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Dieselmotor : Vom nagelnden Selbstzünder zur Common-Rail-Technik

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So fuhr man 1936: Der Mercedes 260 D war das erste Auto der Welt mit Dieselmotor Bild: Hersteller

Vor 75 Jahren bereiteten sich die Automobilhersteller hinter verschlossenen Türen auf eine Sensation vor: die Einführung des Dieselmotors in den Personenwagen. Der Mercedes 260 D war der erste seiner Art.

          Im Jahr 1936 war die Welt wieder in Ordnung. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 verblassten. Den Menschen in Deutschland ging es wieder besser. Die arg gebeutelte Automobilindustrie hatte tief Luft geholt und war dabei, mit neuen Modellen Straßen und Menschen zu erobern. Noch dominierten die alten Benziner mit seitlich stehenden Ventilen, erste Motoren mit hängenden Ventilen zeigten jedoch, wohin der Weg führte. Hinter verschlossenen Toren aber bereiteten sich die Automobilhersteller auf eine Sensation vor: die Einführung des Dieselmotors in den Personenwagen. Bei den Nutzfahrzeugen war dieser Schritt längst vollzogen, doch die Verkleinerung bereitete erhebliche Probleme. Bosch hatte bereits 1927 nach langer Entwicklung begonnen, serienmäßig Einspritzpumpen zu fertigen, und entwickelte auch „kleine“ Reihenpumpen für Vierzylinder-Diesel, die 1936 das Licht der Welt erblicken sollten.

          Im Februar 1936 stellten auf der Berliner Automobilausstellung gleich zwei Hersteller Personenwagen mit Dieselmotoren und Bosch-Einspritzungen vor, Mercedes und Hanomag. Bei Mercedes war die Serienfertigung bereits im Vorjahr angelaufen, und der Typ 260 D war nach der Ausstellung lieferbar, während der Hanomag Rekord Diesel erst gegen Jahresende auf den Markt kam. Darum war der Mercedes 260 D das erste serienmäßige Diesel-Personenauto der Welt. Sein 2,6-Liter-Motor leistete 33 kW (45 PS) bei 3000 Umdrehungen je Minute und verhalf der 1620 Kilogramm schweren Limousine zu einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Bei einem gleichbleibenden Tempo von 70 km/h verbrauchte das Auto neun Liter auf 100 Kilometer. Ein VW Golf TDI 1.6 benötigt unter gleichen Bedingungen heute weniger als die Hälfte.

          Dann kam der Krieg, die Motorenentwicklung konzentrierte sich auf ganz andere Projekte. Aber auch nach 1945 tat sich bei der Dieselentwicklung nicht viel, wenn man davon absieht, dass auch andere Hersteller wie Fiat und Peugeot Dieselautos vorstellten. Alle hatten sie indirekte Einspritzungen mit Vor- oder Wirbelkammern und Einspritzdrücken von etwa 100 bar, die allmählich bis 400 bar wuchsen. Zwar liefen an verschiedenen Stellen Versuche mit direkter Einspritzung, doch befriedigten sie nicht. VW stieß erst 1976 zu den Herstellern von Dieselmotoren und hat mit dem flinken und sparsamen Diesel-Golf dem Selbstzünder den entscheidenden Schub heraus aus der Taxifahrerecke verpasst. Bereits ein Jahr vorher hatte die Entwicklung der Direkteinspritzung bei VW und Audi begonnen, die 14 Jahre dauern sollte, bis Audi 1989 den Fünfzylinder mit direkter Einspritzung, Turbolader und Ladeluftkühler vorstellte.

          Mit Reihenpumpe von Bosch: Der Motor des Mercedes 260 D

          Der Motor machte einen fürchterlichen Krach

          Elsbett ist zu nennen, der vor 40 Jahren kleine Dieselmotoren nach dem M-Verfahren der MAN mit direkter Einspritzung zu bauen begann. Aber das war eine Sackgasse. Fiat hatte schon ein Jahr vor Audi im Croma einen Diesel eingebaut, der sich vor allem durch unerträglichen Lärm auszeichnete und schnell wieder verschwand. Das tat auch der erste 1,7-Liter-Vierzylinder-Diesel von Audi, den Pich und van Basshuysen Ende 1978 dem VW-Vorstand in Wolfsburg vorstellten. Da der Motor beim Kaltstart einen fürchterlichen Krach machte, musste ihn ein Mechaniker bis zur Vorstellung auf dem Werksgelände herumfahren, sonst wäre der Diesel mit direkter Einspritzung vielleicht schon vor seiner Geburt gestorben. Der Grund für den lärmenden Lauf war die fehlende Voreinspritzung, die Bosch erst danach anbieten konnte. Eine leichte Geburt hatte die direkte Einspritzung nicht, das sollte auch Mercedes einige Jahre später bei der Einführung der Common Rail erleben.

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