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Fahrbericht Cupra Ateca : Feuerwasser für die Familie

Der neue Seat Cupra Bild: Hersteller

Seat startet mit dem Ateca ein flottes Experiment. Das Auto ist das erste Modell der eigenständigen Marke Cupra. Sechs weitere sind geplant.

          2 Min.

          Es habe ihn, sagt Luca de Meo, gewisse Überzeugungskraft gekostet, den Namenszusatz Cupra als eigene Marke rassiger Rasanz in der VW-Welt durchzusetzen. Wie der Chef der mit Eigenblutspenden zu neuem Leben erwachenden VW-Tochter Seat das geschafft hat angesichts der Elektromobilitätseinbahnstraße derer zu Wolfsburg, weiß der Himmel über Barcelona. Aber es ist uns auch gleich, er hat es getan, darauf ein dreifaches Olé.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wie in solchen Anfängen üblich, beginnt die Sause eher bescheiden. Man nehme also den ansehnlichen Familien-Crossover Ateca, ersetze das Seat-S durch ein Indianerlogo, pflanze vorn einen munteren Zweiliter-Turbo-Vierzylinder mit 300 PS ein und lasse ihn hinten durch vier Ofenrohre ausatmen. Ergibt im Zusammenspiel mit schicken Felgen und diversen Farbtupfern aus Kupfer einen coolen Auftritt, ohne in Sphären der Peinlichkeit abzurutschen.

          Beständiges Brabbeln aus dem Untergrund kündet von Entschlossenheit, die sich in einem Drehmoment-Maximum von 380 Newtonmetern zwischen 1800 und 5500 Umdrehungen manifestiert. Das Aggregat ist aus dem Leon bekannt, mithin nicht von schlechten Eltern, und wurde zudem modifiziert, was der Sauberkeit zugutekommt. Mit Partikelfilter erfüllt es die Abgasnorm Euro 6d-Temp. Aus dem Stand fällt die 100-km/h-Marke nach 5,2 Sekunden, 247 km/h sind spitzenmäßig drin, wobei es obenheraus etwas zäher wird, was wir mit Mühe verschmerzen. Als Normverbrauch vermeldet Seat 8,9 Liter nach der realitätsnäheren WLTP-Norm, unser Bordbuch weist unerfreulichere 10,1 Liter Super aus.

          Im Zusammenspiel mit schicken Felgen und diversen Farbtupfern aus Kupfer ein cooler Auftritt. Bilderstrecke

          Dem steht die Erotik spanischen Feuerwassers in einem Apfelsaftschorletransporter gegenüber. Vier Personen finden bequem Platz, vorn auf angemessen umhüllenden Sportsitzen mit feinem Bezug, die straff, aber nicht zu hart sind, und hinten dank des erquicklichen Radstands mit schöner Beinfreiheit. Zur Not passt noch ein Fünfter in die Mitte, dort lebt es sich freilich arg eingeengt. In den ohne Sorge vor orthopädischen Folgeerscheinungen zu beladenden Kofferraum passen Einkäufe oder Gepäck in sehr ausreichender Menge hinein, 485 Liter lautet die offizielle Zahl, und die Rückbank lässt sich erweiternd umlegen, das ist schlicht im besten Sinne alltagstauglich.

          Fahren gelingt flott und auch im Grenzbereich ohne Zicken, die Lenkung dirigiert zielsicher. Der stets an Bord befindliche Allradantrieb gibt ein gutes Gefühl der Sicherheit, im Winter gen Skihütte ist er sowieso ein Trumpf. Das bekannte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe waltet gekonnt, manchmal wirkt es leicht lethargisch, dann hilft ein entschlossener Gasstoß. Vom Fahrwerk ist eine gleichsam sportliche Grundeinstellung zu erwarten, es ist zehn Millimeter tiefergelegt und lässt sich von bretthart bis langstreckentauglich justieren. Wer auf beste Verzögerung Wert legt, nimmt für 2700 Euro Aufpreis die bissige Brembo-Bremse hinzu. Der Testwagen hatte sie, ergibt bittersüße 52.829 Euro.

          In Barcelona tüfteln sie schon an weiteren Antidepressiva, zum Ateca sollen sich sechs weitere Cupras bis zum Jahr 2021 gesellen, über die wir noch nichts verraten dürfen, nur vielleicht so viel: Sieht gut aus.

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