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Die Motorradsaison 2006 : Jetzt oder nie: Neuer Mut in der Mittelklasse

Die nächste Kurve kommt bestimmt: Aprilia Tuono 1000 R. Bild:

Die kommende Motorradsaison wirft Fragen auf. Zum Beispiel die: Wozu braucht man 200PS? Zum Fahren braucht man sie nicht, soviel ist sicher.

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          Die kommende Motorradsaison wirft Fragen auf. Zum Beispiel die: Wozu braucht man 200PS? Zum Fahren braucht man sie nicht, soviel ist sicher.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Kawasaki bringt in diesem Jahr die 200-PS-Grenze für Serienmotorräder ins Wanken und könnte die Diskussionen wieder zum Aufflackern bringen über "irre Raser außer Rand und Band". 140 kW, also 190 PS, werden vermeldet für die neue ZZR 1400. Bei hohen Geschwindigkeiten, die diese Kawa lässig aus dem Ärmel schüttelt, kommt noch der Ram-Air-Effekt hinzu: Fahrtwind wird in einen nach vorn gerichteten Schacht in der Verkleidung gepreßt, was für eine Verdichtung der Verbrennungsluft und eine Steigerung der Leistung auf sogar 147 kW (200 PS) sorgen soll. Auweia, Rekord.

          Kawasaki hat ein Image zu verteidigen. Dem Image des Motorrads in der Außenwelt tut solch ein Potenzungeheuer nicht gut. Fürs Prestige des Besitzers in den inneren Zirkeln der Hubraumfangemeinde ist es nicht schlecht. Man denke an die Sonntage ganz in Leder mit den Momenten, in denen der Motorradfahrer am Bikertreff ausrollt und kraft seiner Maschine sogleich im Mittelpunkt des Interesses steht. In dieser Hinsicht kann man 14000 Euro kaum besser anlegen.

          Für "eine Welt, in der Leistung alles bedeutet, bringt die ZZR 1400 die nötigen Eigenschaften mit", kündigt Kawasaki an. Starke Worte. "Jedes Zucken an der Gashand bringt das Adrenalin direkt ins zentrale Nervensystem des Fahrers." Wahrscheinlich ist das nicht einmal übertrieben bei einem Drehmoment, das schon bei 2000 Umdrehungen an der 100-Newtonmeter-Marke kratzt. Für 6000/min wird das Einsetzen eines Nachbrenner-Effekts versprochen. Der Tacho eines auf einer Messe gezeigten Exemplars war bis 280 km/h beschriftet, es folgten aber noch ein paar Striche auf der Skala. Jedes Zucken der Gashand kann den Fahrer direkt auf einen Spitzenplatz in Flensburger Punkteranglisten katapultieren. Es drängt sich die Frage auf, was das eigentlich soll, und wir sind entschlossen, unsere schon heute weichen Knie zu ignorieren und uns demnächst mit einer Testmaschine auf die Suche nach einer Antwort zu begeben.

          Daß Leistung eben nicht alles bedeutet, weiß fast jeder. Entscheidend ist die Art, wie sie sich entfaltet, die Fahrbarkeit, angesichts der exklusiven wie explosiven Technik starker Maschinen vor allem auch die Erfahrung im Sattel. Dabei sind fürs Landstraßenglück rund 70 PS längst ausreichend, und auch mit weniger sind genug Reserven für fast alle Lebenslagen vorhanden. Das Bemerkenswerteste an der neuen Saison ist deshalb das erhöhte Aufkommen an begehrenswerten Modellen der Mittelklasse. Die Hersteller trauen sich was, zeigen Ecken und Kanten, suchen nach pfiffigen Details.

          Zum Beispiel: Aprilia stellt der noch jungen Pegaso 650 Strada mit der 650 Trail eine gleichermaßen für Asphalt wie Feldweg geeignete Variante zur Seite. 35 kW (48 PS) werkelt der Einzylinder herbei, es ist der gleiche Yamaha-Motor, der auch die neue Yamaha MT-03 antreibt, eine Realität gewordene futuristische Designarbeit. Beide sind gerade in der Redaktion zu Gast und sorgen für eine Menge Fahrspaß. Triumph zitiert mit der bezaubernden Scrambler Zeiten, die 50 Jahre zurückliegen - bei so viel Tradition gesteht man das den Briten gerne zu. Die können auch anders, wie die spektakuläre Daytona 675 beweist. Sie gehört aber zur Supersport-Fraktion, dazu später etwas mehr.

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