https://www.faz.net/-gy9-ouz8

Die Renaissance des Mini : Das englische Abenteuer trägt doch Früchte

  • -Aktualisiert am

Flott in Fahrt Bild:

Das Rover-Debakel gerät für BMW mehr und mehr in Vergessenheit. Dabei gäbe es ohne Rover längst den Mini nicht mehr, der 1959 als Austin Seven und Morris Mini Minor den Kleinwagen-Bau revolutionierte und fortan länger als 40 Jahre und mehr als 5,3 Millionen mal gebaut wurde.

          3 Min.

          Das Rover-Debakel gerät für BMW mehr und mehr in Vergessenheit. Dabei gäbe es ohne Rover längst den Mini nicht mehr, der 1959 als Austin Seven und Morris Mini Minor den Kleinwagen-Bau revolutionierte und fortan länger als 40 Jahre und mehr als 5,3 Millionen mal gebaut wurde. Als sich BMW von seiner 1994 gekauften englischen Tochter im siebten Jahr wieder trennte, behielt man als einzige lebendige Marke wohlweislich Mini - und erntet jetzt damit einen Riesenerfolg. BMW ist es gelungen, mit der zweiten Generation des Mini optisch und inhaltlich perfekt an die erste anzuknüpfen. Der Mini ist wieder Kult, so wie in den sechziger Jahren.

          Von den bislang vier Modellvarianten wurden seit der Markteinführung im Sommer 2001 insgesamt mehr als 400 000 Einheiten abgesetzt, in Deutschland begeisterten sich bis heute fast 62 300 Käufer für den Viersitzer. 40 Prozent aller Kunden entscheiden sich hierzulande für den Mini One mit 90 PS oder den Diesel-Mini, der 75 PS bietet. In der Käufergunst ganz vorn rangiert mit 43 Prozent Anteil der Cooper mit 115 PS, während der auf 170 PS getrimmte Cooper S immerhin rund 17 Prozent des Absatzes ausmacht. Deutschland ist der drittwichtigste Markt nach Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Die Amerikaner nehmen den kleinen Wagen weitaus besser an als erwartet. Es hatte sogar BMW-Manager gegeben, die den Mini gar nicht in Amerika einführen wollten. Und nicht erwartet hatte man den hohen Anteil der teuren Versionen: Insgesamt sind 75 Prozent aller Minis Cooper oder Cooper S.

          Dabei ist der im britischen Oxford produzierte Zweitürer mit Basispreisen von 14 600 bis 19 900 Euro durchaus kein Schnäppchen. Für die vom 3. Juli an lieferbaren Kabrio-Versionen (One und Cooper) sind nochmals jeweils rund 3500 Euro mehr zu bezahlen. Das Cooper S-Cabrio wird von August an für 24 000 Euro bei den deutschen Händlern stehen. Die Kabrios sollen künftig 20 Prozent zum jährlichen Absatz beitragen (mehr technische Details zum Mini Cabrio am Dienstag in "Technik und Motor").

          Die Gründe für den Erfolg des Mini sind vielschichtig. Da ist zunächst einmal der Spaß am agilen Handling und am fast gokartähnlichen Fahrgefühl (ganz wie beim alten Mini). Das emotionale Design ist stilistisch unverwechselbar. Es ist neu, und trotzdem erkennt jeder, der nur den alten Mini kennt, daß dieser der neue sein muß.

          Wie der Mini I transportiert der Mini II ein eigenes, positives Lebensgefühl, sagen die Marketing-Experten. Mini-Fahrer sind kosmopolitisch, am Weltgeschehen, aber auch an Mode und Kunst interessiert, und sie haben keine Standesdünkel. In 70 Märkten - von Großbritannien bis nach China - ist die Marke präsent, der Altersdurchschnitt der Käufer liege mit knapp 40 Jahren um sieben bis acht Jahre unter dem der BMW-Käufer.

          So unkonventionell wie der Mini selbst ist auch sein Marketing. Dabei versuchen die Image-Strategen, ergänzend zu klassischen Printkampagnen und TV-Werbespots, vor allem mit spontan wirkenden, unerwarteten Aktionen viel Aufmerksamkeit zu erzielen. Da sitzt ein Mini schon mal als Zuschauer in einem amerikanischen Baseball-Stadion, wird wie ein Surfbrett oder Rennrad als Sportgerät auf dem Dach eines großen Geländewagens transportiert oder kann anstelle einer kurvenreichen Schönheit auf der Ausklappseite eines bekannten Männermagazins entblättert werden.

          Und der Mini II war das erste Automobil, das über das Netz etabliert wurde. Noch vor der Markteinführung konnten Interessenten in eine virtuelle Mini-Welt eintauchen. In "Mission Mini" - einem von der irischen Schriftstellerin Val McDermid eigens geschriebenen Kriminalroman - bat der Protagonist Sam Cooper die Leser um Mithilfe bei der Jagd nach Agenten. Die Detektivgeschichte war in 17 Ländern verschiedenen Lifestylemagazinen beigelegt. Auch im Kino landete die Marke einen großen Coup: Im Remake des Kinofilms "The Italian Job" lieferten sich die Darsteller wie im Vorbild in Minis spektakuläre Verfolgungsjagden.

          Auch dem Kundenmagazin "Mini International" kommt international ein großer Stellenwert zu. Das Heft erscheint viermal jährlich, im Mittelpunkt jeder Ausgabe steht eine internationale Metropole. Vorgestellt wurden bisher Antwerpen, Barcelona, Kapstadt, Reykjavik und Marseille. Der Schwerpunkt liegt auf Kultur, Mode, Design, Architektur und Kunst; Interviews mit Leuten auf der Straße und Porträts mit Menschen, die in der Szene tonangebend sind, vermitteln ganz individuelle Eindrücke der jeweiligen Stadt.

          Der automobile Teil rund um das Produkt Mini macht nur etwa 30 Prozent des Heftumfangs aus; eine Doppelseite kann von den regionalen Marketing-Abteilungen individuell gestaltet und beispielsweise mit Terminen und Informationen rund um lokale Aktionen bestückt werden. Die Auflage beträgt 180 000 Hefte, es erscheint in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Arabisch und Spanisch. Die Hälfte der Leser seien noch keine Mini-Fahrer. Alle Mini-Kunden erhalten das Heft automatisch über ihren Händler, es wird zudem auf Messen, Ausstellungen und in Designhotels ausgelegt und ist für 4,50 Euro auch an gut sortierten Kiosken zu kaufen.

          Mit der zuletzt erschienenen Ausgabe "Shanghai" ist die Zeitschrift zusätzlich online unter "Planet Mini" präsent (auf der Seite www.Mini.com/COM/). Nächstes Hauptthema ist die neuseeländische Stadt Auckland.

          Das Mini Cabrio macht auch geschlossen eine gute Figur

          Weitere Themen

          Opel Corsa Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Opel Corsa

          Dem Opel Corsa fällt die schwere Aufgabe zu nach dem Insignia das kleinste Modell der Fahrzeugflotte zu sein. Wieso er diese Aufgabe mit Bravur meistert, zeigt unser Fahrbericht.

          Topmeldungen

          Protest gegen den Bergbau: Eine Demonstrantin bei der Dem „New South Wales brennt, Syndey erstickt“ in Sydney.

          Kohleabbau in Australien : „Fast jeder Kumpel besitzt ein Boot“

          Das Hunter Valley ist das Ruhrgebiet Australiens. Hier leben die Menschen von der Kohle. Viele hat das „schwarze Gold“ reich gemacht. Doch auch sie spüren die Folgen des Klimawandels – und fragen sich, wie es weitergehen soll.
          Niederlage für Boris Johnson: Das House of Lords votiert für eine Anpassung seines Brexit-Gesetzes zum Bleiberecht für EU-Ausländer in Großbritannien.

          Anpassung des Brexit-Gesetzes : Johnson erleidet Schlappe im Oberhaus

          Das House of Lords will die rund 3,6 Millionen europäischen Ausländer in Großbritannien stärker schützen – und erteilt den Brexit-Plänen des Premiers in diesem Punkt eine Absage. Nun entscheidet das Unterhaus. Droht ein Ping-Pong-Prozess?

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.