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Kurzstrecken : Der Todfeind des Diesel-Partikelfilters

  • -Aktualisiert am

Wartungsintervalle zwischen 120.000 und 180.000 Kilometer für einen Ausbau des Partikelfilters und dessen mechanische Reinigung Bild: AP

Werden Dieselfahrzeuge mit Rußpartikelfilter nur für kurze Innerortsstrecken benutzt, setzt sich schon nach wenigen hundert Kilometern der Filter mit Ruß zu. Abgasgegendruck und Kraftstoffverbrauch steigen, der Motor droht, zu ersticken.

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          Nobody is perfect. Diese Binsenweisheit gilt auch für Dieselfahrzeuge mit Rußpartikelfilter. Werden sie nur für kurze Innerortsstrecken benutzt, setzt sich schon nach wenigen hundert Kilometern der Filter mit Ruß zu. Der Abgasgegendruck steigt, ebenso der Kraftstoffverbrauch, und der Motor droht, bildlich gesprochen, zu ersticken. Abhilfe schafft allein eine längere Fahrt auf freier Strecke, bei der die Abgastemperatur wenigstens 500 Grad Celsius erreicht und die Rußschicht auf der Filteroberfläche, der sogenannte Filterkuchen, verbrennt. Weil er solche ökonomisch wie ökologisch wenig sinnvolle Extrafahrten nicht akzeptieren wollte, klagte der Fahrer eines Opel Zafira 1.9 CDTI auf Rücknahme seines Fahrzeugs wegen eines schwerwiegenden, nicht abzustellenden Mangels. In letzter Instanz zog er jedoch den Kürzeren: Das Nichtfunktionieren des Partikelfilters im Kurzstreckenbetrieb sei nicht als Mangel zu werten, entschied kürzlich der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen: VIII ZR 160/ 08).

          Prüfstandsversuche des TÜV Süd haben inzwischen ergeben, dass sich schon nach rund 200 Kilometer reinem Stadtverkehr der Filter zusetzt, was normalerweise den Regenerationsmodus auslöst, der den Filter wieder freibrennt. Je nach Filtersystem läuft er auf unterschiedliche Weise ab. Bei Selbstzündern aus dem PSA-Konzern (Peugeot/Citroën), die auch bei Ford, Mazda, Volvo, Jaguar oder Land Rover Dienst tun, wird dem Dieselkraftstoff aus einem separaten Behälter ein Additiv zugesetzt. Es senkt die Zündfähigkeit des Rußes von 600 auf etwa 450 Grad Celsius, eine Temperatur, die bei normalen Stadtfahrten erreicht werden kann. Falls nicht, erfolgt über das Motormanagement eine kurzfristige Verschiebung des Einspritzzeitpunkts, wodurch die Abgastemperatur steigt und der Ruß verbrannt wird. Je nach Modell sehen die Wartungsintervalle zwischen 120.000 und 180.000 Kilometer einen Ausbau des Partikelfilters und dessen mechanische Reinigung vor.

          Die aktive wartungsfreie Variante ohne Additiv

          Statt dieser passiven Regenerationsverfahren bevorzugen vor allem deutsche Dieselhersteller die aktive wartungsfreie Variante ohne Additiv. Dabei wird die Abbrandtemperatur durch innermotorische Maßnahmen wie Nacheinspritzung, Spätverschiebung der Haupteinspritzung oder Drosseln der Ansaugluft erzielt. Verstopfte Partikelfilter können im ausschließlichen Kurzstreckenverkehr bei beiden Systemen auftreten. „Tendenziell sind nach unseren Erkenntnissen Systeme mit Additiv etwas weniger anfällig,“ berichtet Frederic Lüder, Entwicklungsleiter bei Faurecia, dem größten Abgassystemhersteller der Welt. „Entscheidend sind in beiden Fällen die Betriebsbedingungen, also individuelle Fahrweise und Verkehrssituation. Im extremen Stop-and-go-Verkehr erreichen Dieselmotoren noch nicht einmal 250 Grad Celsius, so dass eine Regeneration des Filters nicht stattfinden kann.“ Dieses Problem könnte sich mit Inkrafttreten der Abgasnorm Euro 5 im Oktober 2010 noch verschärfen, weil dann der Partikelausstoß auf ein Fünftel des bisherigen Grenzwerts - von 0,025 auf 0,005 Gramm je Kilometer - sinken muss.

          Das Fazit: Nach dem aktuellen Stand der Technik sind Dieselautos für ständige Kurzstreckenfahrten von nur wenigen Kilometern schlicht untauglich. „Wir arbeiten intensiv daran, dieses Handikap zu beseitigen,“ versichert Lüder, „obwohl es sich, bei Licht besehen, eher um ein Randproblem für Brötchenholer handelt.“ Gefordert sind daher seiner Meinung nach vor allem die Verkaufsberater in den Autohäusern, die Dieselkäufer vor Vertragsabschluss nach ihren Fahrgewohnheiten befragen und kompetent beraten müssten.

          Größeres Ungemach könnte nicht nur notorisch gehfaulen Brötchen- und Zigarettenholern, sondern nahezu allen Dieselfahrern drohen, wenn der jüngste realitätsferne Vorschlag des Umweltbundesamtes Wirklichkeit werden sollte. Weil sich die mit riesigem bürokratischen Aufwand eingerichteten Umweltzonen weitgehend als nutzloser Aktionismus entpuppt haben (F.A.Z. vom 9. Mai), soll dem Feinstaub jetzt mit flächendeckendem Tempo-30-Limit zu Leibe gerückt werden. Bei dieser Geschwindigkeit erreicht die Abgastemperatur von Dieselfahrzeugen nur noch etwa 200 Grad, so dass sich bei ausschließlichen Innerortsfahrten die Verstopfungsintervalle des Partikelfilters drastisch verkürzen würden. Das daraus resultierende kollektive Frühableben der Selbstzünder dürfte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) dann als großen Erfolg feiern: Wie ein Fachmagazin berichtete, stilisiert sie die Farce um die Feinstaubbekämpfung schon jetzt zum „entscheidenden Beitrag für den weltweiten Klimaschutz“ hoch.

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