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Harley oder Triumph? : Copy right

Triumph-Bogen: Mit der neuen Thunderbird LT (in Rot) fischt der englische Hersteller in Harley-Davidsons Gewässern. Links die Road King Classic. Bild: Walter Wille

Guck mal, zwei Harleys. Nein! Eine davon sieht nur so aus. Es ist die neue Thunderbird LT von Triumph.

          4 Min.

          Jenseits des Ärmelkanals gibt es nicht mehr viele Motorradhersteller von Weltgeltung. Genau einen, um präzise zu sein. Diesem einen aber – Triumph – verdankt die Welt einige herausragende Fahrzeuge: die Maschinen der Bonneville-Familie im klassischen Stil zum Beispiel, den gigantischen Powercruiser Rocket III sowie die Naked Bikes namens Speed Triple und Street Triple mit ihren famosen Dreizylinder-Triebwerken. Das bisherige Firmenmotto der Briten – „Go your own way“ – passte prima zum Unternehmen. Mit eigenständigen Produkten pflegte es seinen eigenen Weg zu gehen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Vergangenes Jahr nun legte Triumph den alten Slogan ab. „For the ride“ lautet der neue. Klingt erst mal lasch, ist aber gar nicht so verkehrt. Lästermäulern nimmt er den Wind aus den Segeln. Seit einiger Zeit wurde getuschelt und gelästert, weil die eine oder andere Triumph-Neuheit der jüngeren Vergangenheit stark an Verkaufsschlager der Konkurrenz erinnert. Tiger 800 und Tiger Explorer folgen verblüffend genau dem Muster erfolgreicher Reise-Enduros von BMW. Und die Tourenmaschine Trophy SE nahm sich offensichtlich die R 1200 RT aus München zum großen Vorbild. Manch einer spottete: „Own way?“

          „Schönes Motorrad haben Sie da!“

          Jetzt muss Harley-Davidson dran glauben. Die neue Thunderbird LT aus Hinckley ist der Road King Classic aus Milwaukee wie aus dem Gesicht geschnitten. Ganz schön frech von den Briten, war unser erster Gedanke, als wir die Triumph und die Harley nebeneinander parkten. Die Road King ist der Klassik-Tourer schlechthin, seit Jahren oberste Instanz des Genres, unangreifbar. Empörung keimte auf.

          Andererseits: So ist nun mal die Welt. Ist es nicht eher schlau als verwerflich, genau hinzusehen, womit andere Umsatz machen? Hält doch jeder so. Auch die Triumph ist bildhübsch geworden, nicht minder beeindruckend, schiebt sich mit 380 Kilo auf die Bildfläche und wirkt im Stand so massig wie die 371-Kilo-Harley. Sympathieträger sind beide – Maschinen, die einem viele Gespräche mit Fremden bescheren. „Schönes Motorrad haben Sie da!“ So fängt es fast immer an.

          Lange Liste der Ähnlichkeiten

          Manchmal hört man Passanten sagen: „Guck mal, zwei Harleys!“ Kein Wunder, lang ist die Liste der Ähnlichkeiten: Silhouette, Proportionen, die rührend nostalgische Anmutung. Chrom en masse, Drahtspeichenräder mit Weißwandreifen gehören zu den gemeinsamen Merkmalen, opulente Kotflügel, Tankkonsole mit Tacho, Riesenscheinwerfer plus zwei Zusatzlampen, abnehmbarer Windschild, Trittbretter für Fahrer und Sozia, Sechsganggetriebe, Schaltwippe, Zahnriemenantrieb, endlos lange Schalldämpfer, Bremsanlage mit ABS, Satteltaschen.

          Letztere bestehen im Fall der Harley aus Kunststoff mit Kunstlederbezug. Triumph spendiert der Thunderbird LT Echtlederkoffer mit wasserdichten Innentaschen und verweist stolz darauf, für seinen Brummer gemeinsam mit dem Reifenhersteller Avon die – tataa! – ersten Weißwand-Radialpneus der Welt entwickelt zu haben. Statt herkömmlicher Diagonalreifen mit weißen Flanken.

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