https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/motor/diesel-nachruestung-geht-nicht-und-gibts-nicht-15878958.html

Diesel-Nachrüstung : Der ADAC bringt den Verkehrsminister auf die Palme

Es fehlt nicht mehr viel zur Eskalation: Verkehrsminister Andreas Scheuer Bild: dpa

Der ADAC meldet einen Emissionserfolg – erwähnt wichtige Aspekte dabei aber nur nachrangig. So gab es etwa Pannen im Test. Das Bundesverkehrsministerium bleibt deswegen misstrauisch – und macht dem Autoclub einen schweren Vorwurf.

          2 Min.

          Es ist eine groteske Situation, die nun auch noch der Autoclub ADAC befeuert: Die Besitzer älterer Dieselfahrzeuge glauben, es gebe Hardware-Nachrüstsätze zur Verbesserung der Abgasemissionen. Und dass diese im Serieneinsatz funktionierten. Tatsächlich gibt es bislang keine mit Serienzulassung, und die, die erprobt werden, bereiten Schwierigkeiten.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat im Rahmen eines Förderprojekts den ADAC beauftragt, die Hardware-Nachrüstung an vier Dieselmodellen der Schadstoffklasse Euro 5 zu testen. Das sind Opel Astra, Mercedes B-Klasse, VW Multivan und Fiat Ducato. Der Test umfasst 50.000 Kilometer zwischen August 2018 und Januar 2019. Der Bauteilelieferant für den Mercedes ist schon wieder ausgestiegen.

          Einiges erwähnt der ADAC nur nachrangig

          Für die übrigen drei Fahrzeuge legt der ADAC nun nach 10.000 Kilometern eine Zwischenbilanz vor, in der es heißt, die durch den Umbau erzielten Reduktionsraten von Stickoxid (NOx) betrügen 60 bis 80 Prozent, damit würde der von der Bundesregierung festgelegte Schwellenwert von 270 mg/km im Realbetrieb unterschritten. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Die Grünen) folgert: „Hardware-Nachrüstung funktioniert“.

          Was der ADAC nachrangig erwähnt: In der bevorstehenden kühleren Jahreszeit werden die Emissionen ansteigen, weil das SCR-Reinigungssystem erst warmlaufen muss. Der Opel ist wegen eines von dem Umbau verursachten Kühlwasserverlusts liegengeblieben. Im Fiat ist das nachträglich eingebaute System ausgefallen, beide Wagen musste repariert werden. Was Kundschaft und Umweltverbände sagen würden, träten diese Pannen im Alltag auf, dazu äußert sich der ADAC nicht. Und auch nicht zum einhergehenden Mehrverbrauch, was wiederum das von der CSU geführte und Nachrüstung skeptisch gegenüberstehende Bundesverkehrsministerium auf die Palme bringt.

          „Bislang ist beim KBA kein Antrag auf Genehmigung nachrüstbarer Bauteile eingegangen“, sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gegenüber FAZ.NET.
          „Bislang ist beim KBA kein Antrag auf Genehmigung nachrüstbarer Bauteile eingegangen“, sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gegenüber FAZ.NET. : Bild: dpa

          Dort weist man darauf hin, dass der VW 4 Prozent und der Opel 17 Prozent mehr Diesel verbrannten, mithin entsprechend mehr CO2 ausstießen. Durchschnittlich 10 Prozent betrage der Mehrverbrauch. Auffällig sei zudem, dass der ADAC keine Werte unter realen Straßenbedingungen nach 10.000 Kilometern angebe, sondern nur vor dem Alltagstest ermittelte. Die Ausfälle der Nachrüstsysteme im Prototypenstatus zeigten überdies, dass deren Serienreife nicht erreicht sei.

          Freilich muss sich darüber eigentlich noch niemand wirklich Gedanken machen, denn die Systeme müssen nach der Anmeldung beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) erst mehrmonatige Tests durchlaufen, bis sie genehmigt werden. Doch dazu kommt es vorerst nicht, denn, wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer der FAZ.NET auf Anfrage sagt: „Bislang ist beim KBA kein Antrag auf Genehmigung nachrüstbarer Bauteile eingegangen“.

          Weitere Themen

          Einfach gesagt

          FAZ Plus Artikel: Spracherkennung : Einfach gesagt

          Diktieren ist schneller als Tippen und Spracherkennung verblüffend leistungsfähig. Man muss nur wissen, wie es geht. Eine Hilfestellung für den Anfang.

          Topmeldungen

          Altbekannte und sehr ungewöhnliche Bilder aus China: Demonstranten in Chengdu. In der Stadt befindet sich auch ein Volkswagenwerk.

          Unternehmen in China : Gefangen in der Endlosschleife

          Nicht nur die Chinesen protestieren gegen die ewige Null-Covid-Politik, die deutschen Unternehmen klagen ebenfalls. Nach VW räumt nun auch Mercedes gegenüber der F.A.Z. Probleme in Produktion und Verkauf ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.