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Jaguar Lightweight E-Type : Nagelneu und doch von gestern

  • -Aktualisiert am

So gerade war er nie: Jaguar Lightweight, heute liebevoll nach altem Rezept zusammengesetzt Bild: Hersteller

Ein Oldtimer für zwei Millionen – in Pebble Beach ist das ein Schnäppchen. Aber dass der Klassiker null Kilometer gelaufen ist und als Baujahr 2014 im Brief steht, ist außergewöhnlich.

          Eine rauschende Party hat sich John Edwards irgendwie anders vorgestellt: Während seine Gäste an diesem Abend im vornehmen Golfclub von Pebble Beach lässig feiern, muss er Verkaufsverhandlungen führen. Und statt möglichst viele Kunden zu gewinnen, muss der Chef der neu gegründeten Abteilung Special Vehicle Operations von Jaguar und Land Rover die Interessenten abwimmeln.

          Denn der silberfarbene Sportwagen, der hier und heute im Rampenlicht steht, wird nur sechs Mal gebaut. Und obwohl der Preis bei rund zwei Millionen Euro beginnt, waren die ersten fünf Exemplare schon lange vor der Enthüllung quasi über Nacht verkauft. Kein Wunder, dass die im kalifornischen Pebble Beach allgegenwärtigen Auto-Afficionados jetzt ganz nervös mit ihren Scheckbüchern winken und bei der Weltpremiere so auf Edwards einstürmen, dass er kaum zum Luftholen kommt. Und kein Wunder, dass das „No“ des Briten im Lauf des Abends immer bestimmter wird. „Aber es gibt für einen Autoverkäufer schlimmere Probleme als eine überbordende Nachfrage“, sagt Edwards mit einem Lächeln und muss wieder einen Interessenten abwimmeln.

          Dass die PS-Fans in Pebble Beach und überall sonst auf der Welt so scharf sind auf den Wagen, hat einen einfachen Grund: Eigentlich dürfte es ihn gar nicht geben. Denn was sich da an diesem Abend im Scheinwerferlicht sonnt, ist ein Jaguar E-Type, der aussieht, als wäre er von 1963. Doch der Kilometerzähler steht noch bei null, und im Fahrzeugbrief steht das Baujahr 2014. Und als wäre das nicht schon außergewöhnlich genug, handelt es sich dabei nicht um einen gewöhnlichen E-Type. Der nagelneue Klassiker ist ein Klon der Rennversion Lightweight, die Jaguar 1963/64 für den Kundensport auf die Räder gestellt hat.

          Von Fans verehrt, von Sammlern geschätzt

          „Geplant war damals eine Produktion von 18 Autos, für die schon die entsprechenden Fahrgestellnummern reserviert wurden“, erzählt Edwards. Doch gebaut wurden nur zwölf Exemplare, von denen noch elf existieren. Von Fans verehrt und von Sammlern geschätzt, gehört der Lightweight zu den berühmtesten Jaguar-Modellen und ist mittlerweile Millionen wert.

          Ohne Worte: Was für ein Anblick, dieser Motor

          Kein Wunder, dass Edwards gefallen an der Idee fand, die sechs überschüssigen Fahrgestellnummern endlich zu verwenden und so nach 50 Jahren doch noch die Lücke in der Produktionsstatistik zu schließen. „Was hätte es für einen besseren Einstand geben können für unsere neue Special Vehicle Operations“, sagt der Manager und schwärmt über eine Truppe von 750 Mitarbeitern, die als Experten für Extrawürste künftig immer wieder solche Projekte anschieben sollen, Kleinserien wie den Roadster Project 7 auf Basis des aktuellen F-Type entwickelt haben oder mit dem neuen Range Rover Sport SVR dem Mercedes ML 63 AMG oder dem BMW X6M Konkurrenz machen wollen.

          Dass Edwards den Lightweight und mit ihm gleich noch den Range Rover SVR und den Project 7 ausgerechnet in Pebble Beach enthüllt, hat einen guten Grund: Nirgendwo auf der Welt kommen so viele Autoliebhaber zusammen wie in der Woche rund um den Concours d’Elegance. Und nirgendwo sitzt das Geld so locker. Nicht umsonst zeigt Bugatti hier seinen – übrigens kaum teureren – Veyron Ettore Bugatti, der als letztes Auto der Legends-Serie so ganz langsam das Ende des Veyron einläutet. Nicht ohne Grund erzielt hier ein Ferrari 250 GTO mit 38 Millionen Dollar den höchsten Auktionspreis aller Zeiten. Und auch die vielen Lamborghini, Bentley, Rolls-Royce oder Porsche in den Straßen von Monterey und Carmel sind kein Zufall.

          Wo man sich schon in einer Mercedes S-Klasse oder einem Range Rover wie ein Sozialhilfeempfänger fühlt und sich mit acht Zylindern hoffnungslos untermotorisiert vorkommt und wo auf jedem Supermarktparkplatz mehr Klassiker zu sehen sind als in einem Automuseum, wird eine rauschende PS-Partie gefeiert.

          Zulassungsfähig ist der Lightweight nicht

          Natürlich spielen hier eigentlich andere Autos die Hauptrolle. Aber im Grunde passt kein anderes Modell so gut nach Pebble Beach wie dieser fabrikneue Oldtimer aus dem ursprünglichen Jaguar-Werk in Browns Lane. Schließlich schlägt er die Brücke zwischen den millionenschweren Klassikern, den faszinierenden Sportwagen und den vielen hundert modernen Luxuslinern, die an diesem Wochenende nicht nur bei dem Concours, sondern tatsächlich auch auf der Straße das Bild bestimmen.

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