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Ducati Streetfighter S : Beziehungskiste aus Bologna

Ein Satz genügte: „Die Ducati fährt genau so, wie sie aussieht” Bild: Hersteller

Der Fahrer hat seine liebe Mühe, sich einzugewöhnen. Doch es dauert nicht mehr als 150 Meter, bis einem zum ersten Mal der Gedanke durch den Kopf schießt: Du meine Güte, was für ein Tier! Die Ducati Streetfighter S fährt so, wie sie aussieht.

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          Man könnte es sich einfach machen mit diesem Artikel. Ein Satz genügte: „Die Ducati fährt genau so, wie sie aussieht.“ Sehen Sie sich das Foto an, dann ist alles klar. So würde allerdings die Seite nicht voll. Deshalb ein paar Bonus-Absätze.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Die Daten: 116 kW (155 PS) Nennleistung bei 9500 Umdrehungen je Minute, verursacht von einem wassergekühlten, desmodromisch gesteuerten Zweizylinder mit 1099 Kubikzentimeter Hubraum; 115 Newtonmeter Drehmoment bei ebenfalls 9500/min; keine 170 Kilogramm Trockengewicht und fahrfertig mit vollem 16,5 Liter-Tank ungefähr 190. Die Zahlen machen klar: Das Verhältnis von Kilo zu Kampfkraft ist so krass, wie der Anblick erwarten lässt.

          Du meine Güte, was für ein Tier!

          Es dauert nicht mehr als 150 Meter – man hat gerade in den zweiten Gang geschaltet –, bis einem zum ersten Mal der Gedanke durch den Kopf schießt: Du meine Güte, was für ein Tier! Unsere ersten Kilometer: ein merkwürdiges Herumgeeier. Man hebelt mit einer mordsbreiten Lenkstange an der agilen Maschine, die einerseits in die Kurve taucht wie der Teufel und andererseits dazu neigt, Radien im weiten Bogen hinter sich zu bringen – neutrales Kurvenverhalten ist anders. Auf holprigem Untergrund gibt sie sich zickig. Im Stadtverkehr, erst recht bei Regen, zieht einem der Motor den Zahn: unter 3000/min bockig, bei langsamer Konstantfahrt ruckelig, so dass beruhigend mit der Kupplung eingegriffen werden muss. Die ist alles andere als leichtgängig. Kurzum: Der Fahrer hat seine liebe Mühe, sich einzugewöhnen.

          „An einer Beziehung muss man arbeiten“, hörten wir einmal eine kluge Gattin sagen. Wie recht sie doch hatte. Wir erinnern uns nicht, ob es damals um Motorräder ging, vielleicht nicht. Aber die Worte treffen den Kern einer Beziehung zur Ducati Streetfighter S. Einfach draufsetzen und entspannen, laufenlassen und von Anfang an die Kurve in der perfekten Linie nehmen – so funktioniert das nicht, Herrschaften. An einer Beziehung zur Streetfighter muss man arbeiten, die Rote aus Bologna fordert, dass man sich um sie bemüht, verlangt nach Fertigkeiten. Dem unerfahrenen Verehrer wird sie das Herz brechen. Wer sie erobert, wird mit freudigem Pochen im Brustkorb belohnt.

          Am besten trägt man griffige Sportstiefel

          Die erste gemeinsame Woche verlief zäh. Es ergab sich nichts außer der täglichen Pendelei zur Arbeit, durch die Großstadt oder auf dem Autobahnring drumherum. Dafür muss man sich keine Streetfighter S zulegen. Das ist, als führte man Miss Italia zum Altar, nur um sie bei der Schafzucht in der Lüneburger Heide einzusetzen. Die Streetfighter ist nichts anderes als eine Rennstreckenmaschine mit anderem Lenker und ohne Verkleidung, technisch eng verwandt bis identisch mit Ducatis Superbike-Modellen 1098 und 1198, auch im Design sehr ähnlich.

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