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Der Einser und die A-Klasse : Weißblaue Sinnlichkeit kontra schwäbisches Format

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Die Form folgt der Technik: BMW Einser Bild:

Mit dem Einser kehrt BMW zurück zu seinen Wurzeln. Ein Auto, das sich derart eindeutig zu seinen dynamischen Qualitäten bekennt, das Aktivität über Alltag stellt, so ein Auto hat BMW in der Großserie schon lange nicht mehr gebaut.

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          Mit dem Einser kehrt BMW zurück zu seinen Wurzeln. Ein Auto, das sich derart eindeutig zu seinen dynamischen Qualitäten bekennt, das Aktivität über Alltag stellt, so ein Auto hat BMW in der Großserie schon lange nicht mehr gebaut. Der Einser schwimmt gegen den Strom der Kompaktklasse: Motor vorne längs zur Fahrtrichtung, Kardanwelle, Hinterradantrieb, nicht mehr Raum als nötig und ein Fahrwerk, das eher hart als höflich ist; der Werbespruch über die "Freude am Fahren" wird hier mit neuem Inhalt erfüllt, ein BMW muß munter sein, aber kein Leistungsmonster. Das sind gleichzeitig jene Eigenschaften, mit denen BMW vor vierzig Jahren begonnen hatte, sich am eigenen Stoßfänger aus dem Morast der Erfolglosigkeit zu ziehen. Der Einser ist der erste Auftritt von BMW im Segment der kompakten Mittelklasse. Daß er erst jetzt (und überhaupt) kommt, hängt auch mit dem Rover-Desaster zusammen. Die einstige Maßgabe des früheren BMW-Chefs Wolfgang Reitzle "kein BMW unter dem Dreier", wurde mit der Trennung von Rover hinfällig.

          Mercedes-Benz hatte schon vor vielen Jahren erkannt: Die als elitär geltende Marke muß sich nach unten verbreitern. Daraus entstand nach einigen Prototypen die A-Klasse. Ebenfalls kein Kompaktwagen wie andere. Sie debütierte im Sommer 1997 und kam erst im Frühjahr 1998 in Schwung: Daß die erste Familie am Anfang ein Stabilitätsproblem hatte, wurde rasch bewältigt. Immerhin verhalf die erste A-Klasse dem aufwendigen ESP (Elektronisches Stabilitäts- Programm) zum Durchbruch. Während die A-Klasse I noch ein relativ bescheiden wirkender, aber pfiffig konzipierter Kleinwagen mit wenig wertvoll wirkendem Interieur war, gibt sich die zweite Generation generöser. Die auf eine vernünftige Länge gestreckte A-Klasse II tritt erwachsener auf, ohne ihre Abstammung zu verleugnen. Im Gegenteil. Sie ist progressiver geworden, aber pragmatisch geblieben und auch in ihren Grundzügen so gezeichnet. Aber sie wirkt selbstbewußter und stämmiger. Daß Mercedes gleich die zweitürige Variante mit auf den Markt bringt, bietet eine Erkenntnis: Die Marke nimmt die neue sportlichere Herausforderung auch in diesem Segment des Marktes an. Man will mit diesem coupe-ähnlichen Konzept auch dynamische Qualitäten demonstrieren.

          Beide Autos profitieren von einem neuen Stil des Designs in ihrem Haus. Der Einser ist der bisher beste Bangle-BMW. Chris Bangle, Formenvordenker der Bayern und häufig einem Design des Spektakels zuneigend, demonstriert mit dem viertürigen Heckklappen-Einser, daß es auch anders geht. Weg vom walzenförmigen Siebener, weg vom Kampfwagenstil des Fünfer. Hin zu mehr Höflichkeit, ohne allzu verbindlich zu wirken. Der Einser wirkt wie ein "Guten-Morgen-Bayern"-Auto. Ohne Aggressionen, eher freundlich als feindlich, frisch wie ein Morgen in den Isar-Auen. Frech wie ein Radieschen. Seine innere Flinkheit tritt gut nach außen, der Einser zeigt Sehnen und Muskeln statt Bauch und Wülsten. Weitere Varianten (Coupe, Kombi, Roadster) werden folgen. Und vielleicht kann der Einser wieder für bessere Noten sorgen: Beim Markenimage der Leser von "auto motor und sport" ist die Wertschätzung des BMW-Designs seit 2001 dramatisch im Sinkflug.

          Im zweiten Anlauf: Die neue Generation der A-Klasse von Mercedes-Benz

          Auch die A-Klasse 2005 trägt wie SLK oder CLS die neuen Kleider des Stern-Konzerns. Peter Pfeiffer, Design-Chef bei Mercedes-Benz, hat sich von der reinen Funktions-Linie entfernt, fast wirken seine Autos schon romantisch, hier hat er vor allem für eine sattere Statur gesorgt. Das Auto hat die Verspieltheit des Vorgängers abgelegt, seine Karosserie spannt sich wie ein muskulöser Körper zwischen den vier Rädern, die weit in den Ecken sitzen. Der Bug ist eine Botschaft von Kraft und das Heck ein Symbol der Klarheit des Fortschritts. Vor allem hat die A-Klasse breitere Schultern bekommen, sie wirkt bei nahezu gleicher Höhe wie der Vorgänger niedriger, die Seitenlinie ist in sich geschlossener. Ein Mercedes, wie aus dem vollen Block gefräst. Die erste A-Klasse war ein Kleinwagen, die zweite A-Klasse ist ein kleiner Mercedes.

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