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Deutscher Mobilitätspreis 2021 : Mit Daten zu Ideen. Oder mit Ideen zu Daten?

Während der Corona-Pandemie sollen Patienten so wenig Kontakt wie möglich zu anderen Patienten, Mitarbeitern oder Objekten wie Türgriffen haben. Die Entwicklung einer digitalen Patientenorientierung mit Live-Indoor-Navigation macht dies möglich. Sagt die Universitätsmedizin Greifswald. Und wird dafür ausgezeichnet. Bild: dpa

Die Initiative „Land der Ideen“ zeichnet zehn diskussionswürdige Vorschläge mit dem Deutschen Mobilitätspreis 2021 aus. Diese reichen von digitaler Indoor-Navigation im Krankenhaus bis zu Aufgaben eines Drohnen- oder Lufttaxipiloten.

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          Wer arm an Rohstoffen ist, ist besser reich an Ideen. Dass es daran in Deutschland nicht mangelt, weiß eigentlich jeder, doch daran ab und an zu erinnern, kann nicht schaden. Zumal in dem für Freiheit und Wohlstand so bedeutenden Bereich der Mobilität. Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ tut das regelmäßig und verleiht auch in diesem Jahr wieder gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur den Deutschen Mobilitätspreis. Deutsche Bahn, der VDV und Siemens Mobility sind Partner des Wettbewerbs.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Unter dem Motto „Intelligent unterwegs: Daten machen mobil“ sind 263 Bewerbungen von etablierten Unternehmen, Startups, Forschungseinrichtungen und Vereinen eingegangen, von denen zehn an diesem Mittwoch ausgezeichnet worden sind. Die Siegerprojekte drehen sich um naturgetreue Simulationen des Verkehrsgeschehens mit Fußgängern und Radfahrern, digitale Indoor-Navigation im Krankenhaus oder digitale Marktplätze für Automobildaten.

          Zu den ausgezeichneten gehören die Berliner Automotive Artificial Intelligence GmbH, die mit ihrer Software Systeme zum automatisierten Fahren unter Realbedingungen am Rechner testet. CABDO aus Dortmund macht On-Demand-Services über App-Lösungen zugänglich. CARUSO aus Ismaning baut einen offenen Marktplatz für Automobildaten über diverse Fahrzeughersteller hinweg. Um den Informationsfluss rund um Güterzüge kümmert sich Protostellar aus dem hessischen Brechen. Und wann so ein Güterwaggon wo am besten eingesetzt wird, das will VTG Rail aus Hamburg mit ihrem System Traigo besonders gut wissen.

          Um Logistik anderer Art geht es der Universitätsmedizin Greifswald, die mithilfe digitaler Patientennavigation die Organisation im Krankenhaus verbessern möchte. Siemens Mobility und Deutsche Bahn bereiten eine Linie der Hamburger S-Bahn auf automatisierten Betrieb vor, was die Jury als preiswürdig erachtet, obgleich es natürlich schon andernorts fahrerlose Bahnen gibt. So weit ist der Verkehrsverbund Rhein-Sieg noch nicht, aber auch mit Fahrer gesteuerte Lastwagen lassen sich womöglich besser lenken, wenn die Routenwahl optimiert wird, wozu eine Software namens SEVAS beitragen soll.

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          Um Nachhaltigkeit geht es allen, so auch der MIA map intelligence agency UG aus Aachen, die mit ihrer Analyseplattform Mobilität ganz allgemein und Stadtverwaltungen im Besonderen auf Trab bringen möchte. Schließlich hebt der Preis auch noch ab. Unisphere aus Konstanz möchte mit einer Softwareplattform alle sicherheitsrelevanten Aufgaben eines Drohnen- oder Lufttaxipiloten durch Technologie ersetzen. Wer das für eine Luftnummer hält, wendet sein Augenmerk auf die drei Gewinner des zusätzlich vergebenen Ideenwettbewerbs, der sich an alle Bürger richtet. Hier fahren die Sieger Bus, sind im Güterverkehr unterwegs oder organisieren die Mobilität mit einem digitalen Kalender.

          Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagte zur Preisverleihung: „Daten sind der Schlüssel für eine moderne Mobilität. Intelligent genutzt und verknüpft sorgen sie dafür, dass wir künftig noch effizienter, klimafreundlicher und zugleich komfortabler unterwegs sind“. Wer wollte das nicht?

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