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Probefahrt Ferrari Portofino M : Sieben Jahre Service versüßen den Kauf

Bild: Boris Schmidt

Coupés, die auch ein Cabrio sein können, sind selten geworden. Ferrari hält an dem Konzept aber fest und hat den 2+2-Sitzer Portofino jetzt technisch überarbeitet.

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          Der Ferrari Portofino ist erst seit drei Jahren auf dem Markt, und dennoch lässt ihm Ferrari jetzt eine relativ umfangreiche Überarbeitung zukommen. Der Portofino 2021 trägt fortan die Bezeichnung M für „Modificata“, und das Wichtigste ist das neue Doppelkupplungsgetriebe, das die Kraft über acht statt sieben Gänge verteilt. Dazu ist der Ferrari sauberer und sparsamer geworden, dafür sorgen ein neuer Katalysator und ein Benzin-Partikelfilter.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Offizielle Verbrauchszahlen nennt Maranello noch nicht, aber sechs Prozent weniger seien es nun, trotz einer um 20 auf 620 PS gestiegenen Leistung. Das Drehmoment des 3,85-Liter-V8-Motors beläuft sich nun auf 760 Newtonmeter. Kaum verändert hat sich die Karosserie, nur an der Front gab es Retuschen, das Retractable Hardtop, das den Charme dieses Modells ausmacht, ist noch das gleiche.

          Der Portofino ist also ein 4,59 Meter langes Coupé und Cabriolet in einem, eine heute selten gewordene Gattung. Die Verwandlung gelingt auf Knopfdruck in 14 Sekunden, erst hebt sich die Heckscheibe samt Rahmen auf das kurze Dach, dann klappt das Heck nach hinten auf, Dach und Scheibe verschwinden im Heck, das sich wieder schließt. Der 292-Liter-Kofferraum schrumpft natürlich gehörig.

          BMW kann keinen Einspruch erheben

          Doch Gepäck kann auch auf die hinteren Sitze, deren Lehnen zudem noch umgelegt werden können. Als Heimstatt würden wir die beiden Plätze jedoch niemandem zumuten. Es ist viel zu eng. Viel getan hat sich zudem bei der Software und den Assistenzsystemen. Der M – BMW kann übrigens keinen Einspruch erheben, Ferrari benutzt das Kürzel schon seit 1971 mit dem F 12 M – hat jetzt einen adaptiven Tempomaten, er warnt vor Autos im toten Winkel, vor Frontkollisionen (mit Bremseingriff) und beim unbeabsichtigten Spurwechsel. Außerdem gibt es fortan eine Rückfahrkamera mit Rundumsicht, Verkehrszeichenerkennung und automatisches Fernlicht. Verzichten müssen Ferraristi auf ein Head-up-Display. Dies zu integrieren, wäre für ein Facelift ein zu großer Aufwand gewesen. Aber der Portofino M kann Apple Car Play und Android Auto, gleichwohl ist die Darstellung der Karten auf dem Sieben-Zoll-Monitor sehr altbacken.

          Zu den Ferrari-Besonderheiten gehört der Mannetino, jener kleine Hebel am Lenkrad, mit dem sich das Auto auf die jeweilige Situation einstellen lässt. Er hat nun fünf und nicht mehr nur vier Positionen. Zu Nass, Komfort, Sport und Rennen kommt „ESC aus“ dazu. Dann haben alle elektronischen Helfer Pause, nur das ABS behält seine Funktion.

          Diese Position ist gewiss nur etwas für den wahren Könner, der den hinterradgetriebenen Portofino nicht gleich von der Strecke wirft, wenn es brenzlig wird. Erste Probefahrten kündeten von famosen Fahrleistungen, in weniger als vier Sekunden können aus dem Stand die 100 erreicht werden, in weniger als zehn die 200. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei gut 320 km/h, wir warnen aber vor den starken Windgeräuschen, die geschlossen von 280 km/h an auftreten.

          Wer so fährt, hat den 80-Liter-Tank schnell leer. Doch der Portofino reizt nicht per se zu solchen Parforce-Ritten, obwohl er sie beherrscht. Er lässt sich in guter alter GT-Manier sehr lässig, kommod und völlig unaufgeregt fahren, auch ein Ferrari ist immer nur ein Auto.

          Das sehen die Fans der Marke natürlich anders. Der Preis ist um rund zehn Prozent erhöht worden, er liegt jetzt bei knapp 200.000 Euro. Wer heute bestellt, muss mindestens ein Jahr warten, obwohl die Produktion in diesen Tagen schon begonnen hat. Die Einstandskosten werden dadurch relativiert, dass der jährliche Service in den ersten sieben Jahren kostenlos ist. Wenn das kein guter Zug ist.

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