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Filme schauen im Freien : Die neue Liebe zum alten Autokino

Auch für das Autokino in Stuttgart-Kornwestheim ist es kaum möglich, Karten zu bekommen. Bild: dpa

Die beste Zeit hat das Autokino hinter sich. Doch in den Tagen des Shutdowns zieht es die Menschen wieder dorthin. Offen haben die Kinos in Essen, Köln und Stuttgart.

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          Mehr als zwei Wochen dauert der Shutdown nun. Kaum etwas geht mehr. Keine Kneipe, kein Kino, kein Kaufhaus. Alles ist zu. Wirklich alles? Nein. In Essen, Köln und Stuttgart gibt es drei Autokinos, die der Krise trotzen. Sie haben offen und geben Vorstellungen, während andere wie das in Gravenbruch bei Frankfurt oder jenes in München-Aschheim nach behördlicher Anordnung geschlossen bleiben.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das war auch in Essen zunächst so. Doch Betreiber Frank Peciak hat gekämpft und eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Für die Besucher ist das Kino eine willkommene Abwechslung.

          Selbstverständlich gelten besondere Regeln. Die Tickets können ausschließlich online bestellt werden, es dürfen maximal zwei Personen im Auto sitzen oder eine Familie mit ihren Kindern bis 14 Jahre. Auf die Altersfreigabe der Filme wird streng geachtet. Weil die Snackbar geschlossen ist, sollte Verpflegung  mitgebracht werden. Der Einlass erfolgt kontaktlos, das Ticket wird durch die Fensterscheibe gescannt. Zwar sind die Toiletten offen, doch es darf immer nur eine Person aufs Örtchen. Auf die Corona-Kontaktregeln werde vom Personal streng geachtet, heißt es.

          Jeden Abend gibt es zwei Vorstellungen, der Eintritt kostet pro Person acht Euro. Zur Zeit läuft spät abends „Joker“ (ab 16 Jahre), und um 21 Uhr „Nightlife“ (ab 12 Jahre).  Obwohl das Kino in Essen für bis zu 1000 Autos Platz hat, ist es zur Zeit kaum möglich, Karten zu ergattern. Das gleiche gilt für die Kinos in Stuttgart-Kornwestheim und in Köln-Porz. Auch Porz war wegen Corona kurzfristig geschlossen gewesen. So mancher würde in diesen Zeiten gewiss bis zu 200 Kilometer Anreise in Kauf nehmen, nur um mal wieder ein Stücken Normalität zu erhaschen. 

          Autokinos sind eine amerikanische Erfindung, wie könnte es anders sein. Das erste eröffnete dort schon 1933. Das erste in Deutschland und eines der ersten in Europa war das Kino in Gravenbruch bei Frankfurt, das vor ziemlich genau 60 Jahren, am 31. März 1960, seine erste Vorstellung gab. Es lief „Der König und ich“ mit Deborah Kerr und Yul Brynner, der Eintritt kostete 2,75 DM. 

          Gravenbruch hat bis heute überlebt, es gehört in Nicht-Corona-Zeiten zu den bestbesuchten Spielstätten in Deutschland. Das andere Kino im Rhein-Main-Gebiet am Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach wurde 1994 geschlossen, nachdem es 26 Jahre in Betrieb war. Zu den besten Zeiten in den 1970er-Jahren gab es in Westdeutschland rund 40 Spielstätten, ein gutes Dutzend  sind übrig geblieben, temporäre Kinos wie das auf Rügen mitgerechnet. Beliebt waren sie vor allem bei Paaren, die alleine sein wollten. Die letzte Reihe galt allgemein als die „Love Lane“.

          Start verschoben

          Und sogar in der DDR gab es ein Autokino, im brandenburgischen Zempow, eröffnet 1977. Dieses musste 2018 schließen, wie andere, die nach der Wende in Magdeburg oder Rostock eröffnet hatten. Das Kino in Langenhessen bei Zwickau wollte Ende März wieder loslegen, hat jetzt den Start aber verschoben. Das  „Autokino Bärlin“ in Treptow zieht zur Zeit nach Nauen um.

          Wer Zerstreuung sucht, muss es also in Essen, Köln oder Stuttgart versuchen und viel Geduld mitbringen. In die Schweiz oder nach Österreich auszuweichen ist nicht möglich. Die drei Schweizer Häuser sind wegen Corona geschlossen, das einzige Autokino, das es jemals in Österreich gab, in Groß-Enzersdorf bei Wien, ging 2015 in Konkurs.

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