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Das Ende des Karosserieschneiders : Bertone, der 99. Geburtstag und die Insolvenz

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Der Alfa Romeo Giulietta Sprint schuf den finanziellen Grundstein für den Erfolg von Bertone Bild: Archiv Günther

Beim italienischen Karosserieschneider Bertone gehen langsam die Lichter aus, was betuchte Sammler erwartungsvoll die Schultern straffen lässt. Im Rahmen des Concorso d'Eleganza Villa d'Este waren gleich mehrere Stilstudien unter den Hammer.

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          Die Momentaufnahmen eines grandiosen Auftritts, gebannt auf grobkörnigen Fotos in Schwarz-Weiß, gingen um die Welt. Da gleitet, von Fürst Rainier eigenhändig gelenkt, das monegassische Fürstenpaar in einem atemberaubenden Automobil durch Monte Carlo. Es ist Sonntag, der 7. Mai 1967 – ein großer Tag: Gleich wird sich die karierte Flagge zum Großen Preis von Monaco senken, und der Fürst und die Fürstin sind auf dem Weg zu ihrer Loge an der Rennstrecke. Menschen, dicht gedrängt, stehen jubelnd an den abgesperrten Straßen. Welcher Glanz – und welch ein Auto. Aber was ist es?

          Die Stunde der Kenner schlägt. Sie wissen, dass es sich um einen Lamborghini Marzal handelt, um ein Unikat, das erst vor wenigen Wochen auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1967 debütierte. Von Carrozzeria Bertone entwickelt und gebaut, wirkt der scharf profilierte Viersitzer mit seinem Glasdach, den großen, beinahe durchsichtigen Flügeltüren und den schwarzen Karosserieblenden mit dem Wabenmotiv wie von einem anderen Stern – ein Eindruck, den die schneeweiße Außenhaut mit der silbrig glänzenden Innenausstattung unterstreicht.

          Eines aber unterscheidet diesen futuristischen, von Marcello Gandini entworfenen Schönling von anderen Studien dieser Art: Er fährt, und wie. In seinem Heck arbeitet ein von Lamborghini speziell gefertigter 2,0-Liter-Reihensechszylinder mit 175 PS, zwei obenliegenden Nockenwellen und drei Doppelvergasern, der für eine Spitze von knapp 200 km/h sorgt. An eine Serienfertigung ist nicht gedacht, der Marzal ist und bleibt ein unverkäuflicher Botschafter in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, der mit sorgsam geplanten Auftritten - wie dem Geniestreich von Monaco - sowohl Bertone als auch der jungen Marke Lamborghini Geltung verschafft. Gleichzeitig dient das weiße Einzelstück als Vorschau auf kommende Attraktionen: Der 1968 eingeführte Lamborghini Espada, ein Serienmodell, orientiert sich in seiner Linienführung wie in zahlreichen Details am Marzal. Nuccio Bertone, der Chef des gleichnamigen Hauses, darf sich die Hände reiben: Mit Geschick und Glück hat er es zu einem der berühmtesten Karosseriebauer gebracht.

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          Die Erfolgsgeschichte beginnt 1912. In diesem Jahr gründet Giovanni Bertone (1884–1972) einen kleinen Stellmacherbetrieb in Turin, der Kutschen und Pferdefuhrwerke baut und 1921 das Fahrgestell eines SPA 9000 mit einem zweisitzigen Sport-Aufbau bestückt. Dies ist der Durchbruch. Bertone-Schöpfungen gelten schon bald als handwerklich hochwertig und formal bestechend, zu Recht. 1938 etwa entsteht die hinreißende Hülle für einen offenherzigen Fiat 1500, den viele als eines der schönsten Autos der 1930er Jahre betrachten. Bertone ist auf einem guten Weg, auch personell: Giovanni „Nuccio“ Bertone, der am 14. Juli 1914 geborene Sohn, verstärkt den väterlichen Betrieb. Zuvor hat der junge Mann, der schon mit 15 Jahren ein guter Karosserieschlosser ist und unbedingt Autos entwerfen will, die Schule beendet und seine Prüfung zum Buchhalter abgelegt.

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