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Opels Adel : In diplomatischen Kreisen

Die siebziger Jahre, die für Opel an sich so gut laufen, werden für die großen Opel dann zu einer herben Enttäuschung. Die Produktionszahlen fallen schon 1970 auf 11.690, dann geht es eine Weile hinunter bis auf 6290, bis die Ölkrise den Verkauf im Jahr 1974 auf 1754 Einheiten pulverisiert. Drei Jahre später wird die Baureihe eingestellt, nach einer Gesamtproduktion von gut 61.500 Exemplaren von 1969 bis 1977. Der gute alte Kapitän brachte es von 1958 bis 1963 allein schon auf das Dreifache. Bis heute hat sich Opel nicht mehr in die Oberklasse getraut. Der Senator, der die KAD-Baureihe 1978 beerbte, war kein eigenständiges Modell mehr, er basierte auf dem Rekord und wurde seinerseits 1993 ohne Nachfolger eingestellt.

Heute hat ein großer Opel kein Image-Problem mehr. Im Gegenteil. Die Kapitäne, Admirale und Diplomaten sind gern gesehene Gäste auf den zahlreichen Oldtimer-Veranstaltungen in Europa. Mit besonderer Hingabe kümmert sich die Alt-Opel-Interessengemeinschaft um ihre Schätzchen. Sie ließen es sich auch nicht nehmen, Mitte Juli anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums der KAD-B-Baureihe eine Sternfahrt ins tschechische Karlsbad zu unternehmen. Mehr als 40 Fahrzeuge waren dabei, keines hat unterwegs schlappgemacht. „Opel, der Zuverlässige“, der alte Werbespruch hat also seine Richtigkeit. Mit dem Slogan „Anspruch ohne Übertreibung“ wurde damals für die großen Opel geworben, ohne dass es nachhaltigen Erfolg hatte. Ein Diplomat/Admiral/Kapitän von damals erfüllte sehr wohl einen gewissen Anspruch und war auch einige Tausender billiger als ein Mercedes, nur empfanden wohl die meisten die Formen doch als Übertreibung. Heute gilt das freilich nicht mehr, die Baureihe ist ein Meilenstein in der Opel-Geschichte, auch weil der Diplomat von Erich Bitter zu einem wunderschönen Coupé veredelt wurde, das knapp 400 Mal gebaut wurde.

Crashversuche waren damals schon üblich

Bei der Fahrt der Alt-Opler waren auch zwei Bitter dabei und drei von vier gebauten Cabrios. Opel hatte ernsthaft erwogen, bei Karmann offene Autos produzieren zu lassen, vier Prototypen wurden schließlich im Auftrag gebaut, die 1972 bei den Olympischen Spielen als Repräsentationsfahrzeuge genutzt werden sollten. Dazu kam es nicht, die Cabrios blieben aber bis 1977 in Rüsselsheim als Dienstwagen und konnten knapp vor der Schrottpresse gerettet werden. Auch Kombis und verlängerte Versionen der KAD-Baureihe gab es, meist umgebaut von Vogt oder Miesen. Sogar Opel selbst verlängerte einen Diplomat 1976 auf 5,07 Meter, um für einen Staatsbesuch des damaligen amerikanischen Präsidenten Gerald Ford ein adäquates Fahrzeug zu haben.

Der Autor hatte das Vergnügen, im üppigen Fond und am Lenkrad die Fahrt nach Karlsbad mitzumachen. Auch heute noch ist der Diplomat mit seinem 5,4-Liter-Motor und den 230 PS ein Souverän auf der Straße. Ruhig gleitet er dahin, und eine Klimaanlage war damals auch schon verbaut worden. Das Armaturenbrett ist nach heutigen Maßstäben reichlich verworren gestaltet, aber liebenswert. Die Zeituhr ist so groß wie der Tacho, einen Drehzahlmesser gibt es nicht. Dreipunkt-Gurte vorn sind seit 1.Januar 1974 Pflicht, vier innenbelüftete Scheibenbremsen sind für den Diplomat Grundausstattung, die Ganzstahlkarosserie hat eine doppelwandige Schutzzone um den Fahrgastraum. Und die Lenksäule hat eine Sollbruchstelle, Crashversuche waren damals schon üblich.

Einige Details überraschen heute noch; so hat der Diplomat schon Wischer für die Scheinwerfer, die großen Scheibenwischer versenken sich komplett, wenn sie nicht im Dienst sind. Das war damals ein Novum. Es hatte freilich den Nachteil, dass die Wischer im Winter gern an der Karosserie festfroren.

Heute sind Diplomaten rar geworden. 18.725 von den gut 61.000 Einheiten entfielen auf das Spitzenmodell, das zuletzt mit dem V8-Motor im April 1977 knapp 35.000 Mark kostete. Mindestens 20.000 Euro sollte man heute für ein gutes Modell parat haben. Wer einen besitzt, darf sich als Kapitän der Straßen fühlen, rund 15 Liter Benzin auf 100 Kilometer sind bei Fernfahrten einzuplanen. Dann durfte der V8 aber schon hin und wieder zeigen, was er kann. Anspruch ohne Übertreibung eben.

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