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Fahrbericht BMW R 1250 GS : Nockout für den alten Boxer

Stil-Variante HP: Motorsportfarben, kurze Rallyesitzbank, goldfarbene Speichenräder, Stollenreifen, gekürzter Windschild, 700 Euro Aufpreis Bild: Hersteller

Aus dem Bestseller R 1200 GS von BMW wird die R 1250 GS. Der Clou ist der neue Motor. Ein vernockendes Angebot.

          Wie der Maßkrug und das Dirndl zählt zum bayerischen Kulturgut der Boxer mit zwei Zylindern. Wenn der Boxer in tiefen Drehzahlregionen knurrt, dann meint man den Landesvater FJS, der Herr habe ihn selig, aus dem Jenseits herübergranteln zu hören, nur schärfer. Unvergleichlich klingt das. Und unverwechselbar sieht es aus, wie der Boxer seine beiden Zylinder seitlich in den Fahrtwind streckt, um sich Kühlung zu verschaffen. So wie es Gepflogenheit ist bei den Bayerischen Motoren Werken seit der R 32 von 1923.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Für BMW ist der Boxermotor Herz und Heiligtum gleichermaßen. Rund ein Drittel der Verkäufe verdankt das Unternehmen Motorrädern mit dem flachen Twin, welcher seine von Modellwechsel zu Modellwechsel wachsende Kraft per Kardanantrieb zum Hinterrad überträgt.

          Unter den mit Boxermotor operierenden Modellen das mit Abstand wichtigste ist die große GS, Jahr für Jahr die Nummer eins in Deutschland, Bestseller in vielen Ländern, die Reiseenduro schlechthin, Königin der Schnabelklasse. Versuche, sie vom Thron zu stoßen, werden immer wieder gestartet, die Zahl der Rivalinnen steigt. Womit sie sich wehrt, ist nicht Höchstleistung – andere haben deutlich mehr –, sondern eine schwer zu kopierende Kombination aus Vielseitigkeit, urwüchsigem Charme, bulligem Charakter, außergewöhnlicher Fahr- und Manövrierbarkeit mit Gepäck und ohne, allein oder zu zweit, auf der Straße oder im Gelände.

          Gerade die Offroad-Fähigkeiten der Maschine sind stets aufs Neue verblüffend, trotz respekteinflößender Abmessungen und stattlichen Gewichts. Ein wichtiges Kriterium für viele Kunden, wenngleich die meisten GS-Besitzer ihr Motorrad niemals abseits des Asphalts einsetzen, sondern es dabei bewenden lassen, dass sie könnten, wenn sie wollten. Ihnen entgeht etwas. Und gerade hier setzt die neue GS noch eins drauf.

          Dass die Neue aussieht wie die Alte, ist ein bisschen schade. Abgesehen von der Einführung der mit Farben und Ausstattung spielenden, aufpreispflichtigen Stil-Varianten HP (sportlich, 700 Euro) und Exclusive (dunkel, seriös, 400 Euro), blieb das Design unangetastet. Die BMW-Mannen begründen das mit gewollter Rücksicht auf derzeitige GS-Eigentümer und den Werterhalt ihrer Fahrzeuge. Zum anderen stehe dahinter der Gedanke, nicht von der eigentlichen Neuigkeit abzulenken, der Überarbeitung des Motors.

          Der Boxer steigt künftig mit vergrößertem Hubraum – 1254 statt 1170 Kubikzentimeter – in den Ring sowie der Novität einer variablen Ventilsteuerung. Seine Schlagkraft erhöht sich damit erheblich: Die Leistung wächst von 125 auf 136 PS bei 7750 Umdrehungen, das maximale Drehmoment von 125 auf 143 Newtonmeter bei 6250/min. BMW-Ingenieuren zufolge ließe sich aus dem Triebwerk noch wesentlich mehr Spitzenleistung herausholen. Doch sei darauf verzichtet worden zugunsten des Durchzugs in niedrigen Drehzahlen, der Kultiviertheit des Zweizylinders, der Laufruhe und Umweltfreundlichkeit. Der neue Motor erfülle schon die 2020/21 greifenden Emissionsgrenzwerte der Euro-5-Norm, heißt es, er verbrauche etwa vier Prozent weniger Treibstoff als sein Vorgänger.

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