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Die Kabriosaison beginnt : Ohne Dach ist Autofahren doch am schönsten

  • -Aktualisiert am

Mit knapp 21400 Verkäufen im Jahr 2003 Deutschlands Kabrio Nummer 1: Peugeot 206 CC Bild:

Am 1. März beginnt gemeinhin die Kabriosaison. Noch nie hat es so viele offene Autos in Deutschland gegeben wie heute.

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          Am 1. März beginnt gemeinhin die Kabriosaison. Seit es Saisonkennzeichen gibt, die bevorzugt für die Monate März bis Oktober nachgefragt werden, ist das erst recht der Fall. Mancher Autofahrer (nicht nur Kabrio-Eigner) erspart seinem Schmuckstück einfach versalzene Straßen im Winter und reduziert noch Kosten für Steuer und Versicherung.

          Bald wird vor allem am Wochenende die Zahl der Kabrios auf den Straßen sprunghaft zunehmen, und der subjektive Eindruck täuscht nicht: Sie sind gefragt wie nie zuvor, ein Kabriolett ist schon fast kein Nischenprodukt mehr. Das war nicht immer so. Lange Jahre dümpelte dieser Markt vor sich hin, nach dem Produktionsende des MG B und des Triumph Spitfire war im Prinzip Ruhe unter den Stoffdächern, bis Mazda sich vorwagte und 1989 den MX-5 vorstellte.

          Bei der Entscheidung, ein Auto ohne festes Dach zu kaufen, geht es immer darum, sich von der automobilen Masse abzusetzen. Die Freiheit der nicht tempolimitierten Autobahn, auf der der nächste Stau nicht lange auf sich warten läßt, gegen die Freiheit des Offenfahrens auf einsamen Landstraßen einzutauschen - Gründe, die für das Kabrio sprechen, gibt es genügend. Wer noch nie ein Kabrio gefahren ist, sollte es sich unbedingt einmal gönnen. Nur wer den Duft der Wiesen gerochen hat, den Wind im Haar fühlen konnte und abends spüren durfte, wie es langsam kälter wird, kann mitreden. Offen fahren ist eine Philosophie für sich. Nicht nur, daß das Autofahren unmittelbarer wird, man gibt auch viel mehr von sich preis, einfach weil man besser zu sehen ist als im geschlossenen Blechkasten.

          Das Kabrio vom 3er-BMW kam 2003 auf geringfügig höhere Zulassungszahlen als...

          Heute rollen fast 1,2 Millionen offene Autos auf deutschen Straßen. Schaut man auf den Gesamtbestand, sind die weitverbreitetsten Vertreter dieser Spezies mit einem Anteil von rund zwölf Prozent das gute alte VW Golf Cabriolet, das lange Jahre Deutschlands meistverkauftes Kabrio war, das 3er-Cabriolet von BMW (10,8) und der Mercedes-Benz SLK (9,2 Prozent) mit seinem festen Dach.

          Obwohl die Auto-Neuzulassungen seit 1999 rückläufig sind, schlägt sich das Kabrio-Segment mehr als tapfer. Es legt ständig zu. Gegen Ende der achtziger Jahre waren es jährlich rund 60000 Neuzulassungen, 1995 waren es dann schon 95000, vier Jahre später waren es gut 104000, und im vergangenen Jahr kamen gar 144000 offene Autos erstmals auf unsere Straßen (nach 120000 im Jahr 2002). Trotz dieser beeindruckenden Steigerung: Nur 4,4 Prozent aller neuen Autos sind Kabrios. Unangefochten an erster Stelle der Neuzulassungshitliste ist zur Zeit der kleine 206 CC von Peugeot mit mehr als 21400 Verkäufen. BMW steht gleich zweimal auf dem Podest: Platz zwei geht an das 3er-Kabrio (11734) vor dem Z4-Roadster (11617), der erst im März 2003 auf den Markt gekommen war.

          Und noch nie wurden auf dem deutschen Markt so viele Varianten zum Offensein angeboten. Auch in diesem Jahr kommt wieder eine Vielfalt an neuen Open-air-Mobilen in Gestalt der Kabrio-Adaptionen vom 6er-BMW, vom PT Cruiser und vom Nissan 350Z. Außerdem wird von Cadillac der offene XLR in diesem Jahr vorgestellt. Heute bietet fast jeder Hersteller ein Kabrio an. Der Mercedes-Benz SLK, dessen zweite Generation bereits in den Startlöchern steht, fungierte vor acht Jahren als Entwicklungshelfer in Sachen "festes Klappdach", das mittlerweile immer mehr Nachahmer gefunden hat: vom Peugeot 307 CC, der im Oktober eingeführt wurde, über das Renault-Megane-Cabrio bis hin zum aktuellen Mercedes-Benz SL.

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