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Citroën Cactus : Die neue Ente sticht

Unverwechselbar: Bullige Knutschzone vorn, Knautschzone aus Plastik an der Seite – der Cactus ist das etwas andere Auto. Bild: Hersteller

Seit zweieinhalb Jahren ist der unkonventionelle Citroën Cactus auf dem Markt. Das Konzept polarisiert nach wie vor. Man muss ihn nicht mögen, aber achten.

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          Als im Sommer 2014 Deutschland Fußball-Weltmeister wurde, schickte sich zur gleichen Zeit ein kompakter Citroën an, die Welt zu erobern. Technisch basierend auf dem C4 und geschmückt mit dem Beinamen Cactus, trat er an, um vieles anders zu machen als gewöhnliche Autos. Das wiederum sollte auf das Image von Citroën einzahlen.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Karosserieform ist ein Mittelding zwischen SUV und Kombi, die Frontleuchten sind zweigeteilt, die bunten „Air-Bumps“, Ausbuchtungen aus Plastik an bestimmten exponierten Stellen der Karosse, sollen helfen, kleine Parkrempler bis zu einem Tempo von rund drei km/h vollkommen unbeschadet zu überstehen.

          Einfaches und praktisches Design

          Die Inneneinrichtung ist von bestechender Einfachheit, ohne zu billig zu wirken, es gibt keine klassischen Instrumente, sondern nur zwei flache Displays. Mit dem einen in der Mitte des Armaturenbretts bedient man die Heizung, den Bordcomputer und das Navigationssystem, das andere sitzt da, wo sonst die Instrumente sind, und zeigt in der Regel nur die gefahrene Geschwindigkeit in relativ großen Ziffern und den Füllstand des Tanks am Balkendiagramm. Wer braucht schon einen Drehzahlmesser oder muss wissen, wie hoch die Wasser- oder Öltemperatur ist?

          Sportlichen Fahrspaß sollten die Käufer beim Citroën Cactus nicht erwarten. 180 km/h erreicht nur, wer lange auf das Gaspedal tritt. Bilderstrecke
          Sportlichen Fahrspaß sollten die Käufer beim Citroën Cactus nicht erwarten. 180 km/h erreicht nur, wer lange auf das Gaspedal tritt. :

          Das Design des Cactus ist bestechend einfach und praktisch, das große Handschuhfach öffnet nach oben (der Airbag sitzt im Dach), jede Version ist viertürig, allerdings sind die hinteren Seitenscheiben nur zum Ausstellen. Sie können nicht heruntergekurbelt, geschweige denn -gefahren werden. Die Türgriffe innen sind einfache Schlaufen, von der zunächst generell ungeteilten Rückbank hat Citroën inzwischen Abstand genommen. Auf jeden Fall ist der Cactus ein sympathisches Auto, das vier bis fünf Personen ausreichend Platz bietet und als einfacher Familienwagen taugt. Selbstverständlich sind nur Motoren im Angebot, die keine Bäume ausreißen. Es geht ums Fortkommen, nicht ums Rennenfahren. Vier Motorvarianten sind zu haben, Benziner mit 75, 82 oder 110 PS sowie ein Diesel mit 99 PS.

          Kein sportlicher Fahrspaß

          Als der Cactus im Sommer 2014 neu war, überschlug sich die Presse vor Begeisterung. Durch die Bank weg fanden alle Tester das Fahrzeug wunderbar. „Endlich wieder ein Auto, so unkonventionell wie einst die Ente“, wurde sinngemäß oft geschrieben. „Ein Auto abseits des Mainstreams“ jubelte die „Neue Züricher Zeitung“. Auch diese Zeitung urteilte in jene Richtung. Dass die aufpreispflichtige Automatik den Wagen nun wirklich zur lahmen Ente macht, der Wagen nicht billig ist, sobald nur etwas Zusatzausstattung bestellt wird, blieb freilich auch nicht verborgen.

          Und der Cactus kann nur ein Auto für jene Menschen sein, denen es nur um das Fahren an sich geht, den reinen Transport von A nach B. Sportlichen Fahrspaß vermittelt er so gut wie keinen, das haben zwei Wochen abermalige Beschäftigung mit dem Diesel-Cactus (1,6 Liter Hubraum) wieder gezeigt. Andererseits kann man mit dem Citroën wunderbar entschleunigen, obwohl er sogar die Ziffern 1-8-0 auf seinem digitalen Tacho anzeigen kann, wenn man den Fuß auf der Autobahn nur lange genug auf dem Gas und dem Bodenblech lässt. Wer einen Cactus pilotiert, fährt einfach gelassener, ganz nach den Citroën-Motto „Be different, feel good“. Der Spritverbrauch von 6,9 Liter Diesel im Schnitt ist so schlecht nicht. Wer ganz zahm fährt, schafft auch eine Fünf vor dem Komma.

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