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Diesel-Fahrverbote : Die spinnen, die Römer!

  • -Aktualisiert am

Virginia Raggi, die Bürgermeisterin von Rom, hat wegen Smogs über der italienischen Hauptstadt Fahrverbote verhängt. Bild: dpa

Rom liegt unter einer Smog-Glocke. Die Bürgermeisterin verhängt Fahrverbote, auch gegen Euro-6-Diesel. Das ist billig und trifft den Falschen.

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          Den Dieselmotor aus niederem finanziellen Eigeninteresse oder aus Profilierungssucht zu zerstören, damit sind die Deutsche Umwelthilfe und einige Politiker der Sozialdemokraten und der Grünen offenbar nicht allein. Virginia Raggi, die Bürgermeisterin von Rom, hat wegen Smogs über der italienischen Hauptstadt Fahrverbote verhängt. Als Grund werden hohe, mithin gesundheitsbelastende Feinstaubwerte genannt. So weit, so richtig.

          Aber, das ist ein Novum, eingeschlossen sind jüngste Diesel der Abgasnorm Euro 6, was nun genüsslich über alle Medienkanäle verbreitet wird. Wie lang wird es dauern, bis andere Entscheidungsträger in ähnlichen Fällen diesem Beispiel folgen werden? Und wieder ist ein Sargnagel in den Diesel eingeschlagen, während gleichzeitig von denselben Gruppierungen und Politikern beklagt wird, die CO2-Emissionen des Verkehrs stiegen, statt wie zur Rettung des Klimas erforderlich zu sinken. So viel Doppelzüngigkeit ist schwer zu ertragen.

          Die Fakten nämlich sind folgende: Die abgasbedingten Partikelemissionen von Euro 6-Dieseln sind nahe Null. Die nicht unerheblichen verbleibenden Partikelemissionen stammen fast ausschließlich aus Brems- und Reifenabrieb. Diese sind allerdings auf dem Niveau von Benzinern und Elektroautos, letztere haben einen kleinen Vorteil, weil die Betriebsbremse teilweise durch Rekuperation ersetzt wird. Für den Diesel gilt das schon länger, erst seit kurzem sind auch Benzinmotoren diesen strengen Abgasregeln unterworfen. Personenwagen mit Euro 6-Benziner müssen also mittlerweile die gleichen Partikelgrenzwerte einhalten wie Diesel, die früheren Ausnahmen sind ausgelaufen, so dass beide Antriebskonzepte praktisch partikelfrei arbeiten.

          Es gibt mithin keinen Grund, den modernen Diesel an den Pranger zu stellen. Im Gegenteil, er emittiert bauartbedingt etwa 20 Prozent weniger CO2 als ein Benzinmotor. Wer die CO2 Emissionen aus dem Verkehr moniert, müsste sich mithin für den Diesel einsetzen.

          Aus Rom wird denn auch jenseits der plakativen Diesel-Anklage berichtet, ein Grund für den Dauersmog sei das Wetter. Sonnenschein, blauer Himmel, kaum Wind sind die toxischen Zutaten. Zugleich ist es nachts bitterkalt, weswegen die Menschen kräftig heizen. Die Anlagen sind offenbar nicht gerade auf neuestem Stand.

          Was übrigens für den Fahrzeugbestand der Italiener gleichermaßen gilt, der alt und entsprechend abgasreich ist. Konsequent wäre, weniger zu heizen und die Heizungen zu erneuern. Und im privaten Verkehr bei solchen Wetterlagen wenn schon dann alle Fahrten zu verbieten, auch die mit älteren Benzinmotoren.

          Vermutlich wäre es auch hilfreich, öffentliche Busse und städtische Fahrzeuge mit modernen Motoren anzuschaffen. Stattdessen wird auf den Diesel gezeigt, das ist billig und trifft den Falschen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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