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Aston Martins Chef im Gespräch : „Die nächste Generation Sportwagen wird elektrisch“

Weist den Weg nicht nur als Sicherheitsfahrzeug in der Formel 1: Aston Martin Vantage Sondermodell F1 Bild: Aston Martin

Seit vergangenem Jahr führt der Deutsche Tobias Moers die britische Sportwagenschmiede. Doch wohin steuert Aston Martin? Ein Gespräch zwischen Ernüchterung und Aufbruch.

          4 Min.

          Geschichte wiederholt sich. Alle Jahre wieder tritt ein neuer Chef an die Spitze der ruhmreichen britischen Sportwagenschmiede Aston Martin, und dann geschieht, was auch geschieht, wenn man daheim einen neuen Handwerker bestellt. Der schaut sich das Vorhandene an und spricht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: „Wer hat denn diesen Pfusch verzapft? Mannomann, da müssen wir wohl alles neu machen.“ So haben es seine Vorgänger gemacht, und so macht es jetzt Tobias Moers. Der im vergangenen August von der schnellen AMG-Truppe aus dem Hause Mercedes-Benz nach England gewechselte Manager ist einigermaßen entsetzt über die dortigen Abläufe, mit schwäbischer Effizienz haben die offenbar nichts zu tun.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Im Werk Gaydon wurden am Tag 15 bis 20 Sportwagen gefertigt, „auf zwei Linien mit 70 Stationen je Linie“, wie Moers im Gespräch mit der F.A.S. berichtet. „Jetzt haben wir 23 Stationen auf einer Linie“, sagt er und macht deutlich, was es noch alles aus den Tiefen eingeschlichener Gemütlichkeit zu heben gilt. „In der Automobilindustrie ist man normalerweise froh über 3 bis 4 Prozent Effizienzsteigerung. Bei uns sind 35 bis 45 Prozent möglich“, sagt Moers. Die Lackieranlage etwa habe Kapazität für rund 10.000 Autos im Jahr, Aston Martin verkaufte zuletzt 3400. Im Bau und damit auf der Bilanz lastend seien beständig um die 400 Autos gewesen, jetzt seien es rund 100, sagt Moers, der am liebsten das ganze Fließband zum Teufel jagen würde, weil es weder zum Ansehen der Marke passt noch die erhoffte Qualität mit sich bringt. Offenbar muss nahezu jedes Auto am Ende des Produktionsprozesses nachgearbeitet werden, bevor es in Kundenhand kommen kann, was Zeit, Geld und Motivation kostet.

          „Die Schieflage war enorm, als ich anfing“

          Trotzdem will er nicht in Automaten und Roboter investieren, sondern in Handarbeit. Und auf bessere Abläufe achten. Etwa 3000 unverkaufte Autos hätten rund um die Welt bei den Händlern gestanden, jetzt seien es etwa 1000, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kapitalbindung und die Rabattfreudigkeit. „Ich verstehe nicht, wie sich die Dinge in der Vergangenheit so entwickeln konnten. Die Schieflage war enorm, als ich anfing, die Veränderungsbereitschaft gering. Aber jetzt geht es voran, die Mannschaft zieht mit“, sagt Moers.

          Tobias Moers führt Aston Martin seit August 2020
          Tobias Moers führt Aston Martin seit August 2020 : Bild: Aston Martin

          Er baut Stellen ab, hat diverse Führungspersonen ausgetauscht, die Struktur verschlankt, Entscheidungsebenen einfach gestrichen. „Die handwerklichen Fähigkeiten der Leute hier sind gut. Wir sehen schon eine deutliche Verbesserung der hergestellten Autos. Die Nacharbeit haben wir reduziert“, sagt Moers. Er habe Verantwortung an Mitarbeiter vor Ort übertragen, die das mit Verlässlichkeit zurückzahlten.

          All die Umbauten in den Abläufen werden jedoch keine Früchte tragen, wenn Aston Martin keine Kunden findet. Für die braucht es mitreißende Autos, die den Mythos der 1915 geborenen Marke in den Genen tragen. Die ihre ruhmreiche Geschichte mit James Bond nicht vergessen lassen und doch so fahren wie aus der Zukunft. Die führt geradewegs in die Elektromobilität, im Jahr 2025 soll die erste elektrische Plattform fertig sein und einen Sportwagen tragen. „Aston Martin steht für Luxus, und der dreht sich schnell Richtung nachhaltige Produkte“, sagt Moers. „Die nächste Generation Sportwagen wird elektrisch.“

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