https://www.faz.net/-gy9-9g8kx

Autobeleuchtung : Die Zukunft des Autos ist hell

Maskieren oder tunneln nennen das die Hersteller

Doch hell allein reicht nicht mehr, Licht soll auch intelligenter werden. Deshalb entwickeln sich nicht nur die Leuchtmittel weiter, sondern auch die lichtbasierten Assistenzsysteme. Adaptives Kurvenlicht, das der Lenkbewegung folgt, oder Infrarotsysteme, die Menschen oder Tiere in der Nacht erkennen und als farbige Körper auf dem Borddisplay des Fahrers markieren, gehören dazu. Ebenso wie das Dauerfernlicht, das seine Premiere im VW Touareg der zweiten Generation feierte. Damals arbeitete es noch mit einer mechanischen Walze, die sich ähnlich wie das Karussell eines Diaprojektors vor das Xenon-Fernlicht drehte, um das Licht an bestimmten Stellen abzuschirmen. Entgegenkommende Fahrzeuge, Fußgänger oder Radfahrer können gezielt vor dem blendenden Kegel des Fernlichts geschützt werden, ohne dass der Fahrer deshalb auf Helligkeit verzichten müsste. Maskieren oder tunneln nennen das die Hersteller, und mit der LED-Technik ist es noch präziser geworden, weil die Dioden inzwischen als Matrix daherkommen.

Serienreif sind Fahrzeuge derzeit mit etwa 75 Dioden je Matrix, wobei die genaue Zahl variiert. In Kombination mit einer Kamera auf Höhe der Windschutzscheibe und der passenden Bilderkennungssoftware kann jede einzelne der Dioden digital angesteuert werden. Für ein entgegenkommendes Fahrzeug wird dann ein passgenaues Quadrat einfach schwächer beleuchtet. Selbst Verkehrsschilder können maskiert werden, damit die Refletion den Fahrer nicht blendet. Anhand verschiedener Kriterien wie der Fahrgeschwindigkeit, GPS-Daten und der Helligkeit der Umgebung erkennt die Software zudem, ob sich das Fahrzeug in einer Ortschaft bewegt, wo nach der Straßenverkehrsordnung das Fernlicht immer noch ausgeschaltet werden muss.

Um so präzise zu arbeiten, wird die Zahl der Dioden in den Scheinwerfern weiter zunehmen, während ihre Größe schrumpft. Zulieferer wie Hella bauen bereits Mikropixel-Chips, die auf vier mal vier Millimetern 1024 Pixel unterbringen. In fünf bis sieben Jahren werden auf gleichem Raum bis zu 30 000 Pixel in Serienreife erwartet. Dass im Wolfsburger Lichttunnel mit dem Prototypen eines LCD-Scheinwerfers, dessen Polarisierungstechnik eher aus dem Unterhaltungssegment bekannt ist, die nächste Stufe visualisiert wird, ist da nur logisch. Einen schwarz-weißen Hollywood-Klassiker kann der Scheinwerfer schon ans Garagentor projizieren.

Doch abgesehen von diesem Retro-Charme des persönlichen Autokinos ermöglichen solche Techniken, dass Licht über die Karosserie hinauswächst. Wenn Passanten nicht hören, dass ein Auto losfährt, weil der Elektromotor nun mal nicht knattert, können dynamische Pfeile vor den Wagen auf die Fahrbahn geworfen werden. Über die sogenannte Micro-Lens-Technology geht das auch, wenn abgebogen, rückwärts gefahren oder die Fahrertür an einem Fahrradweg geöffnet werden soll. Praktisch ist zudem die Variante, die eigene Fahrzeugbreite mit Lichtstreifen auf die Fahrbahn zu projizieren, um Spurbreiten in Baustellen oder engen Innenstädten besser einschätzen zu können. Und die Rückleuchten können mit integrierten Displays Hinweise an den Hintermann senden.

Über entsprechende Symbole kann so vor einem Stauende oder Glätte gewarnt werden, entweder weil der Fahrer manuell eine bestimmte Signatur wählt oder weil vernetzt und autonom fahrende Autos autark miteinander kommunizieren. An dieser Stelle greifen Technik und Design deutlich ineinander. So wie im vergangenen Jahrhundert der Wandel von der Streu- zur Klarscheibe ein Segen für die Garde der Designer war, so öffnen LED und LCD nun das gestalterische Spielfeld abermals.

Damit gleichzeitig kein babylonisches Licht- und Blinkchaos entsteht, ist es wichtig, einheitliche Kriterien festzulegen. Die großen Autobauer kommen deshalb regelmäßig in Gremien zusammen. Trotz aller Konkurrenz um Technik und Design – wenn Licht bald zu einer ganz neuen Sprache werden soll, ist es gut, wenn sich Hersteller und Behörden zumindest auf eine gemeinsame Grammatik einigen können.

Weitere Themen

Topmeldungen

Auf dass die Kurse steigen mögen: der Bulle als Symbol für den Aufwärtstrend an der Börse.

Hohes Risiko : Die Lieblingsaktien der Deutschen

Biontech, Tesla, Curevac – die Privatanleger hierzulande stecken ihr Geld am liebsten in gewagte Investments. Nicht immer ist ihnen das Glück dabei hold.
Sie sieht das Ansteckungsrisiko auch für Dreifachgeimpfte: Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek

Virologin Ciesek warnt : „Ansteckungsrisiko so hoch wie nie“

Die Infektionszahlen sind so hoch wie nie. Die Gefahr einer Ansteckung rückt damit näher, warnt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Doch die neuen Quarantäneregeln für Geboosterte passen nicht dazu.