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Kleinwagen : Mein Auto lebt

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Macht sich nicht nur unter Palmen gut: Der Mini gehört zu den beliebtesten Kleinwagen. Bild: Hersteller

Ein Auto muss nicht groß sein, um groß anzukommen. Das zeigen die Modelle von Mini, Fiat und seit neustem auch Opel. Was macht die Kleinwagen mit viel PS unter der Haube so besonders?

          Beginnen wir diese Geschichte mit einigen Kandidaten, die darin nicht weiter vorkommen werden. Einer von ihnen ist der Suzuki Swift. Gern würden ihn seine Väter in die Klasse der Kult-Autos aufgenommen wissen. Allein, dem kleinen Japaner fehlen die inneren Werte und vor allen ein besseres Image der Familie. Auch der Audi A1 wird nicht weiter berücksichtigt. Er ist einfach zu vernünftig. Und das ist ein klares Ausschlusskriterium von der Riege jener Automobile, die nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch gekauft werden.

          Dabei spielt die Tradition durchaus eine Rolle. Was Ende der 1950er Jahre schon gut für das erstarkende Europa war, das kann in Neuauflage so schlecht heute nicht sein. Der Mini war bereits damals auf gutem Weg, ein Kultauto zu werden. Ein britischer Pop-Barde hat ihm dabei geholfen. Klein genug war er, um die enge Carnaby Street hinabzubrausen, und er fuhr mitten hinein in das Zeitalter der schrillen Farben, breiten Hüte und großen Sonnenbrillen. Weit jenseits der Insel wuselte auch ein zierliches Kerlchen übers Kopfsteinpflaster am Kolosseum und Vesuv vorbei. Der Fiat 500 machte Italien mobil, und die ersten mutigen Urlauber, die kochendem Kühlwasser zum Trotz den Alpenhauptkamm bezwangen, um dem Chianti und der Tomatennudel auf den Pelz zu rücken, brachten als Souvenir abenteuerliche Geschichten von völlig überladenen Kleinstwagen mit, die einem VW Käfer oder Opel Kadett durchaus als Beiboot genügt hätten. Beide, Mini und Fiat 500, feierten erfolgreich ihre Renaissance und bewegen heute nicht nur den modernen Menschen, sondern vor allen dessen Herz.

          Der Neuling unter den Kultwagen

          Doch ein dritter erhält Zutritt zum erlauchten Kreis der Seelentröster, die heute voll vernetzt, abgasgereinigt und in strahlendem Variantenreichtum die gestylten Parkplätze der noch gestylteren Eigentumswohnparks bevölkern. Und er überrascht umso mehr, als er auf keinen Vorgänger in der Wirtschaftswunderzeit bauen kann. Der Opel Adam flitzt seit zwei Jahren schwungvoll übers Parkett der anspruchsvolleren Auto-Gemeinde und kommt ob des erfolgreichen Auftritts mit immer neuen Derivaten daher. Wie ihm das gelungen ist? Nun, er folgt den Erfolgsrezepten seiner Brüder im Geiste. Nicht immer jung, stets aber sehr individuell anspruchsvoll wünschen sich die Kunden des Kultautos eine maßgeschneiderte Ausstattung. Die darf gern auch mehr kosten als anderswo. Hauptsache, dass sich da ein ganz individuelles, unverwechselbares Auto konfigurieren lässt. Und mit mehr als 100000 Möglichkeiten des Variierens steht der Adam seinen Kollegen in nichts nach.

          Am Lenkrad des Mini kommt dank einer Beschleunigung von 0 auf 100 in kaum mehr als sechs Sekunden ein einzigartiges Gocart-Gefühl auf. Bilderstrecke

          Je kleiner der Wagen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er von seiner Besitzerin, manchmal auch von seinem Besitzer, einen Namen bekommt. Muggel, Nubbel, Schnuffi, die Personalisierung des Kleinwagens trägt bisweilen reizende Blüten, oft sogar auch einen Namenszug an der Heckklappe. Bei einer S-Klasse, einem Porsche 911 Carrera oder Audi A6 ist dies wohl nur in den seltensten Fällen zu beobachten. Die Zahl der Käuferinnen ist überaus hoch in dieser Klasse, berichten Kundenbetreuer.

          Um doch die männliche Kaufkraft zu gewinnen, wird aufgerüstet. Mini hat auf das anfängliche Spitzenmodell Cooper S den John Cooper Works gesetzt. 231 PS machen dem gar nicht mehr so kleinen Mini Beine, Zutaten aus der Rennsporttechnik wie eine Hochleistungsbremsanlage verstehen es, den Kraftzwerg am Zügel zu führen. Sie stellen ihn aber mit einem Preis von 29900 Euro fast in eine andere Spielklasse. Unvergleichlich ist dabei nicht nur die Beschleunigung (in kaum mehr als sechs Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h) sondern auch das Gocart-Gefühl, das am Lenkrad des Mini entsteht. Schon eine kleine Kurskorrektur quittiert der frontgetriebene Wagen mit ansatzlosem Richtungswechsel. Wie ein Terrier tritt er dann an, der plötzlich den panisch flüchtenden Hasen erspäht. Der stärkste Kerl in der Mini-Familie ist jedoch eine Spezialität für Fachkräfte. Selten wird er von Frauenhand gelenkt, eher von einem wie unser Nachbar. Der wohlhabende Zahnarzt hat seinen 911 Carrera im vergangenen Sommer verkauft und ist jetzt an den Wochenenden in seinem Mini JCW auf Hockenheim- oder Nürburgring unterwegs. „Macht mindestens genauso viel Spaß“, sagt er grinsend.

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