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Projekt Lilium : Die wunderbare Welt der Flugtaxis

  • -Aktualisiert am

Geheimniskrämer: Von den Flugversuchen gibt es nur Bildmaterial des Herstellers, Außenstehende durften noch nicht zusehen. Bild: Reuters

Es soll so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau für die Luftfahrt werden: das Flugtaxi. Was wie ein Märchen klingt, ist aus Pilotensicht auch eines.

          So langsam verlieren selbst Fachleute den Überblick. Ständig kommen neue Meldungen über Hersteller, die ein fliegendes Elektromobil entwickelt haben wollen, das kurz vor dem Durchbruch steht. Airbus, Boeing, Uber, Lilium – eine illustre Lufttaxi-Gesellschaft. Dabei ist die Realität derzeit noch so: Wer von A nach B fliegen will, geht einen der folgenden Wege. Er bestellt im Internet oder Reisebüro ein Flugticket, fährt an den Flughafen, passiert die Sicherheitskontrolle und fliegt an sein Ziel. Wer etwa als Privatpilot Zugriff auf ein Propellerflugzeug hat, fährt ebenfalls an den Flugplatz, zieht die Maschine aus dem Hangar, tankt gegebenenfalls, macht einen Check der Maschine, steigt ein, nachdem die Flugplanung absolviert und das Streckenwetter eingeholt sind, holt sich am Funk die Startinformation, gibt Gas und hebt von einer Startbahn ab. Steuert er keinen Flughafen an, der dichten Linienverkehr hat, fliegt er einfach unter Beachtung der herrschenden Luftraumstruktur, gibt vor dem Zielflugplatz diesem per Funk bekannt, dass er dort landen will, und setzt auf.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die notwendige Pilotenlizenz, in der Regel die deutsche PPL-A, erwirbt man in etwa 50 Stunden Praxis und einem umfangreichen Theorielehrgang, zudem ist ein Funkzeugnis notwendig. Wer die Lizenz neben dem Job machen will, muss ein Jahr Zeit einplanen. 10 000 Euro Kosten dürfen als Orientierungsgröße gelten, je nach Talent, Flugschule und Fluggerät können Dauer und Summe anders sein. Eine medizinische Untersuchung bei einem Fliegerarzt kommt hinzu, sie ist alle zwei Jahre zu bestehen.

          Dann gibt es bald wohl eine dritte Methode. Die scheint unter anderen das Unternehmen Lilium aus Wessling bei München erfunden zu haben. Mitten in der Stadt oder an Flughäfen hebt ein Flugtaxi zur Urban Air Mobility ab. Dieses bringt vier Passagiere und einen Piloten von A nach B. Nahezu geräuschlos, energieeffizient und CO2-neutral. Künftig wohl auch autonom ohne (teuren) Piloten. Der Flug soll nicht mehr als eine Taxifahrt kosten, aber viermal so schnell sein. Seinen ersten Lufthüpfer hat der Lilium Jet ferngesteuert im Mai geschafft, wie Video- und Bildaufnahmen des Herstellers belegen sollen. Augenzeugen außerhalb des Unternehmens gibt es indessen offenbar keine. Zugang zu dem Gerät nämlich verwehrt der Hersteller „aus Wettbewerbsgründen“. Auch eine Anfrage dieser Zeitung wurde abschlägig beschieden. Gespräche mit an der Entwicklung Beteiligten seien möglich, der Blick auf das Fluggerät nicht, heißt es.

          Start-up im doppelten Sinne: 100 Millionen Dollar, 36 E-Motoren und drehbare Tragflächen sollen Lilium zum Senkrechtstarter werden lassen.

          Aus der Sicht von Piloten ist die Sache so einfach nicht. Die Start-ups, die mit am Computer erstellten Videos derartige EVTOL, also Electrical Vertical Takeoff and Landing Aircraft, in die Städte fliegen lassen und von begeisterten Investoren Millionen einsammeln, haben zwar eine Vision. Nur scheren sie sich offenbar nicht um Dinge wie Außenstarterlaubnis, Luftraumstruktur, Sicherheitsmindesthöhe oder Landeplatzlärmschutzverordnung. Die mit diesen Begriffen verbundenen Auflagen sind nicht cool, allerdings sollte sie jeder Pilot und noch mehr jene, die ein Luftfahrzeug bauen, kennen. Denn dann wird klar, dass es so rasch mit der grenzenlosen Urban Air Mobility wohl nichts werden wird.

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