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Dehlers „Volksboot“ : Riesen-Slalom mit dem Scheinzwerg

Hohes Gut: Die Varianta 18 geizt nicht mit Segelfläche Bild: Mark Wille

Das Versprechen lautet: bezahlbares Segelvergnügen. Und der Einstiegspreis ist eine kleine Sensation: 10.000 Euro. Was hat Dehlers „Volksboot“, die Varianta 18, dafür zu bieten?

          Auf Augenhöhe mit dem Schwan: Da sieht die Welt ganz anders aus. Rundherum im Greifswalder Hafen lauter Yachten um 40 Fuß, Traditionssegler, Berufsschiffe. Selbst ein Dreißigfüßer ist ein Scheinriese gegen unseren Glasfaserzwerg. Nur fünfeinhalb Meter - das fühlt sich beim Betreten erst mal nach Beiboot an.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Der Nachmittag befindet sich im fortgeschrittenen Stadium, wir wollen trotzdem noch aufbrechen. Schnell Taschen und Proviant in die Kajüte geworfen und Leinen los. Ein kleiner Schubs und wir sind weg vom Steg. Aha. Da haben wir schon den ersten Vorteil eines handlichen Pakets aus kompakten Abmessungen und geringem Gewicht: kein Stress beim An- und Ablegen.

          Der Außenborder schiebt uns den schmalen Ryck hinunter Richtung Klappbrücke Wieck und Mündung in den Greifswalder Bodden. Von den Flussufern aus schauen Jogger und Radfahrer herüber. Denen könnten wir ja mal unser Großsegel zeigen. Als wir den Honda zum Schweigen bringen und das Tuch den Mast hochziehen, erschrecken wir selbst ein bisschen: Donnerwetter, was für ein Teil! Hoch, mächtig, Kriegsbemalung wie auf einer Rennmaschine. "VA 18" steht drauf.

          Rutschpartie: Vorm Wind kommt die VA 18 ins Surfen

          "Guck mal, die neue Varianta", vernehmen wir vom Ufer. Ein Satz, den wir die nächsten zweieinhalb Tage noch öfter hören werden. Die alte Varianta, der vor Jahrzehnten mehrere tausend Mal bei Dehler im Sauerland gebaute Kleinkreuzer, ist vielen noch ein Begriff. Und dass es jetzt eine Nachfolgerin gibt, hat sich herumgesprochen, gerade hier, am Sitz der Hanse Yachts AG, zu der Dehler nach Konkurs und Übernahme mittlerweile gehört.

          Es weht nur lau zum Ausklang dieses Tags, aber die Varianta marschiert zielstrebig voran, lässt Stabilität und Leistungswillen spüren, fordert die Fock. Vater und Sohn belassen es vorerst beim Großsegel, sind noch in der Gewöhnungsphase, erkunden Cockpit und Instrumentarium zur Handhabung der Segel. Das ist überschaubar: Fallen, Schoten, Unterliekstrecker, Niederholer, aber kein Großschottraveller.

          Der spezielle Reiz eines kleinen Boots beginnt sich zu enfalten. Das Fahrzeug wirkt äußerst agil. Leichtes Zucken der Hand an der Pinne führt zu einer sehr direkten Reaktion des ganzen Schiffchens, ohne Verzug, ohne Filter. Wir ahnen, dass ein pures Segelerlebnis bevorsteht, nah dran an den Elementen. Einfach nur den Arm ausstrecken und das Wasser spüren. Dem Ruderblatt zuhören, das mit jedem Zehntelknoten Unterschied in einer anderen Tonlage gurgelt. Die letzten Sonnenstrahlen auf die Seele wirken lassen.

          Die Wiecker Brücke wird zur vollen Stunde geöffnet, das nächste Mal um 19 Uhr. Es könnte knapp werden, deswegen doch die Fock ausgerollt. Prompt ruckt die Varianta noch mal richtig an, nimmt zusätzlich Fahrt auf. Abermals: Donnerwetter. Mit einem betulichen Einsteigerboot haben wir es hier nicht zu tun. Es ist keine Reling vorhanden, morgen, auf offenen Boddengewässern, werden wir die Rettungswesten tragen. Bei jedem Wetter, beschlossen.

          Hinter der Brücke steuern wir mit der Nase voran in eine freie Box. Der Liegeplatz ist doppelt so lang wie wir es brauchten. Weil die Pfähle für uns zu weit Richtung Flussmitte stehen, legen wir unsere Achterleinen über die Winschen der Nachbaryachten, hangeln uns an ihnen entlang nach vorn, belegen die Vorleinen. Auch hier sind wir der Zwerg. Auch hier kein Stress. Wir haben gerade ein Boot bewegt, das in der Standardversion zehn-, mit wünschenswertem Zubehör etwa dreizehn- bis fünfzehntausend Euro kostet. Dafür wurde in dieser einen Stunde schon eine Menge Spaß geboten.

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