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Wohnmobil Sunlight T65 im Test : Kommod und klapperfrei

  • -Aktualisiert am

Es zählen vor allem die inneren Werte, denn wie zwei Drittel aller Wohnmobile basiert auch der Sunlight auf dem Fiat Ducato Bild: Monika Schramm

Das Wohnmobil Sunlight T65 ist derzeit besonders beliebt, weil es üppigen Platz bietet. Es ist auf Basis des Fiat Ducato gebaut. Nicht nur sein Raumkonzept, sondern auch sein Preiskonzept überzeugt.

          3 Min.

          Das sächsische Gemeinschaftswerk Capron von Hymer und Dethleffs schreibt eine erstaunliche Erfolgsgeschichte. Von Sachsen aus haben die beiden technisch baugleichen Marken Carado und Sunlight den deutschen Markt erobert, mit Fahrzeugen, die alles enthalten, was man braucht, außer optischem Schnickschnack, praxisgerecht mit vielen interessanten Details und mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das beruht nicht nur auf den Einkaufsvorteilen des Hymer-Verbunds, sondern auch auf der Beschränkung auf die gängigsten Grundrisse. Bei Sunlight sind es derzeit zehn Teilintegrierte und drei Alkovenmodelle in Aufbaulängen von 6,23 bis 7,43 Meter.

          Die Caravaner haben schnell gemerkt, dass die Sachsen gute Qualität abliefern. Auch uns ist das schon bei der ersten Fahrt mit dem Sunlight T65 aufgefallen. Dieses sieben Meter lange Wohnmobil für maximal vier Personen war das ruhigste, das wir in dieser Klasse je über schlechte Straßen bewegt haben. Da klapperte und schepperte nichts, wir sind da durchaus leidgeprüft. Allerdings haben die cleveren Sachsen ein paar der berüchtigsten Lärmquellen von vornherein ausgeschlossen: die Verdunkelungskassetten im Fahrerhaus. Es gibt nur einen umlaufenden Vorhang als Sichtschutz.

          Das Hubbett kostet Aufpreis, ist aber mehr als eine Notlösung

          Der T65 ist derzeit besonders beliebt, weil er üppigen Platz bietet: Über der Sitzgruppe hinter dem Fahrerhaus hängt ein optionales Hubbett (1399 Euro) für zwei Menschen, zwei weitere nächtigen im von Dachkästen und offenen Ablagen umgebenen Querbett über der Heckgarage. Hier stoßen auf 1,40 mal 2,16 Meter auch Riesen nicht an. Für ein Paar sind das paradiesische Verhältnisse, wenn es das Hubbett nur für gelegentliche Mitreisende in petto hat.

          Das Komfort-Highlight ist das Raumbad vor dem Heckbett: links eine separate Dusche, rechts das Toilettenabteil mit Waschtisch, dessen Tür auf der gegenüberliegenden Seite anschlägt und den fahrzeugbreiten Raum samt Kleiderschrank und raumhohem Wäscheschrank vom Wohnteil trennt. Da kann man sich wirklich ungestört bewegen und hat alles, was man braucht, in Reichweite, einschließlich einer Kleiderstange in der Dusche: sehr willkommen als Abtropfstelle für nasse Sachen. Das Eckwaschbecken ist groß genug für die kleine Wäsche, eine großzügige Verteilung von Spiegeln bietet Sicht von allen Seiten.

          Eine Stufe tiefer ist die Eckküche (etwa 95 mal 95 Zentimeter) eingebaut, mit riesigem Unterschrank und Auszügen, mit hellen Glasabdeckungen über dem Dreiflammenherd und dem großen runden Spülbecken mit Abfluss in der Mitte. Der ist deswegen erwähnenswert, weil wir uns oft genug über Abflüsse in einer Ecke ärgern, so dass bei schräg stehendem Wagen immer Wasserreste im Becken stehen. Die große Kühl-Gefrier-Kombination ist gegenüber in einem Turm eingebaut mit weiterem Schrankraum darüber und darunter. Sehr gut ist die Ausleuchtung der Küche mit diversen Lichtsystemen, zwei Steckdosen sind okay.

          Auf der Dinette, den gedrehten Fahrerhausplätzen und einem separaten Einzelsitz hinter dem Beifahrer können es sich fünf Menschen um den verlängerbaren Tisch bequem machen. Leider rutscht das Polster der Bank ständig nach vorn, das müsste besser zu fixieren sein. Der Kasten des Extrasitzes ist ein praktischer Stauraum, weil er von der Seite her zugänglich ist, etwa für Schuhe. Das Hubbett über dem Ganzen misst 1,40 mal 1,90 Meter und bietet mit 60 Zentimeter Kopffreiheit keinen Anlass für klaustrophobische Zustände. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die beiden Stufen im Wohnraum: vom Fahrerhaus runter auf Küchenniveau und dann wieder hoch ins Raumbad.

          Die Verarbeitung des Ton in Ton gehaltenen beige-braunen Interieurs gab keinen Anlass zur Klage, die Ausstattung erscheint reichlich, der Preis ist heiß, aber wir hätten doch noch ein paar Verbesserungsvorschläge:

          Im Heck sind die Leselampen an der falschen, der sich verjüngenden Seite des Betts angebracht. Üblicherweise schläft man andersherum, außerdem hätte man da auch nicht das Fenster im Rücken, wenn man sich anlehnt, und würde dabei nicht die Jalousie verknittern. Eine Steckdose wäre auch nicht schlecht. Im Schlafzimmer wird es zu warm, weil die Heizung unter dem Bett installiert ist. Etliche Hersteller bauen sie neuerdings in den Dinette-Staukasten, was die Wärme dorthin bringt, wo sie gebraucht wird, im Fußraum des Wohnteils. Außerdem gelangt zu viel Hitze in die große Heckgarage und verpufft dort.

          Hübsch eingerichtet: Blick vom Fahrerhaus nach hinten. Fünf Personen können dinieren

          Da braucht man bei Temperaturen etwas über null spätestens nach vier Tagen die nächste Elf-Kilo-Gasflasche. Der Lichtschalter und die Bedienung der Heizung liegen unterhalb des Heckbetts zu nah beieinander, so dass man oft unbeabsichtigt die Temperatureinstellung verändert. Dass das Hubbett so schlecht einrastet und viel Kraft erfordert, ließe sich mit festeren Einfassungen für die Matratze verhindern. Die vorhandenen Kunststoffplättchen verbiegen sich unter dem Druck der Matratze und behindern so den Einrastmechanismus. Wer gern im Winter fährt, ersetzt den dünnen Sichtschutzvorhang durch einen dicken, der die Kälte aus dem Fahrerhaus besser abhält. Die restlichen Voraussetzungen für Wintercamping bringt der Sunlight mit. Im Sommer ist das alles kein Thema.

          Wer öfter zu viert unterwegs ist, muss aufs Gewicht achten oder auflasten, denn die großen Stauräume sind schon verführerisch. Realistischerweise rechnet man noch ein paar Tausender auf den Basispreis drauf, ob für einen stärkeren Motor oder für individuelle Einbauten, das macht aus jedem Sunlight einen ganz speziellen Urlaubstraum. Bezahlbar, angenehm zu fahren und vor allem leise, das ist der T65.

          Technische Daten

          Vierzylinder-Turbodiesel (Fiat Ducato)

          Hubraum 2287 Kubikzentimeter, Leistung 130 PS (96 kW) bei 3600/min, höchstes Drehmoment 320 Nm bei 1800/min, erfüllt Euro 5

          Sechsganggetriebe mit Joystickschaltung
          Antrieb auf die Vorderräder, vorn Einzelradaufhängung, hinten Starrachse
          Reifengröße 215/70R15C/CP 109Q
          Radstand 3,67 Meter
          Länge/Breite/Höhe/Stehhöhe 7,00/2,43/2,91/1,98 Meter
          Aufbau in Sandwichbauweise mit EPS-Schaum isoliert, Wände in Glattblech, Heck GFK, Boden 42, Wände und Dach 34 Millimeter stark
          Leergewicht 3059, zulässiges Gesamtgewicht 3495,
          Anhängelast 2000 Kilogramm
          Frischwassertank 110, Abwassertank 96 Liter
          Verbrauch im Durchschnitt 11,8 Liter Diesel je 100 km
          Tankinhalt 90 Liter, 2 x 11 Kilogramm Gas
          Grundpreis mit 130-PS-Motor 41.662 Euro

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