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Die neue Spa-Klasse : Das Auto als Wellness-Oase

  • -Aktualisiert am

Mehr Bewegung wagen ... Bild: Hersteller

Mit Vernetzung der bekannten Komfortsysteme soll das Auto gemütlicher werden. Fahrer sollen sich nach dem Aussteigen besser fühlen als vor dem Einsteigen.

          2 Min.

          Normalerweise fährt man einen Maybach am besten im Smoking. Doch wenn es nach Goetz Renner geht, zieht man künftig vor der Fahrt einen flauschigen Bademantel an. Denn Renner leitet bei Mercedes-Benz das Projekt „Fit & Healthy“ und hat die Luxusversion der S-Klasse dafür zur Wellness-Oase auf Rädern aufgerüstet. Mit Licht, Luft und Duft, Massage und Musik und aufwendigen Videosequenzen solle sie den Fahrer je nach Situation anregen und aufwecken oder entspannen, erläutert der Entwickler und stellt schon für das Facelift der S-Klasse die erste Serienumsetzung in Aussicht.

          Luftkissen in den Sitzen, Parfüm im Handschuhfach und bunte LED-Leisten - neu sei das natürlich alles nicht, räumt Renner ein. Vielmehr gibt es solche Extras mittlerweile bis hinunter in die Kompaktklasse. Doch was den Systemen fehle, das seien das intelligente Zusammenspiel, die feinfühlige Abstimmung und vor allem die Fähigkeit, sich auf die jeweilige Situation einzustellen. „Wer nutzt schon all die Möglichkeiten, die ihm sein Auto bietet, voll aus?“, fragt Renner. „Und wer ändert dann sein Set-up, wenn er mal die passende Einstellung gefunden hat?“

          ... die Hilfe dafür zeigt sich auf dem Bordmonitor

          Deshalb hat Renners Prototyp einen Vitality Coach: Mit Sensoren am Lenkrad kann er den Pulsschlag des Fahrers messen und mit den Informationen aus Navi und Handy die Umstände der Fahrt abschätzen. „So wissen wir, ob einer aufgeregt, gestresst oder müde ist, und können entsprechend gegensteuern.“ Wer bei der Abfahrt auf 180 ist, den holen warme Lichttöne, sanfte Musik, beruhigende Videos und laue Lüftchen wieder von der Palme, während sich die Muskeln unter dem feinfühligen Kneten Minute für Minute weiter entspannen. Und wer früh am Morgen auf dem Weg ins Büro kaum die Augen aufbekommt, denn holt der Vitality Coach ins Hier und Heute: Das Licht ist kalt und grell, die Musik genau wie die Massage aufpeitschend, der Duft erfrischend, und vor allem bläst einem die Elektronik in unregelmäßigen Abständen eine kalte Brise ins Gesicht, als gäbe es eine Klatsche mit einem nassen Waschlappen. Wer da nicht wach wird, der hat am Steuer nichts verloren.

          Im ersten Schritt will Renner dafür einfach die bestehenden Systeme besser nutzen, sie mit Hilfe einer Pulsuhr auf den Zustand des Fahrers abstimmen und vor allem stärker und schneller die Einstellungen variieren. Aber dabei soll es nicht bleiben. Wenn 2018 die nächste Generation der Mercedes-Kompaktklasse an den Start geht, gibt es zudem das Programm „Motion Seating“, das während der Fahrt mit minimalen Veränderungen der Sitzeinstellung den Bewegungsapparat stimulieren soll. „Denn Sitzen ist das neue Rauchen“, klagt Renner über die Volkskrankheit Nummer eins und hofft, dass möglichst viele Autofahrer ähnlich wie bei den Trainingsvideos im Flugzeug sogar aktiv gegen die Sitzkissen arbeiten und so im Wagen einen kleinen Workout machen.

          Prototyp des Vitality Coach

          Wenn zum Wechsel des Jahrzehnts die nächste Generation der S-Klasse kommt, legt Renner noch mal nach. Dann sind nicht nur die Pulssensoren zum Beispiel im Lenkrad eingearbeitet, sondern auch die Massagesessel verfeinert. Das Sitzkissen vibriert dann wie eine Rüttelplatte, und in der Lehne gibt es eine Klangmassage: Spezielle Boxen verbreiten ihre Schallwellen so intensiv, dass man den Sound buchstäblich spüren kann und man unweigerlich an Herbert Grönemeyers Hit „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ denken muss. Spätestens dann wird das Flaggschiff gar vollends zur Spa-Klasse.

          Mercedes ist mit dieser Forschung nicht allein. Auch bei anderen Herstellern, etwa bei Hyundai, hat man auf den Fitnesswahn der Bevölkerung reagiert und ein Healthcare-Cockpit entwickelt. Mit Sensoren von der Pulsmessung bis zur Blickerkennung erfasst es die Stimmungslage des Fahrers und steuert ähnlich wie die Wellness-Version der S-Klasse mit entsprechenden Programmen dagegen.

          Egal ob hundemüde oder total aufgekratzt, ob geschasst oder gestresst - das Ziel der Entwickler ist immer das gleiche, sagt Mercedes-Mann Renner: Man soll sich nach dem Aussteigen besser fühlen als vor dem Einsteigen.

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