https://www.faz.net/-gy9-863at

Das Fahrrad passt zu mir : Wie man sitzt, so fährt man

  • -Aktualisiert am

Das CCT Team hebt sich aufgrund mehrerer Details optisch von anderen Rennrädern ab. Da ist zum einen das relativ stark abfallende Oberrohr, was das Rad kompakt wirken lässt. Außergewöhnlich sind auch die nach unten gezogenen Kettenstreben, die nicht nur Blickfang sind, sondern vor allem ein Kettenschlagen minimieren sollen. Die Gabel ist im oberen Teil ein wenig nach hinten ausgeformt und führt über die gesamte Längsseite eine sehr spezielle Kante, so dass sie fast dreieckig ist. Auch dies dient nicht nur der Optik, sondern soll bessere Dämpfung bei gleichzeitiger Seitensteifigkeit bewirken.

3500 Euro für ein biometrisches Allroundbike

Ebenso ungewöhnlich und wohl auch diskussionswürdig sind die Gummistulpen, die am Unterlenker den Abschluss zum Lenkerband bilden und besonderen Schutz für diesen Bereich bieten sollen. Anders ist auch die Sattelklemmung mit zwei Schrauben: Die eine dient der Befestigung der Sattelstütze, die andere ist für die Einstellung der Sattelhöhe gedacht. Einmal justiert, entfällt damit das lästige Markieren an der Stütze, für den Fall, dass sie zu Transportzwecken herausgenommen werden muss. Wieder ins Sitzrohr eingeschoben, rutscht sie genau in die ursprünglich justierte Höhe zurück. Mit solchen Details versucht sich Corratec in Entwicklung und Design vom Mainstream abzuheben.

Corratec-Details: Sattelklemme mit fixer Höhe
Corratec-Details: Sattelklemme mit fixer Höhe : Bild: Braun

Das CCT Team weist insgesamt sehr gute Fahreigenschaften auf. Wir hätten zwar eine kleinere Rahmengröße bevorzugt, aber es bleibt dank großen Radstands im Vergleich zur nächst kleineren Größe auch trotz des kurzen Vorbaus erstaunlich laufruhig. Ein echtes Leichtgewicht ist das Rad nicht: Acht Kilogramm ohne Pedale bei einem Karbonrad - das ginge leichter.

Aber Gewichtsoptimierung hatte keine Priorität, sondern ausgeglichenes Fahrverhalten für längere Strecken. Das Rad fährt nicht spritzig oder besonders agil, wie man es sich vielleicht in den Bergen wünscht. Seine Qualitäten liegen in Stabilität, einer ausgewogenen Geometrie, unauffälligem und damit gut beherrschbarem Fahrverhalten auch bei hoher Geschwindigkeit. Man fühlt sich auch nach vielen Stunden noch wohl darauf, irgendwie gut aufgehoben.

Ausgestattet mit Komponenten der Serie Shimano Ultegra (Schaltwerk, Bremsen, Kurbel und Tretlager) sowie elektronischer Di2-Schaltung mit Elffach-Kassette, ist an den entscheidenden Stellen nicht gespart worden. Für Laufräder, Vorbau, Sattelstütze, Sattel und Lenker kommt die Corratec-Eigenmarke zum Einsatz. Das gelungene Konzept für einen Allrounder schlägt mit rund 3500 Euro zu Buche. Die Biometrie für ein Rennrad kostet in Gießen rund 180 Euro. Das klingt zunächst vielleicht teuer, relativiert sich jedoch, wenn man bedenkt, wie viel Geld auch Hobbyfahrer gelegentlich in bessere Aerodynamik oder Leichtteile investieren. Der Blick auf den eigenen Körper und dessen Optimierungspotential zahlt sich womöglich eher aus als ein kostspieliger Satz Laufräder.

Weitere Themen

Topmeldungen

Novak Djoković beim Training vor den Australian Open am 13. Januar in Melbourne

Novak Djoković : Ein Held für Serbiens Impfskeptiker

Unter serbischen Verschwörungstheoretikern genießt Djoković hohes Ansehen. Dabei war Serbien beim Impfen einmal ganz vorn dabei. Ob er sich impfen lässt oder nicht, wird politische Folgen haben.
Online-Glücksspiel wird immer beliebter: Doch wie steht es eigentlich um die Anbieter?

Online-Glücksspiel : Legalisiert und paralysiert

Vor gut einem halben Jahr wurde das Online-Glücksspiel in Deutschland liberalisiert – mit einer ähnlichen Argumentation wie beim Cannabis. Doch bisher ist das neue Regelwerk kein Erfolg.