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Diesel : Statt langer nur noch eine Leitung

  • -Aktualisiert am

Sportlicher Diesel: Common-Rail aus dem Alfa Romeo 156 Bild: Hersteller

Der Diesel fährt vor. Aus der einstigen Trecker-Maschine wurde ein Hightechantrieb für Gegenwart und Zukunft. Zu den entscheidenden Phasen dieser Entwicklung gehörte immer ein Name: Bosch.

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          Vor etwa zehn Jahren drängte sich ein neuer Technikbegriff in die Öffentlichkeit: Common-Rail. Natürlich hatten sich Techniker und Manager des umtriebig-zurückhaltenden Zulieferers Bosch und deren Partner von den großen Autoherstellern schon seit Jahren mit dieser Bezeichnung vertraut gemacht. Aber in den Stammtischgesprächen war damals von Common-Rail noch keine Rede. Doch dieses System sollte sich nicht nur als ideal für die Fütterung des Dieselmotors, sondern auch noch als zukunftsträchtig erweisen. Common-Rail wird in absehbarer Zeit alle anderen Diesel-Einspritzsysteme im Personenwagen aus dem Feld geschlagen haben.

          Fast alle modernen Diesel arbeiten schon damit, und der einzige wirklich ernsthafte Konkurrent ist per Vorstandsbeschluss aus dem Rennen: VW hatte noch unter Ferdinand Piëch die Pumpe-Düse-Technik (kurz PDI) zusammen mit Bosch entwickelt und eingeführt und wird sich bei allen neuen Autos bis zum Jahr 2011 davon verabschieden. Die billigere und einfacher zu steuernde Common-Rail-Technik beherrscht dann die Welt des Diesels.

          Mit schwäbischer Gründlichkeit

          Bereits in den dreißiger Jahren waren die Prinzipien der Common-Rail-Technik erkannt worden. Doch es sollten fast sechzig Jahre vergehen, ehe sie im Personenwagen eingesetzt werden konnte. Ihre Arbeitsform ist einfach erklärt: Für alle Brennräume eines Motors gibt es einen gemeinsamen Hochdruckspeicher für den Kraftstoff. Dieser Speicher hält unabhängig von Motordrehzahl und Lastforderung des Fahrers kontinuierlich den Druck für die Einspritzung bereit. Der größte Vorteil: Druck-Erzeugung und Einspritzung arbeiten unabhängig voneinander. Das war über Jahre hinweg erkannt, aber noch nicht in die Serienreife umgesetzt worden. Denn erst die elektronische Steuerung ruft über ebenfalls neu entwickelte Magnet- oder Piezoinjektoren die exakte Einspritzmenge, die Einspritzdauer und die Zahl der Einspritzvorgänge ab. Das kann für jeden Brennraum im Zylinder des Motors individuell geschehen und innerhalb von Tausendstelsekunden vollzogen werden. Vorgänge, deren Ablauf und Präzision alles in den Schatten stellte, was bisher für Automobile üblich war.

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          Schon zum Ende der achtziger Jahre wurde deutlich: Fortschritt für den Diesel war nötig. Diese Erkenntnis reifte bei Autoherstellern und Zulieferern, die damals noch in größerer Zahl um die Aufträge kämpften. Bosch hat sich mit schwäbischer Gründlichkeit und einer gehörigen Portion unternehmerischen Risikos durchgesetzt und hat zur Zeit aus Sicht der Branche bei Common-Rail-Systemen einen Marktanteil von fast zwei Drittel. Siemens ist neu eingestiegen und hat sich rasch etabliert, der Zulieferer Delphi (hat es nach seiner Abspaltung vom Mutterkonzern General Motors nicht leicht) und das japanische Unternehmen Denso sind die größten Konkurrenten.

          Abschied von den Wirbelkammer

          Mitunter ist der Fortschritt eine Schnecke. Neuerungen aus dem Kreis der Zulieferer in die Chefetagen der Autohersteller zu tragen, das kann ein schwieriges Geschäft sein. Gleichzeitig ist immer damit zu rechnen, dass aus einem zähen Ablauf plötzlich flüssige Nachfrage wird: die Entscheidung, mit dreistelligen Investitions-Millionenbeträgen und einer rasch wachsenden Belegschaft auf die damals noch nicht in großen Stückzahlen produzierte Common-Rail-Technik zu setzen, das war für Bosch nicht einfach. Noch schwieriger war es offensichtlich für manchen Kunden: Noch lange hielt man an jener Einspritztechnik fest, die von einer Verteilerpumpe ermöglicht wurde, und auch der Übergang von der Vorkammer-Einspritzung zur direkten Kraftstoffzuteilung in den eigentlichen Brennraum wurde zögernd umgesetzt. Ohne Kunden aber, so weiß man bei Bosch, da rechnet sich auch der Fortschritt nicht. In diesem Falle wurde aus der Schnecke rasch ein Rennpferd.

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