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Mini-Yacht mit Einbaumotor : Entspannt liegen, rasant fliegen

  • -Aktualisiert am

Die Cranchi Endurance 27 macht sich vor allem durch unkompliziertes Fahrverhalten beliebt. Bild: Wanke

Die Cranchi Endurance 27 ist eine Mini-Yacht mit Einbaumotor, die sich noch mit dem Personenwagen ziehen lässt. Kleine Tour mit dem edlen Italokreuzer vom Comer See.

          Nur wenige Sportboot-Werften haben eine solche Tradition. Die fünfte Generation ist mittlerweile am Ruder des 1870 gegründeten Familienbetriebs Cranchi. Ursprünglich wurden in San Giovanni di Bellagio Arbeits- und Fischerboote aus Holz gefertigt. Das heutige Hauptwerk in Piantedo liegt 30 Kilometer nördlich vom ersten Betriebsgelände. Derzeit produziert die Werft an vier Standorten aus Glasfaserkunststoff 18 Modelle und unterhält zudem ein eigenes Testzentrum an der Adria, nicht weit von Venedig entfernt. Auch die Endurance 27, Einstiegsmodell der Innenborder-Baureihe, musste dort die üblichen Prozeduren über sich ergehen lassen.

          Trotz der stattlichen Abmessungen von 8,50 Meter Länge, 2,50 Meter Breite und des Gewichts von 2,2 Tonnen ist der Tageskreuzer mit entsprechenden Zugfahrzeugen problemlos auf dem Anhänger transportierbar. Wer einen passenden Stellplatz hat, kann das Boot also daheim lagern und für den Einsatz ans Revier der Wahl ziehen. Dort kann dann gekrant oder an einer Rampe geslippt werden. Wer so verfährt, spart Gebühren für einen permanenten Liegeplatz im Hafen und kann auf den sonst nötigen Antifouling-Anstrich verzichten. Dank CE-Zertifizierung in der Kategorie B darf die Mini-Yacht mit bis zu sechs Personen an Bord auch außerhalb von Küstengewässern gefahren werden. So eignet sie sich für Urlaubsfahrten mit der ganzen Familie am Meer.

          Auf den ersten Blick fallen Ausstattungsmerkmale ins Auge, für die in der Branche üblicherweise Aufpreis verlangt wird, die bei der Cranchi aber zur Serienausstattung gehören. So sind die Badeplattform und das Deck mit massivem Teakholz belegt, eine Außendusche gehört ebenfalls zum Standard. Am Heck steht Sonnenanbetern eine weich gepolsterte Liegefläche zur Verfügung, die mit einer Länge von 1,67 Meter allerdings nicht für großgewachsene Zeitgenossen konzipiert wurde. Der Weg ins Cockpit führt über die Rückenlehne der hinteren Sitzgruppe. Wer hier einen Tisch mit einer massiven Teakholzplatte möchte, muss draufzahlen. Die Konstruktion ist variabel und lässt sich absenken. Werden weitere Polster aufgelegt, entsteht dort eine zusätzliche Liegefläche.

          Die Küche findet sich unterm Fahrersitz. Bilderstrecke

          Für eine Wetbar mit Spüle und einer kleinen Arbeitsfläche hat sich ein Platz unterhalb des Fahrersitzpolsters gefunden. Auf Kühlschrank und Abfallbehälter, in der Steuerkonsole untergebracht und ebenfalls Teil der Grundausstattung, muss nicht verzichtet werden. Sind die hinteren Liegeflächen schon belegt, steht Zuspätkommern eine weitere auf dem Vordeck zur Verfügung, mit 1,78 × 1,90 Meter zudem großzügiger geschnitten, wobei deren Polster sowie ein schattenspendendes Bimini zu den Extras zählen. Aufs Vordeck gelangt man über Gangborde an beiden Seiten der Konsole vorbei. Wer ankern will, und das will eigentlich jeder, muss für Elektrowinde, 30-Meter-Kette und Zehn-Kilo-Anker ein Kreuz auf der Liste der Sonderausstattungen setzen.

          Unter dem Vordeck befindet sich die Kabine, die über eine Schiebetür neben dem Steuerstand betreten wird. Sie bietet im Eingangsbereich eine stattliche Stehhöhe von 1,83 Meter. Die Liegefläche im Bug misst 1,80 × 2 Meter. Zur Belüftung und als Notausstieg dient ein großes Luk. Auf einer kleinen Regalkonstruktion lässt sich ein Mikrowellengerät oder Ähnliches plazieren. Ein Feuerlöscher und eine Handlenzpumpe sind gut zugänglich montiert. Weiter hinten befindet sich noch eine Unterflurkoje mit einer Kriechhöhe von nur 59 Zentimetern, die sich mit ihren Abmessungen von 1,79 × 1,04 Meter allenfalls für einen Erwachsenen oder zwei kleinere Kinder eignet. Die Ausstattung des Toilettenraums beschränkt sich auf ein elektrisches WC; Waschbecken oder Dusche sind nicht zu haben.

          Was den Antrieb betrifft, sieht die Werft einen Benzin-Innenborder in Form des Volvo Penta V6-280-CE/DPS vor, der die erzeugte Kraft über einen Aquamatic-Z-Antrieb mit gegenläufigen Doppelpropellern ins Wasser bringt. Der 4,3-Liter-Benziner entwickelt 280 PS (209 kW) und hat dank Katalysatoren auch eine Zulassung für den Bodensee. Obwohl nicht gelistet, können Selbstzünder prinzipiell montiert und angefragt werden. Der Steuerstand ist übersichtlich gestaltet. Die analogen Instrumente lassen sich gut ablesen, ein Kompass weist den Weg. Eine Motorüberwachungsanzeige stellt weitere Informationen zur Verfügung, allerdings nicht alle wünschenswerten. So muss beispielsweise eine Verbrauchsanzeige gesondert bestellt werden.

          Ist der Gashebel auf Vollausschlag gebracht, vergehen sechs Sekunden, bis bei 14 Knoten und 3200 Touren die stabile Gleitfahrt erreicht ist. Die Spitzengeschwindigkeit von flotten 35,8 Knoten (66 km/h) erreichten wir nach 18 Sekunden bei 5800/min, was dem Drehzahllimit des Motors entspricht. Am effizientesten soll die Fahrt mit 18 Knoten mit einem stündlichen Verbrauch von 28 Litern sein, was wir mangels Verbrauchsanzeige nicht zu überprüfen vermochten. Eine gute Reisegeschwindigkeit ermittelten wir bei 4000 Umdrehungen mit rund 23 Knoten. Dabei muss laut Hersteller der 270 Liter fassende Einbautank stündlich 36 Liter hergeben.

          Belohnt wird das mit hohem Fahrspaß. Wellen – mangels Seegang auf dem Bodensee nutzten wir die Heckwellen der Fähren – meisterte die spurtstarke, sanft eintauchende Cranchi klaglos. Auch absichtliches Verreißen des Steuers rief keine Verhaltensauffälligkeiten hervor. Nur bei sehr scharf gefahrenen Kurven zogen die Propeller Luft. Langsames Manövrieren gelang ohne Stress.

          Die Endurance 27 machte den Eindruck eines sehr gut verarbeiteten, universell einsetzbaren Boots mit überdurchschnittlicher Ausstattung und sehr guten Fahreigenschaften, geeignet auch für mehrtägige Aufenthalte an Bord. Bloß schmerzt die Tatsache, dass beim Grundpreis von 96 711 Euro die unverzichtbare Ankerinstallation noch fehlt.

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