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Daimlers Elektro-Stadtwagen : Smart City

Bild: Smart

Der Smart Electric Drive Jahrgang 2017 ist voll alltagstauglich, relativ günstig und passt bestens in die Zeit. Sagt Smart. Stimmt das?

          2 Min.

          Was lange währt, wird endlich Smart. Der Kleinwagenhersteller aus dem Hause Daimler probt schon seit 2007 den Aufstand gegen das Establishment, doch der Abkehr von der Verfeuerung fossiler Brennstoffe wollte der Durchbruch nie richtig gelingen. Bescheidene 16.500 Autos mit Elektroantrieb hat Smart in den zehn Jahren auf die Straße gebracht, nicht gerade wenige davon in der hauseigenen Carsharing-Flotte. Jetzt aber! Der Smart Electric Drive Jahrgang 2017 ist voll alltagstauglich, relativ günstig und passt bestens in die Zeit. Sagt Smart. Er ist halbwegs alltagstauglich, noch immer recht teuer und passt gut in die Zeit, sagen wir nach einer ersten Probefahrt.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Keine zwei Meinungen gibt es zum Benehmen. Die vom französischen Entwicklungspartner Renault zugelieferte Elektromaschine mit ihren 81 PS (60 kW) und 160 Nm Drehmoment aus dem Stand ist ein munterer Geselle ohne Zicken, sie surrt kaum hörbar und verzögert beim Energie aus der bremsenden Bewegung zurückgewinnenden Rekuperieren wohldosiert. Der Vorgang wird per Radar unterstützt und nimmt somit Rücksicht auf vorausfahrende Fahrzeuge, was gut funktioniert. Auch das Fahrwerk hat bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Der neue Smart, dessen Grundkonzept bei Renault als benzingetriebener Twingo lebt, bewegt sich erwachsener als die Vorgängergeneration. Seine fröhliche Farb- und Formgebung versucht über manch tristes Plastikhebelchen hinwegzutäuschen.

          Für mehr Reichweite müssten größere Batterien an Bord

          Wer elektrisch fährt, möchte neben der Befriedigung des Ökogedankens vor allem eins: sorgenfrei ankommen. Das dürfte gelingen, nie war eine Reichweitenanzeige genauer. Nach Norm soll der Wagen 160 Kilometer zurücklegen können, im Alltag sind 120, ohne den Einsatz der Klimaanlage vielleicht 130 Kilometer realistisch. Für mehr Reichweite müssten größere Batterien an Bord, doch im Fahrzeugboden ist nur Platz für einen Lithium-Ionen-Akku mit 17,6 kWh Kapazität. Dann muss der Smart an die Steckdose, deren Aufsuchen erst mit Schnelllademöglichkeit Freude bereitet. Deshalb und aus Gründen des Wiederverkaufswerts sollte die entsprechende technische Einrichtung im Auto mitbestellt werden, nachrüsten ist unmöglich.

          Sie hat bislang rund 3000 Euro Aufpreis gekostet. Künftig soll sie für knapp 1000 Euro zu haben sein, ist aber erst mit Verzögerung zur Markteinführung des Autos vom nächsten Herbst an erhältlich. Steht Drei-Phasen-Power zur Verfügung, soll der Akku innerhalb von 45 Minuten zu 80 Prozent geladen sein. Für daheim bietet sich indes die Wallbox genannte Elektrotankstelle an der Garagenwand (Voraussetzung sind 32 Ampere Absicherung) an, sie erfordert weitere rund 900 Euro zuzüglich der Kosten des sie installierenden Elektrikers und lädt die Batterie in weniger als sechs Stunden. Die Nutzung der gewöhnlichen 230-Volt-Haushaltssteckdose ist natürlich am simpelsten und günstigsten, den komplett entleerten Akku zu befüllen, dauert damit aber bis zu neun Stunden.

          Position am Steuer ist nie optimal

          Wer maximalen (Lade-)Komfort möchte, muss mithin einiges addieren zum Grundpreis von 21 940 Euro für den geschlossenen Zweisitzer. Das Halbcabriolet und der Viersitzer werden ebenfalls unter Spannung gesetzt und sind noch etwas teurer. Serienmäßig dabei sind im Gegensatz zu den benzingetriebenen Geschwistern Klimaanlage und Radio. Außerdem lassen sich Ladevorgänge per App auf dem Smartphone ebenso steuern wie Vorheizen oder Vorkühlen des Innenraums, sofern der Stecker steckt.

          Zu einem verstellbaren Lenkrad hat sich Smart leider wieder nicht durchringen können. Die Position am Steuer ist deshalb trotz der recht ordentlichen Sitze nie optimal. Klasse ist der winzige Wendekreis, der Smart dreht fast auf der Stelle. In den Kofferraum passt das Nötigste. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 130 km/h. Auf die von der Deutschen Accumotive in Kamenz zugelieferte Batterie gewährt der Hersteller acht Jahre Garantie.

          Dieser elektrische Smart ist attraktiver als alle zuvor, doch auch er rechnet sich vermutlich nie. Selbst unter Abzug der staatlichen Förderung und Einbeziehung monetärer Vorteile wie kostenlosen Anwohnerparkausweisen bleibt er ein teures Vergnügen für avantgardistische Enthusiasten und metropole Carsharer. Die können sich von April an auf einen Weg machen, der immer mehr als der in eine bessere Zukunft gilt.

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