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Vernetzte Züge : Google trifft Güterbahn

  • -Aktualisiert am

Güterverkehr auf der Schiene soll durch moderne Elektronik in den Wagen effizienter werden. Bild: Peter Thomas

Künftig sollen Güterwaggons wissen, wo sie sind, wie es ihnen geht und wann sie in die Werkstatt müssen. DB Cargo erprobt das mit einer Flotte von 500 Wagen, gesteuert aus Frankfurt.

          Laute Lindwürmer, vollgepackt mit Schotter und Schrott, schwer beladen mit Containern und Autos: Das Bild haben viele Menschen von den Güterzügen, die im deutschen Eisenbahnnetz unterwegs sind. An das Silicon Valley denken da die wenigsten. Und doch hat sich DB Cargo genau dort vor anderthalb Jahren bei großen Internetunternehmen wie Google Anregungen dafür geholt, wie sich die Zukunft des Güterverkehrs im deutschen Schienennetz intelligent gestalten lässt.

          Das Ergebnis ist eine Versuchsflotte von 500 verschiedenen Güterwagen, die mit zahlreichen Sensoren ausgestattet sind und derzeit erprobt werden. Dazu gehören beispielsweise GPS-Tracker, Waagen, Stoßsensoren, Feuchtigkeitsmesser und Thermometer. Die Informationen werden über Mobilfunk an die Rechner von DB Cargo geschickt. Die Energie liefern Batterien mit einer prognostizierten Lebenszeit von mindestens sechs Jahren. „Das entspricht dem Revisionszyklus eines Güterwagens“, sagt Harald Schulze, Leiter Technik Güterwagen bei DB Cargo.

          Um die Güterbahn wirklich intelligent zu machen, müssen aber die entscheidenden Informationen aus der Datenflut herausgefiltert und für die Steuerung von Prozessen zur Verfügung gestellt werden. Möglichst viel soll dabei automatisch geschehen. Und die Informationen sollen durch standardisierte Formate und offene Schnittstellen leicht auszutauschen sein. Um all das kümmern sich die Mitarbeiter des „Asset Intelligence Lab von DB Cargo im House of Logistics and Mobility“ nahe dem Frankfurter Flughafen. In Hochphasen der einzelnen Projekte arbeiten hier zwischen 50 und 60 Menschen.

          Zum Güterwaggon der Zukunft gehören Sensoren und Kommunikationsmodule

          „Kreativraum“ nennt Steffen Bobsien, Assetmanager und Leiter Technik Schienengüterverkehr bei DB Cargo, das Labor. Und tatsächlich hat sich die Bahn für diese Einrichtung mit unterschiedlichen Arbeitsbereichen statt fester Schreibtischplätze 2015 einiges bei den kalifornischen IT-Giganten abgeschaut. Aber im Vergleich zu Google und Apple geht es hier doch etwas bodenständiger zu. Letztlich passt das aber auch. Schließlich kümmern sich hier Ingenieure und Datenanalysten, Bahn-Disponenten, Wirtschaftswissenschaftler und Vertreter anderer Disziplinen nicht um die Zukunft virtueller Welten. Sondern es geht um so greifbare Dinge wie einen mit teuren Autos beladenen Ganzzug, der zur richtigen Zeit und in der richtigen Fahrtrichtung am Ziel ankommen soll.

          Das mit der Fahrtrichtung ist ein Problem, das jeder Passagier von Fernzügen kennt: Fährt der ICE in umgekehrter Wagenreihung an den Bahnsteig, hat es mal wieder irgendwo in der Kette der Drehfahrten geklemmt. Dann sprinten die Fahrgäste mit Platzreservierung den Perron entlang, um zu ihrem Wagen zu kommen. Bei Güterwagen lässt sich das so leicht nicht machen, denn ein Zug aus Autotransportwaggons lässt sich am Ziel nur dann entladen, wenn die Neuwagen in Fahrtrichtung zur Rampe stehen. Genau das ist eine der Informationen, die künftig ein entsprechender Algorithmus aus den Daten errechnen kann, welche die auf den Wagen installierten Sensoren liefern.

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