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E-Bike-Antrieb Pendix : Anbau bleibt Anbau

  • -Aktualisiert am

Der Pendix eDrive lässt sich an nahezu jedes Rahmenmodell montieren. Bild: Pardey

Taugt das eigene Fahrrad zum Elektrorad? Wir haben ein Mountainbike mit dem E-Bike-Antrieb Pendix nachgerüstet.

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          Man muss kein Sparbrötchen sein, um auf den Gedanken zu kommen, sein vorhandenes Fahrrad mit einem Elektroantrieb aufzurüsten. Vielleicht möchte man sein liebgewordenes Rad einfach behalten, will aber diesen elektrischen Rückenwind, von dem allerorten so geschwärmt wird. Und diese Idee erscheint umso verlockender, wenn dafür kein größerer Umbau des Fahrrads erforderlich zu sein scheint, weil der unterstützende Antrieb eher ein Anbau ist. Genau das ist die Nische, in der die Geschäftsidee von Pendix gedeiht: „Ob City-, Trekking-, Mountainbike oder Lastenrad – der Pendix eDrive lässt sich an nahezu jedes Rahmenmodell montieren und verwandelt Dein Lieblingsfahrrad in kurzer Zeit in ein leistungsstarkles E-Bike.“

          Das ist das Versprechen der fünf Ingenieure von der Hochschule Zwickau, die 2013 die Pendix GmbH – nicht als ihr erstes Unternehmen – gründeten und im Jahr 2015 den Antrieb auf den Markt brachten. Der aktuelle Stand der Erfolgsgeschichte im werbenden Fortissimo: „Unser Vertriebsnetzwerk erstreckt sich über 18 Länder in Europa, Nordamerika und Ozeanien. Über 780 autorisierte Pendix-Händler und 37 Fahrradhersteller rund um die Welt vertrauen auf unsere Qualitätsprodukte Made in Germany und bereichern den Alltag unserer Kunden.“

          Wenn das so ist, darf man ja wohl einiges für Pi mal Daumen 1500 Euro plus Montage erwarten. Zum Ausprobieren wurde kein eigenes Fahrrad umgebaut. Stattdessen schickte Pendix ein gebrauchtes Musterrad, ein Quasi-Mountainbike, wie es genau so schon in anderen Berichten und Fotos aufgetaucht war. Es entfiel also vollständig die in der Praxis sehr wichtige Frage: Taugt mein eigenes Fahrrad überhaupt zum Elektrorad? Entscheiden soll das der für die Montage autorisierte Händler, der durch den Umbau rechtlich zum Fahrradhersteller mutiert. Die Suche nach einem Pendix-Händler zeitigte im ländlichen Mittelhessen auf Anhieb mehrere Adressen in der Nähe, darunter zwei sogenannte Premium-Partner mit Testrad, die sich beide als vertrauenswürdige Fachleute erwiesen.

          Kostet etwa 1500 Euro plus Montage Bilderstrecke

          Auf den ersten Blick sieht der vergleichsweise leichte Antrieb wie ein dick verkleidetes zweites Kettenblatt aus. Deswegen passt auch nur „nahezu jeder“ Rahmen: Die linke untere Hinterbaustrebe muss hinter dem Tretlagergehäuse (mit BSA-Dimensionen) für den großen Scheibenmotor genug Platz lassen. Der Pendix-Akku – zur Wahl stehen 300 Wattstunden und für einhundert Euro mehr 500 Wh – findet Platz im Rahmen und wirkt wie eine große, beleuchtete Thermosflasche. Der drehbare Deckel ist zudem das Cockpit für die Motorsteuerung; eine Verkabelung zum Lenker entfällt genauso wie ein Display. Am Leuchtring schaltet man ein, und es lässt sich ablesen, welche Unterstützung man eingestellt hat.

          Die setzt beim Antritt zügig genug, aber etwas ruckelig ein. Zu den Vorzügen von Pendix gehört, dass das Fahrrad ein Fahrrad bleibt. Es lässt sich ohne Unterstützung hinreichend angenehm fahren. Die elektrische Kraftentfaltung ist deutlich zu hören, aber nicht störender als bei anderen Antrieben. Eine Unart ist der sehr deutliche Nachlauf des Antriebs. Hört man im Fahren mit dem Treten auf, schaltet der Motor erst nach einer deutlichen Verzögerung ab. Das äußert sich beim Pendix immer wieder mit einem spürbaren Ruck an den Pedalen, als ob einem jemand von hinten an die Füße treten würde. Diese Unkultiviertheit, die anderen Antrieben längst abgewöhnt worden ist, die umständliche Sicherung des Akkus, der kein Schloss hat, und ein Preis, der nur wenig unter dem eines preisgünstigen Pedelecs liegt, sind die Argumente, die entscheidend gegen die Aufrüstung mit dem Pendix-Antrieb sprechen.

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