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Weltpremiere in Wolfsburg : VW hat den Golf renoviert

Der neue Golf VII Bild: Hersteller

Er ist des Deutschen liebstes Auto und seit Jahrzehnten die Nummer 1 in der Zulassungsstatistik. Bescheiden feiert man heute die Weltpremiere des Golf VII 2.0 zu Hause in Wolfsburg. Motto: Der Golf wird digital.

          Als der VW Golf den guten alten VW Käfer 1974 ablöste, war der riesige Erfolg, der kommen würde, noch nicht abzusehen. Alles war jetzt anders: Antrieb und Motor vorn statt hinten, kantige Karosserie statt runder Formen, nur der Radstand von 2,40 Meter, der war gleich geblieben. Mit einer Länge von 3,71 Meter war der Golf I sogar deutlich kleiner als der damalige Käfer, der immerhin 4,07 Meter maß. Der Golf ist im Laufe seines langen Lebens gewachsen, in der fünften Generation hat er den Käfer überholt, heute kommt er auf eine Länge von 4,26.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          An den Abmessungen hat sich zum neuen Modelljahr 2017 nichts geändert, dennoch ist es berechtigt, von einem großen Facelift zu sprechen. Die Konturen wurden geschärft, dazu kommen neue Stoßfänger vorn und hinten, neue Halogenscheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, optional sind LED-Scheinwerfer zu haben (statt wie bisher Xenonlicht). Die Kotflügel vorn sind neu, alle Golf haben jetzt LED-Rückleuchten. Neue Räder und Farben sind im Angebot, auch das Design des Innenraums ist frischer.

          Es ist berechtigt, von einem großen Facelift zu sprechen Bilderstrecke

          Doch „das Update des Golf erschließt sich am schnellsten von innen nach außen,“ sagt VW. Die herkömmlichen Armaturen (Tacho, Drehzahlmesser) werden digital und rein virtuell auf einem 12,3 Zoll großen, farbigen Bildschirm dargestellt. Die Auflösung beträgt 1440 x 540 Pixel. Was angezeigt wird, lässt sich über verschiedene Profile (Classic, Verbrauch & Reichweite, Effizienz, Leistung & Fahrerassistenz, Navigation) vom Fahrer beeinflussen. Beispiel: Ist Navigation gewählt, werden Tacho und Drehzahlmesser verkleinert und rücken rechts und links an den seitlichen Rand, um der Landkarte mehr Raum zu geben. Neue Audis nutzen diese Lösung bereits. Das digitale Cockpit kostet allerdings Aufpreis. Wie hoch der sein wird, steht noch nicht fest.

          Außerdem werden alle bisherigen Infotainment-Systeme ersetzt, die jeweiligen Bildschirme (unabhängig von den virtuellen Armaturen) werden größer: 6,5 statt 5 Zoll in den Basisausstattungen, 8 statt 6,5 Zoll in der nächsten Stufe (inklusive Navigation) und 9,2 statt 8 Zoll in der besten Ausstattung. Die Auflösung vergrößert sich hier deutlich von 800 x 480 auf 1280 x 640 Pixel. Alle sind im übrigen Touchscreens.

          Jetzt mit Gestensteuerung

          Mit 9,2 Zoll (Discover Pro nennt sich das System) gibt es jetzt zusätzlich zur Annäherungssensorik und der Berührungs- und Sprachbedienung eine Gestensteuerung. VW freut sich über eine Weltpremiere im Segment der Kompaktfahrzeuge, die auch gern Golfklasse genannt wird. Discover Pro bietet so ziemlich alles, was heute erwartet wird (DVD-Laufwerk, zwei SD-Kartenleser, SSD-Festplatte mit 10 GB Datenvolumen und vieles mehr). Zwei Mobiltelefonschnittstellen kosten Aufpreis, dann kann das Smartphone induktiv geladen und mit dem Auto gekoppelt werden. Neu sind zudem etliche Online-Services und verschiedene Apps für den Golf.

          Nebenbei sollte man erwähnen, dass der Golf VII 2.0 auch fährt. Und wahrscheinlich besser und vor allem sicherer als je ein Golf zuvor. Das Angebot der Assistenzsysteme wird um einen Helfer für den Stau, eine neue Fußgängererkennung für die City-Notbremsfunktion, und einen elektronischen Helfer für das Rückwärtsfahren mit Anhänger ergänzt. Trailer-Assist ist wiederum eine Premiere in der Golf-Klasse. Bemerkenswert ist der neue Notfall-Assistent (Emergency Assist). Hier geht es darum, das Fahrzeug sicher zum Stehen zu bringen, wenn der Fahrer das Bewusstsein verloren hat. Wichtig ist in diesem Zusammenhang noch, dass die Radarsensoren dieser und anderer Systeme sich fortan nicht mehr sichtbar im unteren Kühllufteinlass des Stoßfängers befinden, sondern unsichtbar hinter dem VW-Zeichen im oberen Kühlergrill.

          Neu ist ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner

          Das klassische Geschäft kommt letztlich auch nicht zu kurz. Neu ist ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 150 PS und variabler Zylinderabschaltung. Das Drehmoment-Maximum liegt bei 250 Newtonmeter bei nur 1500 Umdrehungen in der Minute, der Normverbrauch beträgt 4,9 Liter. In einer besonders sparsamen Variante hat dieser Motor nur 130 PS, immer noch für einen Benziner stramme 200 Nm Drehmoment und verbraucht 4,6 Liter. Im übrigen tut sich bei den Motoren wenig.

          Die GTI-Modelle haben jetzt 230 statt 220 PS, die Leistung der „Performance“-Version steigt analog auf 245 PS. Neu ist ein Siebengang-DSG. Diese Doppelkupplungsgetriebe fahren sich wie eine konventionelle Automatik. Das neue DSG wird nach und nach alle bisher eingesetzten Sechsgang-DSG ablösen. Zusammen mit den zwei- und viertürigen Golf-Modellen (inklusive GTI und GTE) wird auch der Golf Variant (also der Kombi) erneuert.

          Aktuell kostet der Basis-Golf 17.850 Euro

          Die Karriere des Golf begann wie schon erwähnt 1974. Im Mai kam der von Giorgio Giugaro gezeichnete Käfer-Ersatz auf dem Markt. 70 PS holte der Motor aus fast 1,5 Liter Hubraum, der Basispreis betrug 9785 Mark für den Viertürer. Nachgeschoben wurde eine 50-PS-Varainte als Zweitürer mit 1,1 Liter Hubraum für glatte 8000 Mark. Aktuell kostet der Basis-Golf 17.850 Euro, fürs neue Modelljahr wurden noch keine Preise genannt. Sie dürften aber nicht großartig steigen.

          Schnell entwickelte sich der Golf I zum Bestseller, ganze neun Jahre wurde die erste Generation gebaut. Meilensteine aus dieser Zeit sind der erste GTI (1976, 110 PS), der erste Diesel (ebenfalls 1976) und das Cabriolet (1979). Unvergessen sein Spitzname: Wegen des festen Überrollbügels wird das Cabriolet als Erdbeerkörbchen verspottet. Es wird bis 1993 gebaut, da ist die erste Generation eigentlich schon lange in Rente. Weitere Cabrios gibt es von den Generationen III, IV und VI, 2016 wird die Produktion eingestellt. Viele Fans hoffen ein Comeback, schließlich hatte es schon zwischen 2002 und 2011 kein Golf-Cabrio gegeben.

          Dagegen ist der Golf-Variant, auf den der VW-Kunde 19 Jahre warten musste, seit 1993 stets im Programm. Bis heute ist der Golf in den 42 Jahren seiner Bauzeit mehr als 33 Millionen Mal in der Welt verkauft worden

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