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Fahrbericht Mitsubishi L200 : Der Komfortesel

Fürs Gehöft: Der Mitsubishi L200 bietet und braucht viel Platz. Bild: Lukas Weber

Vollständig ausgestattet und angenehm gefedert – der L200 von Mitsubishi macht lange Reisen zum Vergnügen. Der Autohersteller hat seinen Pick-up L200 runderneuert. Ganz günstig ist er aber nicht.

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          Platz kann man nie genug haben. Das gilt, solange etwas zu transportieren ist, und erklärt die Freude am Kleintransporter, der heute Pick-up heißt. Der Spaß endet hinter der Ladefläche irgendwo zwischen fünf und fünfeinhalb Metern, wenn ein Parkplatz gefunden werden muss. Da sind sie alle gleich.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Gottlob hat der neue L200 eine brauchbare Rückfahrkamera, nicht alle Konkurrenten bieten so etwas. Der Wettbewerb in diesem Segment ist hart, Mitsubishi hat deshalb seinen Lastesel runderneuert und ihm in der inzwischen fünften Generation eine ordentliche Portion Komfort mitgegeben. Am Lenkrad und auf der hinteren Bank der Doppelkabine erinnert nichts mehr an das Arbeitstier früherer Jahre. Das können andere zwar auch, Alleinstellungsmerkmal des L200 ist aber der famose Allradantrieb. Der ist permanent, also auch auf trockener Straße zu gebrauchen, und verteilt seine Kraft zu 60 Prozent auf die Hinterräder.

          Das Mitteldifferential lässt sich am großen Drehschalter in der Mittelkonsole sperren. Ein weiterer Dreh nach rechts schaltet die Untersetzung fürs Gelände ein. Wofür die Drehrichtung links gut ist – der L200 fährt dann nur mit Hinterradantrieb – wissen wir nicht. Es sei denn, um zu demonstrieren, dass dann in just derselben feuchten Kurve das ESP viel früher eingreift.

          Der Wettbewerb in diesem Segment ist hart, Mitsubishi hat deshalb seinen Lastesel runderneuert und ihm in der inzwischen fünften Generation eine ordentliche Portion Komfort mitgegeben. Bilderstrecke

          Auf den neuen Diesel mit 2,4 Liter Hubraum ist Mitsubishi stolz, er ist genügsamer als sein Vorgänger. In der empfehlenswerten stärkeren Ausführung mit 181 PS (133 kW) und mit 430 Newtonmeter maximalem Drehmoment verrichtet er unangestrengt und etwas brummig seine Arbeit. Wir verbrauchten rund 10 Liter auf 100 Kilometer im gemischten Verkehr. Das ist weit weg von der Norm, doch im Vergleich mit der Konkurrenz trotzdem nicht viel. Eilig auf der Autobahn - mit etwas Anlauf erreicht er 180 km/h - waren es auch nicht mehr als 11,3 Liter, hier zeigt sich die deutlich verbesserte Aerodynamik (Cw-Wert jetzt 0,4 statt 0,46). Wir fuhren den Handschalter mit sechs Gängen. Das muss ein Marketing-Trick sein, um die gegen rund 1500 Euro Aufpreis angebotene Fünf-Stufen-Automatik zu verkaufen. Das Gefühl ist knorpelig, aber vor allem sabotiert die Box gern Versuche, flott von der Kreuzung wegzukommen – die Ebenen liegen mit hauchdünnem Abstand beieinander, und im Dritten zieht er nicht mehr ordentlich von dannen.

          Preise beginnen ab 26.000 Euro

          Was sonst noch nervt, sind Kleinigkeiten: Der Leerlauf wechselt mehrmals in der Minute für einige Sekunden von 650 auf 900/min, ohne den Grund zu nennen. Der Spurhalteassistent meckert beständig ohne Anlass, leider schaltet er sich beim Neustart immer wieder an. Die Start-Stopp-Automatik knipst man am besten gleich mit aus, weil der Motor beim Anspringen rumpelt. Aus der dusteren Instrumententafel blendet den Fahrer die grüne Anzeige des Allradantriebs. Und die acht Würfel der groben Tankanzeige sind Schnickschnack, ein Analoginstrument wäre uns lieber.

          Der L200 ist vollständig ausgestattet und angenehm gefedert, lange Reisen sind ein Vergnügen. Vorne sieht er schick aus, hinten verhunzte am Testwagen eine futuristische Laderaumabdeckung die Optik. Der Kollege fand sie attraktiv, jedenfalls ist sie unpraktisch, weil sie unnötig die Höhe beschneidet - auf solch ein Auto gehört ein Hardtop, damit sperrige Sachen auf die Ladefläche passen.

          Den L200 gibt es auch in einer Ausführung mit hinteren Notsitzen und dafür längerer Ladefläche, die sich Club Cab nennt. Die hinteren Türen öffnen dann gegenläufig, das erleichtert das Einsteigen beträchtlich. Die Preise beginnen bei rund 26.000 Euro, dafür gibt es einen einfachen Zuschaltallrad und 154 PS. Der von uns gefahrene Doppelkabiner in der Komfortausführung L200 Top mit dem stärkeren Motor kostet rund 40.000 Euro. Das ist kein Sonderangebot mehr. Aber wo gibt es in einem Pick-up sonst noch einen modernen Allradantrieb mit Untersetzung?

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