Modellvarianz“

Zu guter Letzt: BMW erweitert sein GS-Imperium nicht allein durch die kleine G 310 GS, sondern in der „Erlebniswelt Heritage“ zudem durch die R Nine T Urban G/S. Diese Boxer-Maschine erinnert mit ihrer Lampenverkleidung, dem hellroten Sattel zu weißem Lack und blauem Tankdekors an die Urahnin R 80 G/S von 1980, mit der einst die Basis gelegt wurde für die R 1200 GS von heute. Diese Reiseenduro mit dem 125-PS-Boxer wurde abermals in vielerlei Hinsicht modifiziert (Euro 4, besseres Getriebe, Design der Front „mit optisch gesteigerter Robustheit“) und ist nun mit zusätzlichen Assistenzfinessen erhältlich.

Der Basis-GS und der Adventure-Variante stellen die Münchener zwecks „Spreizung der Modellvarianz“ zwei weitere Versionen zur Seite: R 1200 GS Exclusive im Speziallack sowie R 1200 GS Rallye, die mit Sportsitzbank und -windschild, Kühler- und Rahmenschutz, Kreuzspeichenrädern sowie optionalem Sportfahrwerk und Stollenreifen auf Gelände gebürstet ist. Man wundert sich, dass die GS schon wieder unters Messer musste. War das nicht neulich erst? Doch im Fall seines unangefochtenen Bestsellers achtet BMW penibel darauf, dass er niemals alt aussieht. Bloß elektrisch wird er wohl so bald nicht.

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