https://www.faz.net/-gy9-z1wt

Der Jeep : Vom Schlachtfeld ins Eiscafé

  • -Aktualisiert am

Familienbande: Links der Willys MB aus den vierziger Jahren, rechts ein Jeep Wrangler aus dem Jahr 1996 Bild: Archiv Günther

Vor 70 Jahren als Kriegsgerät für die amerikanische Armee entwickelt und gebaut, machte der Jeep auch in Friedenszeiten Karriere. Er kann als Urahn aller heutigen SUV gelten.

          4 Min.

          Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oder auch nicht. Jener legendäre Jeep von Willys-Overland aus Toledo, Ohio, kam zu spät - und darf heute auf eine einmalige, seit 1941 andauernde Erfolgsgeschichte blicken, deren Ende selbst im Zeitalter strenger Sicherheits-, Verbrauchs- und Abgasbestimmungen kaum absehbar ist. So bietet der aktuelle Jeep Wrangler neben modernen 3,8-Liter-Benzin- und 2,8-Liter-Turbodieselmotoren (146 kW/199 PS oder 130 kW/177 PS) Errungenschaften wie ABS und Airbags, ESP, Bremsassistent und 3-Wege-Katalysator - um mit seiner typischen Karosserie, dem derben Kastenrahmen und den beiden angetriebenen Starrachsen unverdrossen jenes Urmodell zu feiern, das die Armee der Vereinigten Staaten von Amerika vor 70 Jahren in Dienst stellte. Mehr noch. Der längst weltberühmte Begriff Jeep bezeichnet nicht nur das Produkt einer bestimmten Marke, sondern eine Gattung: Für viele von uns ist ein Geländewagen ein Jeep, unabhängig von seinem Hersteller. Aber woher kommt der Begriff? Ist er die lautmalerische Ableitung von G. P. (für General Purpose) - oder geht er doch auf ein Popeye-Comic aus dem Jahr 1936 zurück?

          Der offizielle Startschuss zu dieser Erfolgsgeschichte fiel am 27. Mai 1940. An diesem Tag begann das Holabird Quartermaster Depot in Baltimore, Maryland, die Wünsche der Armee nach einem kompakten, geländegängigen Vierteltonner („Quarter-Ton“) mit einem Gewicht von maximal 590 Kilogramm, hoher Zuladung (drei Mann samt Maschinengewehr und Halterung mussten transportiert werden können) sowie Vierradantrieb in einer Ausschreibung zu fixieren.

          Dieses Papier wurde schließlich an 135 Hersteller verschickt - mit der Bitte, je 70 Prototypen am 21. September 1940, 17 Uhr, in Baltimore zu übergeben. Eile war geboten, in Europa tobte ein Krieg, in dem sich Amerika neutral verhielt - noch. Aber die militärischen Erfolge Nazideutschlands ließen die Stimmung kippen, in Washington und im Land. Für die 135 angeschriebenen Hersteller war dies kaum von Bedeutung, angesichts des engen Zeitrahmens reagierten ohnehin nur drei: Ford und Willys baten um Fristverlängerung, einzig American Bantam - klein, unbedeutend und am Rande des Ruins - schickte pünktlich einen handgefertigten Prototyp, den BRC. Der kam dem späteren Jeep nicht nur sehr nahe, er absolvierte zudem alle Testprogramme mit Bravour.

          Zivile Zukunft: Der Jeepster von 1948, der 1967 ein Comeback hatte
          Zivile Zukunft: Der Jeepster von 1948, der 1967 ein Comeback hatte : Bild: Archiv Günther

          „Amerikas größter Beitrag zur modernen Kriegsführung“

          Was die Armee nicht daran hinderte, Konstruktionspläne des BRC der Konkurrenz zu überlassen. Die griff erfreut zu und holte auf: Willys übergab am 13. November 1940 den Quad, Ford zehn Tage später den Pigmy. Nach deren Erprobung orderte Holabird bei jedem der drei Hersteller je 1500 verbesserte Vorserienmodelle, die im Frühjahr 1941 als American Bantam BRC-40, Willys MA (das M stand für „Military“, das A für die Ausbaustufe) und Ford GP eintrafen. Weitere Prüfungen folgten, bei denen der GP am schlechtesten und der (preiswertere) MA am besten abschnitten. Trotzdem fiel die Wahl auf Ford - als dem angeblich zuverlässigsten Vertragspartner. Was prompt Lieutenant General William S. Knudsen auf den Plan rief. Der hatte bei Ford gearbeitet und war nach einem Zerwürfnis mit dem alten Henry Ford zu General Motors gewechselt, wo er eine steile Karriere bis an die Spitze des Konzerns machte - ehe ihn Präsident Roosevelt als Berater ins War Departement (Rüstungsamt) berief. Knudsen warf nun seinen ganzen Einfluss in die Waagschale und wendete das Blatt: Statt Ford erhielt Willys-Overland den Zuschlag, das von der Armee geforderte Fahrzeug zu fertigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Lars Klingbeil (links), Vorsitzender der SPD, und Saskia Esken, Vorsitzende der SPD, äußern sich am 20. Dezember 2021 bei einer Pressekonferenz nach der konstituierenden Sitzung des Parteivorstandes im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

          Trotz Wahlerfolgs : Die SPD verliert weiter rasant Mitglieder

          Nach dem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl traten der Partei im September zwar mehr Neumitglieder bei als in allen anderen Monaten des Jahres. Aber sie konnten den abermaligen Verlust von etwa fünf Prozent der Mitgliedschaft nicht ausgleichen.

          Novak Djokovics Ausweisung : Schluss mit dem Ego

          Nach dem Entzug des australischen Visums für den serbischen Tennis-Star bleibt zwar ein schaler Nachgeschmack, aber für den eigenen Schaden ist er, wohl auch entsetzlich schlecht beraten, selbst verantwortlich.
          Ein Militärangehöriger am 9. Dezember 2021 bei Sentianivka in der Ostukraine

          Ukraine-Krise : Plant Russland eine False-Flag-Operation?

          Washington erhebt detaillierte Vorwürfe gegen Moskau. Und der Kreml gibt erstmals offen zu, dass der jüngste Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine dazu dient, Putins Forderungen nach „Sicherheitsgarantien“ durchzusetzen.