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Super-SUV in Amerika : Big Mac lässt grüßen

  • -Aktualisiert am

Mit dem neuen Mercedes-Benz GLS will Daimler im Konzert der großen und ganz großen SUV in Amerika mitmischen. Bild: Daimler AG

In den Vereinigten Staaten spielt beim Autokauf schiere Größe die dominante Rolle. Mit einem Dutzend Modellen gehen die Erfinder des SUVs bis an die Grenze des in Europa Vorstellbaren.

          Richtig giftig ist sie geworden, Nancy Perrot, die zumindest noch vor drei Jahren in den Diensten von GM in den Vereinigten Staaten stand und die Fragen der kleingeistigen Europäer nicht mehr ertragen konnte. Amerika sei ein großes Land, und dafür brauche man große Autos, erklärte sie den nervigen Journalisten, die mit ihrer Kritik an Format, Verbrauch und Gewicht der amerikanischen Lieblinge dem abendlichen Tischgespräch eine unerwünschte Wendung zu geben drohten.

          Wir sind im Geburtsland der SUVs, jenen Nachfahren einstiger Geländewagen, die von der Neuen Welt aus ihren Siegeszug rund um die ganze Erde angetreten haben. Mehr Komfort, mehr Leistung und mehr Prestige haben sie, verglichen mit ihren Vorfahren, den rustikalen Offroadern. Dazu hohe Anhängelasten und gerne einen V8 unter der Haube. Das brauche man in ihrer Heimat, sagte Nancy Perrot. Schließlich gibt es allerlei zu transportieren. Das Pferd zur Ranch, den Jetski zur Lodge in den Bergen oder einfach nur mal die Schar der Nachbarskinder zum Sonntagsausflug.

          Weil in Amerika kein Wunsch unerhört bleibt, gibt es längst nicht mehr nur das SUV. Aus einem Modell ist bei fast allen Herstellern eine ganze Modellfamilie geworden. Fünf Klassen werden unterschieden: Subcompact-, Compact-, Midsize-, Fullsize- und Crossover-SUV. Dazu gibt es eine eigene Sparte für SUVs mit Hybridantrieb und welche mit mehr als fünf Plätzen an Bord, das alles wird nochmal aufgeteilt in Stangenware der Volumenhersteller und das Segment Luxury.

          Die deutschen Marken kommen bei den Amerikanern nur in den kleineren Klassen der Luxus-Wertung als Erste ins Ziel. Bei den Subkompakten liegt der BMW X1 vorn, dominanter wird es in der Mittelklasse, wo der Porsche Cayenne den Spitzenplatz belegt, gefolgt vom Audi Q7 und der GLE-Klasse von Mercedes-Benz. Bei den Dickschiffen liegt der Lincoln Navigator vorn, der Mercedes GLS folgt auf Rang zwei, der BMW X7 auf dem dritten Platz.

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          Unter den wirklich dicken Dingern amerikanischer Provenienz wirken die Europäer beinahe schmächtig. Dabei hat Mercedes-Benz beim neuen GLS, der es auf immerhin 5,21 Meter Länge bringt und in Tuscaloosa gefertigt wird, wegen seiner breiten Spur für Europa schon einen Kunstgriff anwenden müssen. Damit der 1,96 Meter breite Brocken aufgrund seiner Spurweite noch in die Waschanlagen der Alten Welt passt, fährt die serienmäßige Luftfederung die Karosserie zuvor nach oben, was die Achskinematik beeinflusst und die Räder beider Achsen näher zueinander rücken lässt. Das gibt es bei den reinrassigen Amis nicht, aber die treten den Weg nach Europa auch nicht an.

          Der GLS will vieles besser machen als seine Artgenossen. Er sei „die S-Klasse unter den SUVs“, verkündet Mercedes-Benz vollmundig, und in der Tat bedient sich der 2,5-Tonner an den feinen Zutaten der Stuttgarter Vorzeige-Limousine, nutzt das Panoramaformat der MBUX-Monitore, bietet Massagesitze auch in der zweiten Reihe und ermöglicht sogar Passagieren bis zu 1,94 Meter Körpergröße die Mitfahrt auf den beiden Klappsesseln der letzten Reihe im Heck. Je nach Sitzkonfiguration passen 355 bis 2400 Liter in den Laderaum. Über zu geringe Zulademöglichkeiten kann sich niemand beschweren, bis zu 900 Kilogramm sind erlaubt, bevor der Allradler an sein Gewichtslimit von 3385 Kilogramm stößt.

          Die Reihensechszylinder leisten 272 und 330 PS

          3500 Kilogramm darf der GLS anhängen, ein Trailerassistent hilft beim kniffligen Rückwärtsrangieren und übernimmt das Lenkrad auf Tastendruck. Um solche Massen zu bewegen, bedarf es starker Antriebe. Mercedes bietet zunächst zwei Turbodiesel mit jeweils drei Liter Hubraum an. Die Reihensechszylinder leisten 272 und 330 PS, wuchten 600 und 700 Newtonmeter Drehmoment über die serienmäßige Neunstufenautomatik auf die Antriebswellen. Der GLS 350 d 4matic sprintet in 7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und schafft 227 km/h Spitze. Der GLS 400 d 4matic erledigt die Standardbeschleunigung in 6,3 Sekunden und erreicht 238 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Die Verbrauchswerte gibt Daimler mit 7,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer an. Noch in diesem Jahr folgt mit dem GLS 580 4matic eine dritte Motorvariante, hier kommt der aufgeladene Vierliter-V8-Benziner auf 489 PS und 700 Nm Drehmoment.

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