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Alpine A110 : Mit blauem Kawumm gen Horizont

  • -Aktualisiert am

Für Fahrer: Es musste ein Sportwagen wie diese neue Alpine A110 kommen, als Gegenbewegung zur entmündigenden Form des Automobils der Zukunft. Bild: Renault

Ihr Inhalt war die Leichtigkeit des Fahrens und nicht die Mächtigkeit des Motors. Nun kehrt die Alpine 110 zurück.

          Mit der lange diskutierten, in immer neuen Gerüchten kolportierten und nun realisierten Wiedergeburt der legendären Alpine A110 schickt Renault einen unverwechselbaren, bis in die innerste Charakterfaser auf Sportwagen getrimmten, kompromisslosen, bissigen und immer von einer gewissen Atemlosigkeit umgebenen Zweisitzer mit kampferprobter Renntechnik auf die öffentlichen Straßen. Ein knochentrockenes Auto, das näher am Porsche 356 klebt als an jedem Serienauto des Renault-Nissan-Konzerns. Die frischwärts orientierte Alpine A110 des Jahres 2017 kommt im Februar 2018 zu den deutschen Händlern, und die erste Serie ist bereits ausverkauft. Das ist die Première Edition, 1555 Exemplare gibt es davon, alle haben enthusiasmierte Käufer gefunden, die sich vermutlich mit freudiger Erregung von 58.500 Euro getrennt haben.

          Mit der krummen Menge wird an das Geburtsjahr 1955 der Alpine-Unternehmung gedacht, gegründet und betrieben von Jean Rédélé, einer der schnellsten Renault-Händler auf den Rallye-Pisten, erst mit dem knuffigen 4 CV, aus dem die Alpine A106 und A108 entstanden. Aber erst mit der A110 Berlinette im Jahr 1962 begann die Rédélé-Idee richtig zu rennen. Ihr Inhalt war die Leichtigkeit des Fahrens und nicht die Mächtigkeit des Motors – eine Philosophie, die im Jahr 2017 so aktuell ist wie einst. In der Folge ihrer Renneinsätze heimste die Alpine A110 jede Menge Siegerkränze ein, gewann 1971 und 1973 die Rallye Monte Carlo, die damals noch eine wunderbare Winterprüfung war, und holte sich 1978 in einer etwas gewagten Rennausführung den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Erfolge und Niederlagen wogten hin und her, neue Modelle kamen bis zur A310 mit V6-Triebwerk im Heck und nicht unproblematischen Fahrwerkreaktionen, ein im Vergleich zur A110 eher pummelig-mächtiges 250-km/h-Coupé, das prima für die Langstrecke taugte.

          Anfang der 1970er Jahre umarmte Renault die Alpine-Unternehmung, in vierzig Jahren waren 30.000 Autos entstanden, und der blau lackierte Mythos von der Faszination des David-Prinzips war geboren. Es kam bei Renault der massenhafte Übergang vom Heckmotor zum Frontantrieb, und ein paar Jahre später keimte immer noch irgendwo nicht nur die Erinnerung an die freche A110, sondern auch der Wunsch nach ihrer Wiedergeburt. Aber die Renault-Franzosen hatten immer mal wieder Wichtigeres zu tun, wie zum Beispiel den Konzern zu retten, als sich klar zur Reanimierung von Mythos und Modell zu bekennen.

          Das ist die Première Edition, 1555 Exemplare gibt es davon. Bilderstrecke

          Jetzt ist diese neue, natürlich im Vergleich zum historischen Vorfahr, viel bessere Alpine endlich da, und wir begegnen einem der ersten, fahrbereiten Exemplare auf dem Parkplatz eines famosen Hotels in der herbstlich-kalten Provence. Nebel liegt im Tal, und die junge, schlanke und im Leerlauf sich vibrierend erwärmende Alpine heißt wieder A110, und wie einst ist jedermann fasziniert von ihrer Gestalt.

          Das gilt auch im direkten Vergleich, alt und neu nebeneinander. Denn die Alpine 110 des Jahres 2017/18 ist kein Abziehbild, keine nostalgische Kopie aus dem 3D-Drucker mit elektronischem Innenleben. Offenbar haben die Alpine-Designer um Antony Villain zwar den Geist der Vergangenheit inhaliert, aber dann einen komprimierten Sportwagen entworfen, der die Rédélé-Gene nicht verleugnet, aber doch ein sehr eigenes Profil trägt. Es sollte ein kompakter Sportwagen werden, konsequent auf Fahrer und Beifahrer zugeschnitten, mit einem Mittelmotor wegen des knackig-agilen Fahrens, mit knappen Überhängen vorne und hinten und einem Dachaufbau, der zierlich und kuppelig und etwas nostalgisch wirkt, und einer Gesamthöhe, die schon im Stand für eine weggeduckte Gestalt sorgt. Wer ein bisschen Phantasie einsetzen kann, landet schnell bei der ersten Generation des Audi TT und den älteren, zierlichen Porsche 911.

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