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Sinn oder Unsinn? : Diesel-Nachrüstung für 9000 Euro

Die fünf Professoren halten Softwareupdates für die klar überlegene Maßnahme. Bild: dpa

Ältere Dieselfahrzeuge mit Hardware nachzurüsten ist zwar technisch oft möglich. Aber es ist auch häufig unsinnig. Die Gutachter sind sich zudem uneins.

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          Können ältere Dieselfahrzeuge mit dem Ziel, weniger Schadstoffe zu emittieren, mit technischen Komponenten nachgerüstet werden? Und lohnt sich das für Umwelt und Portemonnaie? An diesen Fragen scheiden sich die Geister. Was macht ein vor der Entscheidung stehender Minister in solchen Fällen? Richtig, er gibt ein Gutachten in Auftrag. In diesem Fall sind es zwei, die das Bundesverkehrsministerium ausgeschrieben hat, beide sind nun einsehbar. Das eine stammt aus der Feder des Münchener Professors für Verbrennungsmaschinen Georg Wachtmeister und hegt trotz Anführung mannigfaltiger Schwierigkeiten Sympathie für eine Hardware-Nachrüstung.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Untersucht wurden unter anderem VW Tiguan, BMW 320, Mercedes-Benz C-Klasse und Renault Mégane. „Nach heutigem Kenntnisstand ist eine Nachrüstung von EU-5-Fahrzeugen mit verträglichem Aufwand möglich“, schreibt Wachtmeister. Der Bauraum für ein SCR-Katalysatorsytem (Ad Blue) sei mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhanden, die Kosten betrügen um 3000 Euro. Wachtmeister plädiert dafür, den Umbau nicht Zulieferern wie Twintec anzuvertrauen, sondern den Autoherstellern zu überlassen, denn „nur die haben die Chance, eine Nachrüstung ohne wesentliche Verschlechterung des Kraftstoffverbrauchs darzustellen“. Um einen zuverlässigen Betrieb im Alltag sicherzustellen, seien umfangreiche Eingriffe sowie Zertifizierungen notwendig.

          Während Wachtmeister die Hürden für überwindbar hält, kommt das zweite Gutachten zu dem Ergebnis, der Aufwand stünde in keinem vernünftigen Verhältnis auch zum ökologischen Ertrag. Die Professoren Baar (Berlin), Bargende (Stuttgart), Beidl (Darmstadt), Koch (Karlsruhe) und Rottengruber (Magdeburg) weisen darauf hin, dass aus technischer Sicht allein die aufwendige Nachrüstung mit einem SCR-System samt motorseitiger Anpassung sinnvoll sei, und taxieren den Zeitaufwand bis zur Markteinführung je nach Modell auf zwei bis vier Jahre. Es sei mit Kosten von mehr als 5000 Euro zu rechnen.

          Kalkuliert haben die Gutachter den Umbau anhand heutiger Werkstattpreise beispielhaft für den BMW 320d (EU5) mit 8970 Euro und den X3 2.0d xDrive (EU6b) mit 6550 Euro. Der Fahrzeugnutzer müsse mit Qualitätseinbußen und höherem Kraftstoffverbrauch rechnen. Die Eingriffe machten bisweilen Änderungen an der Karosserie notwendig. Durchbrüche und zusätzliche Schweißstellen führten zu erhöhter Korrosionsneigung, da etwa bei BMW die übliche Zinkbeschichtung lokal zerstört werde.

          Hinzu komme, „dass selbst unter Best-Case-Annahmen nur eine reduzierte Konversionsrate im innerstädtischen Betrieb erreicht werden kann“. Mit anderen Worten: Gerade dort, wo es darauf ankommt, ist die Gefahr hoch, dass Nachrüstlösungen ihre Wirkung nicht oder nur unzureichend entfalten. Die fünf Professoren halten Softwareupdates für die klar überlegene Maßnahme. Die Meinungsbildung in der Bundesregierung, heißt es, sei noch nicht abgeschlossen.

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