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Statistik für Zweiräder : Der Crash der Motorrad-Branche

  • -Aktualisiert am

März und April sind normalerweise die mit Abstand wichtigsten Monate für den Umsatz. Bild: dpa

Etwa ein Drittel der jährlichen Zweirad-Neuzulassungen erfolgen im März und April. Die April-Zahlen dürften weitaus schlechter ausfallen als die vom März. Die Händler müssen allerdings noch mehr verkraften.

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          Zweiradhersteller und -importeure sowie deren Händlernetz trifft die derzeitige Lähmung der Wirtschaft in besonderer Weise. März und April sind normalerweise die mit Abstand wichtigsten Monate für den Umsatz. Etwa ein Drittel der jährlichen Zweirad-Neuzulassungen erfolgen laut Statistik in diesen beiden Monaten. Es handelt sich um etwa 50.000 Fahrzeuge, die üblicherweise im genannten Zeitraum neu zugelassen werden, dieses Jahr dürfte es nur ein Bruchteil werden.

          Das Kraftfahrt-Bundesamt nennt für motorisierte Zweiräder über 50 Kubikzentimeter in seiner Monatsstatistik für März einen Rückgang im Jahresvergleich von 27.660 auf 23.148 Stück, was einem Minus von 16,3 Prozent entspricht. Die April-Zahlen dürften weitaus schlechter ausfallen.

          Nicht nur bei BMW sind längst Hebel in Bewegung gesetzt worden, um den Händlern zu helfen. Sämtliche Importeure von Aprilia bis Yamaha versuchen ebenfalls, die für die weitere Existenz ihrer Händler unerlässliche Liquidität zu sichern. Dafür werden beispielsweise Zahlungsziele für schon gelieferte, aber eben nicht verkaufte Fahrzeuge verlängert, auch plant man zusätzliche Aktionen.

          Die Händler müssen verkraften, dass sämtliche Frühjahrsveranstaltungen wie Kawasakis traditionelles Drachenfest oder Hondas Road Show ausfallen. Auch bekannte Zubehörhersteller wie Wunderlich oder Touratech können ihre üblichen Veranstaltungen nicht über die Bühne bringen. Die BMW Motorrad Days, bei denen normalerweise alljährlich im Hochsommer rund 40 000 Besucher in Garmisch-Partenkirchen zusammenkommen, sind abgesagt. Vergangene Woche verkündete BMW und einen Tag später auch KTM, an den beiden Leitmessen Intermot in Köln im Oktober und Eicma in Mailand im November nicht teilzunehmen. Ob die überhaupt stattfinden werden, ist eine andere Frage. Eine die Lage zusätzlich verschärfende Schwierigkeit, die sich fürs Jahresende 2020 abzeichnet, hoffen die internationalen Motorradhersteller gemeinsam abwenden zu können: Mit dem Übergang zu Euro 5 dürfen vom 1. Januar 2021 an Motorräder mit der Euro-4-Homologation nicht mehr neu zugelassen werden. Wahrscheinlich werden am Jahresende viele Euro-4-Fahrzeuge noch unverkauft herumstehen.

          Für den gebeutelten Handel wären Tageszulassungen zur Umgehung des Zulassungsverbots keine Hilfe. Dem Vernehmen nach haben Deutschland, Österreich, Italien und Spanien schon Bereitschaft erkennen lassen, sich bei den EU-Behörden für eine zwölfmonatige Terminverschiebung einzusetzen. Die Serie der Produktionsrekorde, von denen beispielsweise BMW, Ducati oder KTM seit 2011 regelmäßig berichtet haben, dürfte jäh gestoppt sein. Derzeit produziert in Europa kein einziges Motorradwerk mehr.

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