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Die neue Bonneville T 120 : Rock ’n’ Roll auf Rädern

Cool in den Fifties: Marlon Brando mit Triumph in „Der Wilde“ Bild: Nawrocki

Nichts beschäftigt die Motorradwelt mehr als das Thema Retro. Gerade rechtzeitig stellt Triumph seine neue Bonneville-Familie ins Rampenlicht.

          Es gab eine glorreiche Zeit der britischen Motorradbaukunst. Ja, Kunst. Die Welt schwärmte, Marken und Maschinen wurden legendär. Dann folgte eine Phase, in der die Öllache unterm Motor zum Markenzeichen der Maschinen von der Insel wurde. Beides ist nun schon viele Jahrzehnte her. All die großen Namen verschwanden. Zum Glück gibt es Triumph noch beziehungsweise wieder. Zwar gingen auch dort in den Achtzigern die Lichter aus. Doch die Wiederbelebung der Marke im Jahr 1990 durch den Geschäftsmann John Bloor verlief erfolgreich, yes indeed.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Beim Neustart in Hinckley, Leicestershire, verzichtete das Unternehmen zunächst darauf, seine reiche, bis ins Jahr 1902 zurückreichende Historie in die Waagschale zu werfen. Mit modernen Drei- und Vierzylindermaschinen trat Bloors Mannschaft an, jegliche Anknüpfungspunkte zu Früherem vermeidend. Vielleicht sollte damit Distanz demonstriert werden zur Ölfleck-Epoche, in der sich britische Fabrikate den Ruf der Unzuverlässigkeit erarbeiteten.

          Aber 2001 war es dann doch so weit: Triumph präsentierte ein Bonneville genanntes Bike, das einen Bogen bis ins Jahr 1959 schlug. Damals war eine irrsinnig sportliche Maschine mit sagenhaften 46 PS vorgestellt worden, ein Superbike seiner Zeit. Bei der ersten Bonneville handelte sich genaugenommen um eine weiterentwickelte Tiger T 110 von 1954 mit Doppelvergaser, deren Ahnenreihe sich über die 1949er Thunderbird bis zur Speed Twin von 1937 zurückverfolgen lässt. The most famous british motorcycle of all times, schwärmen sie in Hinckley.

          Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 345,5 km/h

          Die Bonneville war Rock ’n’ Roll auf Rädern. Ihr Name sollte an den Geschwindigkeitsrekord erinnern, den Triumph 1956 auf dem Bonneville-Salzsee in Utah aufstellte. Ein methanolbetriebener Triumph-Motor feuerte den Texaner Johnny Allen in seiner stromlinienförmigen Hochgeschwindigkeitszigarre mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 345,5 km/h über den pottebenen Wüstenboden. Währenddessen tüftelten sie in England gerade an dem Doppelvergaser-Krad, um dem Kundenwunsch nach mehr Kraft und Geschwindigkeit nachzukommen.

          Die Bonneville war zur Stelle, als in London die Swinging Sixties in Gang kamen, die Bezeichnung Mini für das Auto und den Rock noch seine Berechtigung hatte und in Wembley ein Tor fiel, das keines war. Promis fuhren Bonnies, Rocker machten mobil, die Café-Racer-Szene parkte damit gern vorm „Ace Cafe“. Renn-, Flat-Track- und Geländemaschinen wurden von der Bonneville abgeleitet. An Silvester 1967 schrottete der Stunt-Experte Evel Knievel ein Exemplar beim Versuch, über die Wasserfontänen des Caesars Palace von Las Vegas zu springen, und fügte der Bilanz seiner Knochenbrüche 40 weitere hinzu.

          Einstiegsmodell: Bonneville Street Twin, 900 Kubik Bilderstrecke

          Well, shit happens. Zum silbernen Thronjubiläum der Queen erschien 1977 ein Sondermodell, zur Vermählung von Prinz Charles und Lady Diana im Jahr 1981 ein weiteres, lovely und auf 250 Exemplare limitiert. Leider hielt das den Niedergang des Unternehmens nicht auf.

          Die Bonneville der neuen Ära kam 2001 mit einem 61 PS leistenden 790-Kubik-Reihenzweizylinder in den Handel, traditionell gestylt, modern konzipiert, unkompliziert in der Handhabung. Wie die Wachmänner vorm Buckingham-Palast standen die beiden Zylinder aufrecht nebeneinander. Ihr Hubraum wuchs mit der Zeit auf 865 Kubikzentimeter, Einspritztechnik hielt Einzug, allerdings raffiniert als good old Vergaser getarnt. Scrambler und Thruxton spalteten sich als Varianten ab, mit einer Note Offroad die eine, auf Café Racer getrimmt die andere. Alle erwiesen sich als durch und durch nostalgisch und ehrlich, aber etwas blutarm im Fahrerlebnis. Weiteres Handicap: das arg dünne Auspuffgesäusel. Immerhin war Triumph früh dran mit seinen modernen Klassikern, lange bevor die Retrowelle richtig ins Rollen kam.

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