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McLaren GT : 570 Liter für 620 Pferde

Parkhausfreundlich: McLaren GT mit nach oben schwingenden Türen. Bild: Hersteller

McLaren preist den neuen GT als Auto für jeden Tag. So ganz stimmt das nicht. Ein Fahrbericht.

          2 Min.

          Neben Tesla gibt es einen zweiten Jungspund im Autobau: McLaren. Erst seit 2010 baut das Unternehmen Straßenautos in Serie, aber schon nach drei Jahren waren die Gewinnzone erreicht, und mehr als 22 000 Exemplare der zugebenen hochpreisigen Renner haben seither Käufer gefunden. Geschickt wird immer wieder das Thema Karbon um einen 4,0-Liter-V8 kombiniert, dazu schaffen kleine Sonderserien Begehrlichkeiten.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit dem GT wird jetzt Neuland betreten. Es bleibt bei zwei Sitzen, dem Mittelmotor-Konzept, dem Karbon-Monocoque und dem 4,0-Liter-V8. Hier in einer Variation mit 620 PS und einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern sowie einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Neu ist aber das Versprechen, der GT sei ein Auto für jeden Tag. Das stimmt sogar zu weiten Teilen. Zunächst muss aber der doch eher beschwerliche Ein- und Ausstieg hingenommen werden – wobei die nach oben öffnenden Scherentüren immer wieder eine Schau sind. Einmal angekommen, sitzt es sich gut und tief, die konfigurierbaren, digitalen Instrumente liegen gut im Blickfeld, den Navi-Schirm in Postkartengröße wünschen wir uns größer. Lange Strecken sind tatsächlich überhaupt kein Problem. Der GT ist weder laut noch unbequem, jeder Stau verliert mit der Automatikfunktion der Doppelkupplung seinen Schrecken, Helfer wie einen adaptiven Tempomaten oder einen Spurhalter gibt es aber nicht. Und für den linken Fahrerfuß ist der Platz etwas eng. Man kann mit dem GT tatsächlich gemütlich dahinschleichen, und er nimmt es nicht übel. Die versprochenen 326 km/h Spitzengeschwindigkeit auch nur annähernd auszufahren, war in der kurzen Zeit, die der McLaren der Redaktion zur Verfügung stand, nicht möglich. Zum Reisewagen qualifiziert sich der GT mit 570 Liter Kofferraumvolumen, davon 150 Liter unter der Fronthaube, 420 unter der ewig langen elektrischen Heckklappe. Es sind aber 420 flache Liter, große Koffer oder gar Wasserkästen passen da hinten nicht rein. Gegen die Abwärme vom Motor unter dem Ladeabteil hat sich McLaren eine relativ aufwendige Klimatisierung ausgedacht.

          Die Feuertaufe in der Disziplin Alltagstauglichkeit bestand der GT mit Bravour auf einem Feldweg zwischen zwei Dörfern, auf den wir uns wegen einer Umleitung, die wir schlau abkürzen wollten, verirrt hatten. Dank des optionalen Bodylifts lässt sich die Bodenfreiheit vorne um fünfzehn Millimeter erhöhen, und wir kamen unbeschadet auf befestigte Straßen zurück. Wer dem GT auf der Landstraße die Sporen geben will, hat verschiedene Fahrprogramme zur Wahl, fürs Getriebe und auch fürs Handling und den Klang. Es gibt Sport, Comfort und Track. Letzteres sollte ausschließlich auf der Rennstrecke benutzt werden. Die Unterschiede sind überraschend gering, wirklich laut ist der GT auch in Sport nicht. Wobei das Motorgeräusch in Comfort auch als langweilig bezeichnet werden kann. Prima arbeiten die Schaltpaddel für den manuellen Eingriff, die rechts wie links für Hoch- und Runterschalten benutzt werden können. Präzise durchschneidet der McLaren die Kurven und bietet in der Hinterhand notfalls immer noch die elektronischen Helfer.

          198.000 Euro Grundpreis für 4,70 Meter Extravaganz.

          Eine Enttäuschung waren die Bremsen, an deren teigiges Ansprechverhalten wir uns nicht gewöhnen konnten, was jetzt aber nicht heißen soll, dass sie den immensen Fahrleistungen nicht gewachsen waren. Kurz geärgert hat auch eine Fehlfunktion der elektrischen Feststellbremse, die sich zweimal nicht mehr lösen ließ.

          Dass man mit einem McLaren auffällt, ist klar. Erstaunt hat uns nur, dass er von einem Passanten für einen Renault gehalten wurde. 198 000 Euro sind der Grundpreis für die 4,70-Meter-Extravaganz aus England. Der Durchschnittsverbrauch von 12,8 Liter Super Plus war erwartbar. Es können aber auch 15 Liter und mehr sein. Die McLaren-Klientel wird es gewiss verschmerzen.

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