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Fahrverbot in Innenstädten : Jetzt noch Diesel kaufen?

  • -Aktualisiert am

Feinstaub-Alarm in Stuttgart Bild: Picture-Alliance

Die Autokäufer sind alarmiert: Wenn Fahrverbote in vielen Städten drohen, sollte man dann nicht lieber zu einem Benziner greifen? Keineswegs, denn die modernen Diesel sind gar nicht betroffen.

          Stuttgart macht Ernst: An Tagen, an denen Feinstaub-Alarm herrscht, sollen ältere Dieselfahrzeuge mit Einfahrverboten belegt werden. Nur Dieselautos, die die Abgasnorm Euro 6 erfüllen, dürfen von Anfang 2018 an noch in die Innenstadt, so will es die grün-schwarze Landesregierung Baden-Württembergs. Was hat die Umwelt davon? Und was heißt das für den Autokauf?

          Um die erste Frage zu beantworten, muss man sich ans Stuttgarter Neckartor begeben, das, anders als der Name vermuten lässt, nicht am Neckar liegt, sondern an einer achtspurigen Hauptschlagader des Verkehrs. Hier steht eine Messstation des Landesumweltamts. Sie misst die Konzentration verschiedener Schadstoffe in wenigen Metern Abstand von der Straße. Zum Beispiel den Feinstaub, also Partikel kleiner als 10 beziehungsweise 2,5 Mikrometer. Für beide Größenklassen bestehen Grenzwerte. Doch die können nicht der Grund für das alarmistische Handeln von Stadt und Land sein, denn die Feinstaub-Immission geht seit Jahren zurück. Wurde am Stuttgarter Neckartor im Jahr 2006 der Tagesgrenzwert für PM-10 noch an 175 Tagen überschritten, so waren es 2015 noch 72 Tage. Im vergangenen Jahr sanken die Überschreitungstage weiter auf 60 - eine erfreuliche Entwicklung, die eigentlich keiner politischen Intervention bedürfte.

          Die sechs Kriterien des Deutschen Wetterdiensts

          Wie schon in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 1. Januar 2017 ausgeführt wurde, trug der Verkehr ohnehin nur 15 Prozent im Jahr 2014 zu den Gesamtemissionen vom PM-10 bei, 23 Prozent sind es bei PM-2,5 - die Flugzeuge, Schienenfahrzeuge und Traktoren eingerechnet. Schaut man allerdings nicht auf den Ausstoß, sondern auf die Immission an Hauptverkehrsadern, sieht die Situation etwas anders aus: Einige Quellen führen die Hälfte der in der Luft nachgewiesenen Partikel auf den Straßenverkehr zurück. Allerdings macht selbst bei dieser Betrachtung das Abgas von Verbrennungsmotoren lediglich etwa sieben Prozentpunkte aus, der Rest stammt vor allem von Brems- und Reifenabrieb und dem Aufwirbeln des schon auf der Straße liegenden Feinstaubs. Diese sieben Prozent wiederum stammen überwiegend aus älteren Dieselfahrzeugen, die maximal die Abgasgrenzwerte nach Euro 4 erreichen, also bis spätestens Ende 2010 zugelassen wurden. Ein Euro-4-Fahrzeug kann in der Regel problemlos mit einem Partikelfilter nachgerüstet werden und erhält dann die grüne Plakette.

          Nun will aber die Stuttgarter Regelung, die im schlechtesten Fall für andere Kommunen in Deutschland Pate stehen könnte, dass das Fahrverbot auch für Euro-5-Diesel gelten soll, mithin also für Autos, die bis Herbst 2015 zugelassen werden konnten und bei Inkrafttreten dann gerade einmal etwas älter als zwei Jahre wären. Hat sich, was gelegentlich einmal vorkommen soll, hier ein Referent beim Erstellen der Gesetzesvorgabe einfach nur verschrieben? Die Erklärung liegt darin, dass es bei den Euro-5-Dieselfahrzeugen, die eine grüne Plakette vorweisen können, gar nicht um die Partikelemission geht. Denn Feinstaubalarm wird in Stuttgart nicht beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte ausgelöst, sondern wenn „austauscharme Wetterlagen“ vorhergesagt werden.

          Sechs Kriterien des Deutschen Wetterdiensts, die unter anderem fehlenden Regen und Windarmut berücksichtigen, werden dafür herangezogen. Sie führen in der Kessellage der schwäbischen Hauptstadt dazu, dass Schadstoffe länger in Bodennähe verbleiben. Das wiederum gilt für die Feinstaubpartikel ohnehin, sie sind schwerer als Luft und setzen sich auf der Straße ab, werden aufgewirbelt und bilden mit bis zu 30 Prozent einen wesentlichen Teil der gemessenen Immission. Gemessen wird also überwiegend, was ohnehin schon da ist. Das brachte die Prüforganisation Dekra auf die gar nicht abwegige Idee, einen vierwöchigen Versuch zu starten, in dessen Verlauf die Straßen rund um das Neckartor intensiv gereinigt werden - in einer Kombination aus Wasserdruck, mechanischer Reinigung und Absaugen. Der Versuch, der in Zusammenarbeit mit dem Landesumweltamt vorgenommen wird, läuft bis Ende März, so dass die Ergebnisse noch auf sich warten lassen.

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